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Stollenkneten in vierter Generation

Seit 75 Jahren bäckt Familie Scholz in Pirna. Bald übernimmt der einst jüngste Meisterschüler den Familienbetrieb.

© Marko Förster

Von Maria Trixa

Früh um neun ist der Arbeitstag für Robert Scholz fast gelaufen. „Naja, jetzt in der Adventszeit dauert es auch mal länger“, sagt der Bäckermeister. Ein Dutzend mit Rosinen verknetete Teigkugeln warten noch darauf, in der Hitze des Ofens zu fertigen Stollen heranzuwachsen. Die Vorweihnachtszeit raubt dem Pirnaer Bäcker viel Schlaf. Firmen, Kirchenweihnachtsfeiern und Stammkunden bestellen bei der Bäckerei Scholz in der Pirnaer Südvorstadt ihren alljährlichen Christstollen.

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Ab drei Uhr früh steht der junge Bäckermeister gemeinsam mit seinem älteren Gesellen jeden Morgen in der Backstube. Sonnabends beginnt der Tag noch früher. Immer in der gleichen Reihenfolge entstehen hier die Teigwaren, die dann an der Ladentheke zum Verkauf angeboten werden: Erst kommt der helle Semmelteig dran, dann folgen die dunklen, körnigen Varianten, gefolgt von den Broten. Zum Abschluss backt Robert Scholz Kuchen und Feingebäck. „Das ist immer ein Gefriemel“, brummt er nicht unfreundlich. Dem neumodischen Gebäck kann der 35-Jährige nicht viel abgewinnen. Frisch geräucherte Knacker aus dem eigenen Räucherofen sind ihm am liebsten. Er ist bodenständig.

Und so hält er es auch bei seinem Backwerk. Die Arbeit ist aber längst nicht mehr so anstrengend wie früher, als die Kohlen zum Befeuern des Ofens herangeschafft werden mussten und die Mehlsäcke noch 75 statt 25 Kilogramm wogen. Als die schlesischen Ururgroßeltern Anna und Paul Scholz die Bäckerei vor 75 Jahren gründeten, arbeiteten sie zunächst unter spartanischen Bedingungen. Sie zogen mit dem Handkarren durch das Wohngebiet, um ihre Ware zu verkaufen. „Zeitweise haben sie sich mit der Bäckerei Burkhardt einen Ofen geteilt, weil die Kohlen knapp waren“, weiß Andrea Scholz zu berichten.

Noch führt sie die Bäckerei in der Südvorstadt. Sohn Robert soll die Geschäfte 2015 übernehmen. Dann wird die Bäckerei in vierter Generation betrieben. „Der Tisch kommt übrigens auch noch aus Schlesien“, erzählt Andrea Scholz und deutet in die Bäckereiküche. Eine Tischdecke verbirgt das Alter des Möbelstücks. „Der Tisch könnte Geschichten erzählen. Hier habe ich von meiner Schwiegermutter die Buchführung gelernt“, sagt Andrea Scholz.

„Wir wurschteln uns durch“

Auch jetzt noch schreibt sie am Tisch nieder, was zur Führung des Geschäftes wichtig ist. Zum Beispiel, dass an einem Sonnabend etwa 1 500 Semmeln verkauft werden. Seit Andrea Scholz 19 Jahre alt war, arbeitet sie in der Bäckerei. Die gelernte Serviererin verließ den „Schwarzen Adler“, um ihren Mann zu unterstützen.

Seither steht sie unermüdlich hinter der Verkaufstheke, auch 1997, als ihr Mann an Krebs erkrankte und schließlich verstarb. Sohn Robert steckte damals gerade im ersten Lehrjahr. „Es war sehr schwer, mit fröhlichem Gesicht Brot zu verkaufen“, erinnert sie sich. Leichter wurde es in den nächsten Jahren nicht. Da dem Betrieb nun ein Meister fehlte, durfte Robert Scholz gleich nach der Lehre seinen Meisterlehrgang absolvieren. „Er hat mit 20 Jahren als Jüngster den Titel bekommen“, sagt Andrea Scholz. Die 56-Jährige ist sichtlich stolz auf ihren Sohn.

Der sieht seiner Zukunft als Bäckereiinhaber gemächlich entgegen. „Wir wurschteln uns durch. Das wird sich ergeben.“ Dem Bäckerhandwerk mangelt es an Nachwuchs. Ohnehin bildet die Bäckerei momentan nicht aus. Keiner der letzten Praktikanten hat durchgehalten. „Ich denke, es zahlt sich aus, dass wir frische, selbst hergestellte Ware verkaufen“, vermutet Andrea Scholz. Damit mag sie richtig liegen. Eine alte Dame steht vor dem Geschäft. „Solange ich hier meine Semmeln und mein Brot bekomme, reicht mir das“, erklärt sie resolut im Vorbeigehen und läuft schnurstracks auf die Eingangstür zu.