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Stollenpreise ziehen an

Christstollen hat es bekanntlich in sich. Pfundweise vermengen die Bäcker Butter, Zucker, Mehl und Trockenfrüchte zu Teig für das edle Weihnachtsgebäck. Einfache Zutaten, die in der Beschaffung immer teurer werden.

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Von Sebastian Kositzund Constanze Knappe

Christstollen hat es bekanntlich in sich. Pfundweise vermengen die Bäcker Butter, Zucker, Mehl und Trockenfrüchte zu Teig für das edle Weihnachtsgebäck. Einfache Zutaten, die in der Beschaffung immer teurer werden. Die Bäcker mussten deshalb neu kalkulieren – mit dem unschönen Nebeneffekt, dass Kunden für den Christstollen tiefer in die Tasche greifen müssen.

„Wir haben die Preise im Gegensatz zum vergangenem Jahr minimal angehoben“, räumt Lutz Neumann von der gleichnamigen Bautzener Bäckerei ein. Fünfzig Cent „butterte“ der Bäckermeister aufs Kilo drauf, weil er die Beschaffungspreise und die Kosten für die Energie nicht anders abfedern konnte. „Allein beim Roggenmehl habe ich Mehrausgaben von 30 Prozent“, erklärt Lutz Neumann. Gleichzeitig seien die Kosten für Butter und Zucker gestiegen. Sultaninen wurden zudem teurer, weil die Ernte in Australien ausgefallen sei.

Aktuell kostet der Stollen der Bäcker im Landkreis zwischen neun und 13 Euro das Kilo, so Lutz Neumann. Er ist der Obermeister der Bautzener Bäcker-Innung, zu der auch die Betriebe aus dem Altkreis Kamenz gehören. Denen ergeht es nicht anders wie ihren Bautzener Kollegen. An den horrenden Rohstoff- und Energiepreisen haben sie zu knabbern. Bei Bäckermeister Gerald Garten in Gersdorf geht der Kilo-Stollen deshalb für 50 Cent mehr über die Ladentheke. Beim Stollen habe man einfach keine andere Wahl. „Zutaten wie Zitronat, Mandeln und Rosinen sind ohnehin schon preisintensiv und jetzt noch teurer geworden“, erklärt der Gersdorfer Bäcker. Von der „guten Butter“, die den Geschmack des Stollens ausmacht, ganz zu schweigen. Mitglieder der Bäcker-Innung beklagen außerdem, dass neben Zucker der Preis bei hochwertigem Roggenmehl extrem zugelegt hat.

Gutes Roggenmehl ist rar

In der Rätze-Mühle in Spittwitz bei Göda glauben die Verantwortlichen die Ursache zu kennen. „Guter Roggen für gutes Roggenmehl ist im Augenblick sehr schwer zu beschaffen“, erklärt Mitarbeiterin Yvonne Wenzel. Einfaches Weizenmehl sei hingegen billiger. Die Anbaufläche für Roggen ist nicht besonders groß und das Wetter habe dieses Jahr die Ernte verhagelt. Zudem vermutet sie, dass viele Bauern auf bessere Preise spekulieren und das Korn solange einlagern, bis sie einen höheren Gewinn einstreichen.

Steigende Weltmarktpreise

Einen weiteren Grund sehen die Bäcker in der deutschen Energiepolitik: Weil der Staat neuerdings auf Biomassekraftwerke setzt, bauen Landwirte vermehrt schlechteres Getreide und andere Energiepflanzen an, was letztlich auch zu einer Verteuerung bei Mehl führe.

Vorwürfe, die der Sächsische Landesbauernverband nicht auf sich sitzen lassen möchte. „Die Märkte sind sehr starken Schwankungen unterworfen“, erklärt Andreas Jahnel. Die Preise seien größtenteils vom Weltmarkt abhängig. Er wollte nicht ausschließen, dass die hiesigen Bauern aus marktwirtschaftlichen Aspekten um gute Preise pokern. Doch weder seien das Wetter noch der Umstieg auf andere Pflanzenkulturen allein Schuld an den aktuell hohen Preisen. Die Ursachen für die Preisanstiege bei landwirtschaftlichen Rohstoffe sind wesentlich vielschichtiger, so Jahnel.

Bei den Zuckerpreisen schlagen einerseits die weltweit hohe Nachfrage und andererseits die strenge Regelung der EU für Zuckerrübenbauern ins Kontor. Um den europäischen Binnenmarkt für Importe zu öffnen, dürfen Bauern nicht einmal mehr den Eigenbedarf an Zuckerrüben der Gemeinschaft produzieren. „Wir müssen stattdessen teuer vom Weltmarkt zukaufen“, erklärt Thomas Rothe vom Verband Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer. Weltweit habe sich der Preis inzwischen versechsfacht.

Entwicklungen, die auf den Magen schlagen. Billigere Zutaten in den Stollen zu mischen, kommt für den Innungsobermeister Neumann aber trotzdem nicht in Frage. „Ich war auf dem Striezelmarkt in Dresden. Dort sah der Stollen teilweise richtig dunkel aus und war auch niedriger. Da wurden wohl keine hochwertigen Mehle verwendet“, gibt der Experte Tipps, wie sich guter vom schlechten Stollen unterscheiden lässt.Auf ein Wort