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Freital

Stopp am Weitwanderweg

Der Verein Lebnatene beschildert die erste Etappe des Trails. Dort entsteht Stück für Stück ein „essbarer Waldgarten“.

Wolfgang Finke hat mit seinem Verein ein kleines Grundstück in Obernaundorf gepachtet, um dort naturnah Lebensmittel zu erzeugen.
Wolfgang Finke hat mit seinem Verein ein kleines Grundstück in Obernaundorf gepachtet, um dort naturnah Lebensmittel zu erzeugen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Er ist ein Frühaufsteher. „Wenn ich während der Arbeitswoche laufe, dann am Morgen“, sagt Wolfgang Finke, der sonst auch Rennrad fährt und in Naturteichen schwimmt. Fürs Bürofrühstück pflückt er sich zurzeit täglich noch jungen Löwenzahn, Brennnessel und andere Wildkräuter. Am kommenden Sonnabend aber will er gleich 6 Uhr an der großen Eiche im Poisental sein, an welcher der Weitwanderweg Freital – Riesa beginnt. Der Startpunkt befindet sich aus Richtung Possendorf kommend am Freitaler Ortseingang. „Wir wollen die erste Etappe beschildern, so weit wir es schaffen“, sagt der Enthusiast vom Verein Lebnatene, der seinen Sitz in Riesa hat.

Mit Initiator Uwe Anger aus Riesa hat der Freitaler die 234 Kilometer lange Strecke Anfang 2020 auf der Dresdner Reisemesse vorgestellt. „Das Interesse war groß, bis Ende des Jahres wollen wir möglichst alle neun Etappen beschildern. Es wird auch Kartenmaterial geben und die GPS-Daten als Download von unserer Webseite.“ Lebnatene hat den Trail im Oktober 2019 ins Leben gerufen. Weil er die Stahlstädte Freital und Riesa verbindet, wird er auch „Stahltrail“ genannt. Außerdem unterstreichen die Akteure gern, dass der Rennsteig in Thüringen im Vergleich nur 168 Kilometer lang ist und rund 1.000 Höhenmeter weniger aufzuweisen hat. 

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Auf der Beschilderungstour werden sie von einer Extremsportlerin und einem Athleten der Laufszene begleitet. „Unser Tempo wird relativ schnell sein“, kündigt Finke an. Den 16. Mai haben sie gewählt, weil der diesjährige GutsMuths-Rennsteiglauf in Thüringen an diesem Tag stattgefunden hätte. Wegen der Corona-Krise wurde er von den Veranstaltern abgesagt. Noch bis zum 17. Juni dauert als Alternative die virtuelle Aktion „Jeder für sich: Rennsteigläufer at home“. 

Der auf 15 Kilometer rings um den Wohnort eingeschränkte Bewegungsradius, der mit der Corona-Schutzverordnung ab 7. April in Sachsen galt, ist zwar gelockert worden. Doch Uwe Anger hat eigene Ideen entwickelt, wie sogar bei diesem Bewegungsradius für Läufer „schlappe 124 Kilometer“ drin sein sollten: „15 Kilometer geht es zunächst in eine Richtung, dann im Kreis und schließlich bis zum Startpunkt zurück.“ Anger, Jahrgang 1961, ist Ultra-Läufer mit rund 3 000 Kilometern jährlich.  

Hinter dem Namen „Lebnatene“ verbirgt sich das Programm des gemeinnützigen Vereins: „Leben ist natürlich energiereicher.“ „Uns geht es um die Gesundung des Menschen, der Umwelt und der Gesellschaft“, sagt Finke. Er ist Jahrgang 1959, betont aber: „Wir sind alterslos.“ Auf über 3000 Quadratmetern betreiben die Vereinsmitglieder in Freital und Umgebung, in Dresden sowie Riesa Permakultur. Ihr Vorbild ist der österreichische Landwirt und Buchautor Sepp Holzer, der international als Berater für naturnahe Landwirtschaft wirkt.

Die erste Trail-Etappe führt nach einem Abstecher zum Windberg durch Freital-Niederhäslich und den Poisenwald in den Rabenauer Ortsteil Obernaundorf. Dort können Zaungäste verfolgen, wie ein Garten nach den Prinzipien der Permakultur entsteht. Finke hat ihn vor etwa einem Jahr gepachtet. Das Besondere: Wer mag, kann sich dort und bei anderen Projekten einbringen.

„Wir suchen Mitstreiter, die uns praktisch unterstützen. Wir lesen viel und wollen unsere Erfahrungen teilen Wer mit uns ausprobieren möchte, wie es funktioniert, ist bei uns richtig.“ Auf den 650 Quadratmetern soll ein „essbarer Waldgarten“ entstehen. Es gibt keinen Wasseranschluss und Strom. Aus Gehäckseltem von einem Forstbetrieb sind erste Schlängelwege zu sehen. Der Aroninabaum hat gerade zwischen jungen und alten Obstbäumen geblüht. Weinbergschnecken kriechen durchs Gras, über das kein Rasenmäher gleiten wird. Auch Umgegraben wird nicht. „Wir bauen im Herbst Hügelbeete, die anderthalb Meter tief hinab reichen und die Feuchtigkeit halten.“ Die Ausrichtung nach der Sonne beachtet Wolfgang Finke bei der Wegewahl. Vorm Garten aber, so sagt er, werde bestimmt in nicht allzu langer Zeit das erste Laufevent vorbeiführen. Bis dahin dreht er morgens dort seine Runde. 

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