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Löbau

Da steht ein Storch vor der Tür

Das Tier in Altbernsdorf ist zutraulich und zweifach beringt. Woher es kommt, ist noch unklar - und ob es bleibt, auch. Der Start in die Storchensaison läuft.

Ist hier vielleicht noch ein Horst frei? Der Altbernsdorfer Storch tauchte plötzlich auf und war auch nicht schüchtern.
Ist hier vielleicht noch ein Horst frei? Der Altbernsdorfer Storch tauchte plötzlich auf und war auch nicht schüchtern. © Hilgenfeldt

Der Besuch kam ohne Ankündigung und aus der Luft: Am vergangenen Dienstag stand auf dem Grundstück von René Hilgenfeldt plötzlich ein Storch vor der Tür. "Das Tier war von Anfang an sehr zutraulich", beschreibt er die ersten Begegnungen. Und es blieb auch erst einmal einfach vor Ort. "Er ist den ganzen Tag über da, nur am Morgen war er auf den Wiesen ringsum auf Nahrungssuche unterwegs. Und in der Nacht hat er auf dem Dach geschlafen", schildert Hilgenfeld. Ein bisschen habe sich der Vogel aufgeführt als wolle er Hof und Haus bewachen. Zumindest bis zum Sonnabend war das so. 

Warum sich der Storch in Altbernsdorf zunächst so häuslich eingerichtet hat, kann sich auch Hilgenfeldt, der für die AfD im Bernstädter Stadtrat sitzt, nicht wirklich erklären. Eine Verletzung oder Ähnliches war nicht zu erkennen. "Wir haben deshalb den Tierpark Görlitz gefragt", erklärt er. Und weil das Tier so zutraulich war, habe er sogar die Ringe an seinem Bein fotografieren können, um sie den Experten im Tierpark zu schicken. Denn diese Angaben brauchen sie, um herauszufinden, woher der Storch eigentlich stammt. 

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Recherche läuft über Hiddensee

Die für Wildtiere beim Tierpark zuständige Pflegerin Manuela Kleemann hat die Ring-Fotos inzwischen auch weitergeschickt, wie sie der SZ auf Nachfrage bestätigte. Zentral zuständig sind die Experten auf Hiddensee, sie können in die entsprechenden Listen schauen. Sollte sich die zusätzliche grüne Beringung am linken Bein des Storches als internationale Marke herausstellen oder auf ein besonderes Programm hinweisen, dauert die Suche nach Infos vielleicht ein bisschen länger. Insgesamt aber ist das Verhalten des Tieres nicht verdächtig - es suche vielleicht einen Horst.

Keine Angst vor Menschenkontakt: Der Storch stolziert über eine Altbernsdorfer Wiese und sucht durchaus Kontakt zu den anderen Zweibeinern.
Keine Angst vor Menschenkontakt: Der Storch stolziert über eine Altbernsdorfer Wiese und sucht durchaus Kontakt zu den anderen Zweibeinern. © Hilgenfeldt

Unterdessen hat sich der Storch aber so plötzlich wie er gekommen war, dünne gemacht. "Seit Sonnabend ist er weg", sagt René Hilgenfeldt. Eine weitere Theorie der Tierparkmitarbeiterin war, dass das Tier in Altbernsdorf vielleicht nur auf der Durchreise ist und auf seine Partnerin gewartet hat, weil sie sich unterwegs verloren haben. Da ist sich René Hilgenfeldt nicht so sicher: "Er hat immer aber auch kleine Stöcke gesucht und gesammelt, vielleicht ist er doch noch hier in der Umgebung", zieht der Altbernsdorfer in Erwägung. Gesehen hat er ihn bislang aber noch nicht wieder - hält aber die Augen offen.

Hoffen auf weiteres gutes Storchenjahr

Wenn der Neuankömmling sich tatsächlich in Bernstadt niederlassen würde, wäre das eine kleine Sensation, denn nach vielen Jahren Storchen-Glück am Pließnitzwehr in Bernstadt hatte sich der Stamm-Storch verletzt und sich danach bislang kein neues Paar gefunden. Auch Gerd Hummitzsch von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes sieht durchaus eine Chance, dass der Storch vielleicht in Bernstadt ansässig bleibt. "Die Männchen sind ja meist eher da und warten dann auf ein Weibchen und suchen schon mal einen Platz", sagt er. Das könnte natürlich auch in diesem Fall so sein. 

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Insgesamt hofft Hummitzsch auf ein gutes Storchenjahr - so wie es 2019 insgesamt eines war. Zwar waren Regenwürmer als Storchennahrung im vergangenen Jahr rar - dafür gab es aber jede Menge Heuschrecken, die den Vögeln ebenfalls gut schmeckten. Insgesamt sind laut der Internetseite Sachsenstorch, bei der Beobachter aus dem ganzen Freistaat ihre Zahlen und Informationen sammeln, im vergangenen Jahr im Kreis Görlitz 28 Storchenpaare gezählt worden. Davon haben 23 Paare Junge bekommen - zusammengenommen 51. Dass die Saison nun so langsam losgeht, bestätigt auch Gerd Hummitzsch: "Der erste Storch war der in Zittau", sagt er. Auch der Storch vom Ostritzer Sportplatz - der Sportstorch - ist bereits da.

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