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Stollen und Damm schützen Glashütte

Ein Tunnel von derPrießnitz zur Müglitz soll die Uhrenstadt künftig vor Hochwasser bewahren.

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Von Franz Herz

Wenn ein zukünftiges Hochwasser der Prießnitz im Tunnel einfach an Glashütte vorbei geleitet würde, dann wäre die Uhrenstadt viele Sorgen los. Immerhin brachte das Bersten des Prießnitzdammes im August 2002 eine Flutwelle, deren Bilder um die Welt gingen. Wer sie miterlebt hat, vergisst sie nicht mehr.

Die Tunnellösung ist kein Traum aus Wolkenkuckucksheim, sondern eine ernsthafte Überlegung, die gestern Gerrit Salveter, Bauingenieur aus Heidenau, vor Fachleuten in Lauenstein vorstellte. Er ist der verantwortliche Planer für den Wiederaufbau des Prießnitzdammes.

Der Glashütter Frank Smigerski, dessen Uhrengeschäft an der Prießnitz 2002 unter Wasser stand, sagt: „Ich gehe davon aus, dass bei einem Wiederaufbau nach modernen Methoden so ein Damm nicht wieder bricht. Aber eine Erhöhung, wie sie vorgesehen ist, kann ich nicht nachvollziehen.“

Der Wiederaufbau in der alten Größe bringt 50 000 Kubikmeter Stauraum, in einer zweiten Baustufe soll der Damm doppelt so hoch werden und 1,1 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten. Das wird dann ein gigantisches Bauwerk in dem engen Prießnitztal. „Der Dammfuß rückt 80 bis 100 Meter Richtung Glashütte“, sagt Salveter. „Das ist realisierbar, kommt aber an Grenzen, was die Umweltverträglichkeit betrifft.“ Die Straße nach Johnsbach müsste verlegt werden, ebenso das Stadtbad.

Der Planer schlägt eine sanftere Lösung vor: Den Hochwasserschutzdamm nicht auf die doppelte Höhe ausbauen, sondern etwas zurückhaltender, so dass er besser in die Landschaft passt. Das Wasser, welches der kleinere Damm bei einer schweren Flut nicht mehr aufhalten kann, soll aber nicht durch die Innenstadt fließen. Dafür müsste ein unterirdischer Stollen durch den Berg in Richtung Müglitz getrieben werden. Die Gegebenheiten dafür sind günstig. An dieser Stelle liegen die beiden Flusstäler nur 300 bis 400 Meter voneinander entfernt und die Prießnitz etwa 30 Meter höher als die Müglitz. Selbst die Wassermassen aus dem August 2002 hätten durch eine solche Röhre problemlos gepasst.

„Wir überlegen diese Varianten in unserem Haus“, sagt Ralph Flemmig, bei der Talsperrenverwaltung für den Bau des Prießnitzdammes verantwortlich. Die Variante mit dem Stollen wäre zwar günstig für die Glashütter Innenstadt. Im Müglitztal bringt sie aber keine Besserung. Für Schlottwitz und die Gemeinden weiter flussabwärts wäre es effektiver, bei einer Flut möglichst viel Wasser in einem Rückhaltebecken aufzufangen. „Ein großer Damm und ein Entlastungsstollen, diese Lösung wäre dann der Mercedes. Ob wir uns den aber leisten können?“, fragt Flemmig. Eine Entscheidung soll gegen Ende dieses Jahres fallen.

Aber die Anwohner der Müglitz werden eine andere Nachricht gerne hören: Ab Oktober soll der Damm in Lauenstein soweit aufgeschüttet sein, dass er funktioniert. „Ende des Jahres ist der Probestau geplant“, sagt Hans-Jürgen Glasebach, der Chef der Talsperrenverwaltung. „Damit haben wir endlich Hochwasserschutz an der Müglitz“, sagte Glashüttes Bürgermeister Frank Reichel bei dieser Nachricht.

Damit dieses Ziel eingehalten wird, werden die Bauarbeiter in den nächsten Tagen rund um die Uhr arbeiten. „Wir haben Nachtschichten beantragt, wollen durcharbeiten von früh um sieben bis 18 Uhr, und von 18 Uhr bis fünf Uhr. Vierzehn Tage Probebetrieb haben wir jetzt. Dabei wird der Lärm gemessen. Wenn es geht, arbeiten wir so weiter“, sagt der Wasserbauingenieur Christian Lösch von der Firma Hydroprojekt. Er ist für die Bauüberwachung in Lauenstein verantwortlich. Dieses Schutzbecken ist entscheidend für das ganze Müglitztal. Es wird mit fünf Millionen Kubikmeter Stauraum hundertmal größer als das an der Prießnitz nach dem Wiederaufbau.