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Döbeln

Stolze Matrosen aus Halle

Als Kinder eroberten sie die großen Flüsse der DDR. Damals waren sie Jungpioniere. Ihre Freundschaft hält bis heute.

Marianne Thormann zeigt ein Foto der Fritz Weineck. Mit diesem und einem weiteren Pionierschiff waren sie und die anderen Frauen und Männer als Kinder unterwegs.
Marianne Thormann zeigt ein Foto der Fritz Weineck. Mit diesem und einem weiteren Pionierschiff waren sie und die anderen Frauen und Männer als Kinder unterwegs. © Dietmar Thomas

Von Rasmus Wittrin

Döbeln. Bekanntschaften, die sich über 60 Jahre hinweg halten, sind immer etwas Besonderes. Doch die Freundschaft zwischen den 18 ehemaligen Jungpionieren aus Halle an der Saale — Jungpioniere waren in der DDR eine Massenorganisation für Kinder — hat seine ganz eigene Geschichte: Als Jugendliche verbrachten sie den Großteil ihrer Freizeit damit, das „seemännische Handwerkszeug“ zu lernen und auf verschiedenen Pionierschiffen auch anzuwenden. Und die Verbindung zwischen der Gruppe hält bis heute.

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Seit Mitte der 1990er-Jahre treffen sie sich regelmäßig alle zwei Jahre. „Wir gehen immer dorthin, wo die Leute heute wohnen und verbinden das dann mit etwas Kultur“, erzählt Bernd Reichardt, einer der ehemaligen Jungpioniere. Vergangenes Wochenende stand Döbeln auf dem Plan, Manfred Geyer hat es hierhin verschlagen.

Für Geyer, Reichardt und ihre Freundinnen und Freunde ist die Zeit als Jungpioniere eine schöne Erinnerung. Als Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Junge Matrosen“, die zum Haus der jungen Pioniere in Halle gehörte, dem heutigen Peißnitzhaus, lernten sie verschiedene Knoten, wichtige Signale, Grundlagen des Schifffahrtsrechts und sogar das Morsealphabet, berichtet Geyer. Finanziert wurde das von der Abteilung Volksbildung der Stadt Halle.

„Wir haben unsere Freizeit sinnvoll verbracht“, so Geyer. Einige ihrer Freunde seien neidisch darauf gewesen, dass sie bei den Jungen Matrosen waren.

Highlight ihrer Zeit bei den Jungen Matrosen waren aber die mehrtägigen und teilweise sogar mehrwöchigen Fahrten auf den Pionierschiffen. An den Wochenenden und in den Sommerferien ging es über die Saale, die Elbe, Havel und die Spree nach Wettin, Bad Schandau und sogar bis Potsdam.

Im Sommer waren sie manchmal zwei bis drei Wochen unterwegs. „Geschlafen haben wir entweder im Boot, oder wir haben unsere Zelte aufgebaut“, erinnert sich Geyer. Betreut wurden sie vom Kapitän und seiner Frau, die sich um die Versorgung kümmerte.

Zunächst fuhren die Jungpioniere aus Halle mit dem ehemaligen Wasserschutzboot „Seid bereit“ auf den Flüssen Ostdeutschlands umher. Als das außer Dienst gestellt wurde, bauten sie einen ehemaligen Ausflugsdampfer zu ihrem zweiten Schiff „Fritz-Weineck-I“ um. Für die Reparatur dieses Schiffes, dessen Zustand beinahe dem eines Wracks entsprochen habe, stellten über 30 Betriebe aus Halle kostenfrei Fachkräfte bereit.

Einen ihrer größten Erfolge bestritt die Gruppe auf einer DDR-weiten Meisterschaft im K10-Rudern, bei der sie den ersten Platz belegten. Der Kutter K10 wurde, so Geyer, vor allem auf Handelsschiffen als Rettungsboot eingesetzt. Reichardt erinnert sich noch daran, wie sehr sie sich gefreut hatten, dass sie gewannen, obwohl sie nicht am Meer lebten. Insbesondere die Rostocker habe das sehr geärgert.

Für Dieter Schoppe, ebenfalls einer der ehemaligen Jungen Matrosen aus Halle, ist es wichtig zu betonen, dass ihre Freizeitgestaltung „nichts mit den großen politischen Sachen zu tun hatte.“

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