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Störung mit Musik

In der Jakobstraße in Görlitz startet eine neue Therapie-Praxis und erlebt zunächst viel Ärger – mit einem stummen Telefon.

© nikolaischmidt.de

Von Ralph Schermann

Sharon Rochner kann Gitarre spielen. Und Klavier. In ihren Praxisräumen beherrscht sie auch die Klanghölzer, Tambourins und Trommeln. Nur das Telefonieren klappte nicht. Der Festnetzanschluss war zu keinem Ton zu bewegen. „Für eine gerade erst gestartete neue Einrichtung ist das geschäftsschädigend“, sagt Rochner.

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Am 5. November hat die junge Frau ihr neues Reich auf der Jakobstraße 37 übernommen. „ImPuls“ heißt die Praxis, und Sharon Rochner ist Ergo- und Musiktherapeutin. Das Angebot gehört zum Verein Initiative Görlitz, in dessen Rauschwalder sozialtherapeutischer Wohnstätte „Balance“ sie zuvor seit 2001 tätig war. Mit der neuen, eigenständigen Praxis reagiert die Initiative Görlitz auf den steigenden Bedarf therapeutischer Begleitung für psychisch und psychosomatisch Erkrankte sowie ältere Menschen. Das Konzept soll dem demografischen Wandel gerecht werden. Demenz bilde dabei einen Behandlungsschwerpunkt. Die Praxis bietet zudem mit Musiktherapie eine Therapieform an, die es bisher in Görlitz kaum gibt. „Musik erreicht uns tief im Inneren. Sie gibt uns die Möglichkeit, über Dinge zu ,reden‘, über die wir nicht oder schwer sprechen können“, sagt Sharon Rochner. Sie hilft auch mit Musiktherapie an der Jahnschule schwerbehinderten Kindern, sich zu artikulieren.

Für die neue Praxis werden viele Angebote ärztlich verordnet und von den Krankenkassen anerkannt. „Insgesamt rechnen wir, vier Mitarbeiter zu beschäftigen“, sagt Manfred Thon, Geschäftsführer des Initiative e.V., und auch deshalb sei es „ärgerlich, dass gerade in der Anfangsphase das Telefon schweigt. Durch diese Panne geht uns Geld verloren.“ Zwar ist die Praxis zurzeit ohnehin erst an zwei Tagen in der Woche besetzt, weil Sharon Rochner vor allem zu Hausbesuchen unterwegs ist, doch ohne Netzverbindung funktioniert auch der speziell geschaltete Anrufbeantworter nicht.

Die Telefonprobleme bei „ImPuls“ begannen im Dezember und konnten zunächst durch Fernwartung der Telekom behoben werden. Ab 4. Januar war die Anlage komplett tot. Praxisleiterin Rochner richtete für Klienten, Angehörige und Ärzte extra ein Handy ein. Am 13. Januar kam ein Techniker – und stand vor einem Problem: Der Fehler lag nicht am Praxisanschluss, sondern an einem Verteilgerät im Keller des Hauses. „Leider war dort ein Zutritt nicht möglich“, erklärte Markus Jodl von der Deutschen Telekom, man müsse erst Schlüssel bei der Hausverwaltung besorgen. Auf jeden Fall aber sei man „am Fall dran“, versicherte der Telekom-Sprecher.

Der „Fall“ besteht aus Therapie-Räumen, einer Werkstatt für Holz- und Tonmaterial, einem Computerplatz, dem Musikraum und sogar einer Küche – alles vom Verein in Eigenleistung hergerichtet. „Kreative Tätigkeiten, Gedächtnis- und Entspannungsübungen sind lebenspraktisches Training“, erläutert Sharon Rochner. Genau das ist das Ziel: „Wir wollen den Klienten das Selbstwertgefühl erhöhen, ihre soziale Kompetenz erhalten, auch helfen, den Tag zu strukturieren“, erklärt sie. Deshalb auch Hausbesuche, solange es geht. Genau das hat sich die Initiative Görlitz e.V. auf die Fahnen geschrieben, als sie sich vor 25 Jahren in der Tradition des legendären Arztes Dr. Kahlbaum gründete: „Unser Ziel ist die Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen im täglichen Zusammenleben“, sagt Manfred Thon.

Dafür betreibt der Verein in Görlitz mit mittlerweile 61 Beschäftigten ambulante und teilstationäre Angebote, Einrichtungen und Dienste für betreutes Wohnen, für tagesstrukturierende Begleitung an Wochentagen, für berufliche Rehabilitation sowie für Selbsthilfegruppen von Angehörigen. Das jüngste „Kind“ in der Angebotspalette ist nun die Praxis „ImPuls“, in der auch ein völlig neues wissenschaftliches Behandlungskonzept Klienten mit Demenzerkrankungen ermöglicht, ihre Selbstständigkeit länger zu erhalten. „ErgoDem“ heißt es und wird maßgeblich von PD Dr. Thomas Reuster begleitet, dem Chef der Görlitzer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Auch für diese Zusammenarbeit ist das Telefon zwingend notwendig. Am 19. Januar schließlich, 13.45 Uhr, hatte es die Telekom dann tatsächlich repariert. Sharon Rochner: „Hoffentlich bleibt das jetzt so…“

Telefon 03581 8784385 oder 0174 5392739

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