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Stolpen trennt sich von ehemaligem Bildungszentrum

Nutzungsideen für das Haus hatte die Stadt. Die konnte sie aber nicht finanzieren. Auch die neuen Eigentümer brauchen erstmal viel Geld.

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Von Anja Weber

Das ehemalige Jugendheim, nach der Wende ein Bildungszentrum, gilt als das Sahnestückchen unter den kommunalen Immobilien der Stadt Stolpen. Doch jetzt hat sich die Stadt davon getrennt. Das Tafelsilber, wie es Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) auch bezeichnet, ist verkauft. Schweren Herzens hat sich die Stadt davon getrennt. „Wir hätten uns das Haus für schlechtere Zeiten aufheben können“, sagt er. Doch das sei nur seine persönliche Meinung. Als Bürgermeister wisse er, dass der Stadt mit dem Grundstück die Hände gebunden seien. „Wir können es selbst nicht belasten. Und uns ist es auch nicht gelungen, endgültig eine neue Nutzung für das Gebäude zu finden“, musste er eingestehen.

An Ideen und Engagement hat es nicht gemangelt. Zuerst gab es Vorstellungen, das Gebäude als kirchlichen Kindergarten zu nutzen. Ein Projekt wurde bereits gemeinsam mit dem ehemaligen Stolpener Pfarrer Tilman Popp entwickelt. Allerdings scheiterten die Pläne am Geld. Der Umbau wäre so teuer geworden, dass auch die Kosten für den Kita-Platz in die Höhe geschnellt wären. Auf Drängen der CDU-Fraktion kam das Haus kurz danach auf die Verkaufsliste der Stadt. Dennoch wurde weiter nach Möglichkeiten gesucht, das Haus in kommunaler Trägerschaft zu belassen. Es folgten Gespräche mit dem Arbeiter-Samariter-Bund mit dem Ziel, ein Mehrgenerationenhaus auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig hätten auch Stolpener Vereine, wie das Quodlibet mit einbezogen werden können. Doch der Kinder- und Familienfreizeitverein musste zwischenzeitlich aufgeben. Die Gespräche mit dem ASB scheiterten ebenfalls, vermutlich am Personal und am Geld. Dazu schien die Auslastung des Hauses fraglich. Das Gebäude blieb auf der Verkaufsliste.

Die Stadt ließ 2010 ein Verkehrswertgutachten anfertigen und schrieb das Gebäude in diesem Jahr zum Verkauf aus. Es gab lediglich einen Interessenten: das Stolpener Paar Heike und Ingo Gestring. Die Stadträte stimmten dem Verkauf zu und ziehen damit auch einen Schlussstrich unter die Debatten um die ehemalige Bildungsstätte. „Wir haben Jahre über die Zukunft philosophiert und nichts umsetzbares gefunden“, sagt CDU-Fraktionschef Matthias Zumpe. Darüber hinaus wäre es nicht wirklich Tafelsilber, wenn es einem die Haare vom Kopf fresse, sagt er. Wenn man nicht mehr in der Lage sei, ein Gebäude kostenneutral zu bewirtschaften, müsste man sich schon überlegen, was damit werden soll. Und letztlich solle man sich auch von eigenen Ideen trennen, wenn sie nicht umzusetzen sind.

Der Stadtrat stimmte dem Verkauf zu, wohl auch deshalb, weil das Anwesen in die Hände einer Stolpener Familie kommt. Heike und Ingo Gestring haben viel vor mit dem rund 2000 Quadratmeter großen Gelände. Ein Arbeitstitel für die neue Nutzung steht fest. „Wir planen ein naturnahes Familienzentrum mit sozial-ökologischer Ausrichtung“, sagt Heike Gestring. Eine kleine Wohnung ist möglich. Auch Schulungen und Weiterbildungen könnten wieder angeboten werden. Auf jeden Fall sei erst einmal viel Geld in das denkmalgeschützte Haus zu investieren.