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Storno-Gebühr für Null-Reservierungen?

Oft laufen Vorbestellungen ins Leere, weil Gäste nicht kommen. Die Gastwirte der Region Zittau-Löbau wollen reagieren.

Von Jan Lange

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Wenn Gäste für Feiertage vorbestellen und der Buchungswert mehr als 400 Euro beträgt, dann verlangt Nancy Wiedemann künftig eine Anzahlung. Die Hälfte der Kosten muss vorab gezahlt werden. Diese Regelung gilt aber nur für Gäste, die erstmals ins „Alte Kurhaus Lückendorf“ kommen. Anlass für die Neuerung war eine Null-Reservierung an Silvester. Sechs Personen waren für die Silvesterfeier angemeldet und hatten auch Zimmer gebucht. Angereist ist aber niemand. Ein großer Verlust für das „Alte Kurhaus“. Mehrere Hundert Euro an Einnahmen sind so verloren gegangen.

Hotelchefin Carla Liebisch hatte dem Gast, der vorbestellt hatte, daraufhin eine Rechnung über eine Stornogebühr zugeschickt. Dass sie etwas von dem Geld sieht, daran glaubt sie nicht. Denn der Gast behauptet, nie reserviert zu haben.

Auch in anderen Gaststätten und Hotels laufen Vorbestellungen immer wieder ins Leere. In der „KultUhr“ in Zittau ist in der Weihnachtszeit jeder vierte Gast, der vorab reserviert hatte, nicht erschienen. Die Verluste durch solche Null-Reservierungen seien enorm, so Gastwirt Thorsten Egg-Selonny. Wenn sich beispielsweise eine Gruppe von 10 bis 15 Personen anmeldet, müsse er sein Personal aufstocken und kaufe mehr Waren ein. Dass alles kostet. Bei Facebook hatte er deshalb jüngst eine Diskussion angestoßen, dass auch in der heimischen Gastronomie eine Stornogebühr eingeführt werden sollte.

In westdeutschen Großstädten wird das schon praktiziert. Denn vor allem bei Nobelrestaurants gehen die Verluste dabei schnell in die Tausende. So hoch summieren sich die Einbußen bei den hiesigen Gastronomen noch nicht, es sei aber seit einigen Jahren ein zunehmendes Problem. „Es nimmt überhand“, findet der „KultUhr“-Wirt. Alleine will er eine Stornogebühr aber nicht einführen, da müssten auch andere Gastronomen mitziehen.

Ines Koch, die Chefin der Löbauer „Turmgaststätte“, findet die Idee gut. Auch sie habe hin und wieder Ausfälle. Erst an Silvester sind zwei Kleingruppen von jeweils sechs Personen trotz Reservierung nicht erschienen. Durch spontane Gäste konnte sie zum Glück die freien Tische noch besetzen. Das gelinge aber nicht jedes Mal. Deshalb hat sich Ines Koch angewöhnt, zwei Wochen vor dem reservierten Termin noch einmal bei den Gästen anzurufen, ob sie wirklich kommen.

Der Zittauer Gastronom Andre Matthausch ist bei der Frage einer Stornogebühr noch unentschlossen. „Ich sage dazu nicht nein, aber auch nicht ja“, erklärt der Inhaber der „Seeger-Schänke“ in Zittau. Ein größeres Problem ist nach seinen Worten, dass bei Gruppen oft mehr Personen angemeldet werden, als letztlich kommen. Das sei öfter der Fall. Werden zum Beispiel für die Brunch-Veranstaltungen zehn Plätze reserviert, und nur sieben Personen kommen, belaufen sich die Einbußen schnell auf knapp 60 Euro.

Zudem müsse er Tische freihalten, die er nicht an anderer Stelle nutzen kann. „Bei sieben Gästen reicht es, wenn wir nur einen Tisch ausziehen“, so Matthausch. Für zehn Gäste sind dagegen zwei Tische notwendig. Vor der Einführung einer Stornogebühr für die entgangenen Einnahmen scheue er sich aber, um keine Gäste zu verschrecken. Thorsten Egg-Selonny glaubt, dass dadurch keine Gäste abgehalten werden. In der Regel würden die Gäste nicht darauf gucken, ob in dem Restaurant ihrer Wahl eine Anzahlung oder Stornogebühr geleistet werden muss. Die Diskussion um eine Voraus- oder Ersatzzahlung hat dabei inzwischen auch höhere Ebenen erreicht, wie Matthias Schwarzbach, Leiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Zittau, bestätigt. Innerhalb des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) werde darüber nachgedacht, allgemeine Geschäftsbedingungen, die auch die Stornierung einer Reservierung regeln, für Restaurants einzuführen. Sollten sich mehrere heimische Gastronomen für eine Informationsveranstaltung zu dem Thema interessieren, dann werde sich die Zittauer IHK darum kümmern, verspricht Matthias Schwarzbach.

Andre Meyer von der Eibauer Beckenbergbaude sieht dagegen für sich selbst keinen Bedarf. In letzter Zeit habe es bei ihm keinen Fall gegeben, wo eine Vorbestellung ins Leere gelaufen ist. Auch Nancy Wiedemann musste bislang noch keine Anzahlung verlangen. Sollte es tatsächlich mal vorkommen, dann müssen die Gäste den Betrag überweisen. Jede andere Form der Anzahlung erfordere ein größeres Sicherheitssystem. Und das könne ein kleines Unternehmen wie das „Alte Kurhaus Lückendorf“ nicht stemmen.Auf ein Wort

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