merken
PLUS

Freital

Vom Moment einer Möglichkeit

Der Rabenauer Künstler Olaf Stoy legt einen neuen Erzählband vor, mit Bildern von Wolf-Dieter Pfennig. Die Buchpremiere ist in Dorfhain.

„Hunger ist kein Spielwort I“ nennt Wolf-Dieter Pfennig das Titelbild des Buches.
„Hunger ist kein Spielwort I“ nennt Wolf-Dieter Pfennig das Titelbild des Buches. © Wolf-Dieter Pfennig

Als Herr M. bei Rot an der Fußgängerampel stoppte, spürte er etwas. Genau beschreiben konnte er es nicht, aber „etwas würde passieren – hier und jetzt.“ Aber dann schaltete die Ampel auf Grün, die Passanten setzten sich in Bewegung, und schon ging das „Etwas“ im Alltag unter. Olaf Stoy erzählt „Vom Moment einer Möglichkeit“, der vorüber ist, kaum dass wir ihn bemerkt haben. Es ist die letzte und titelgebende Geschichte in seinem neuen Erzählband, der am Montag erschienen ist.

„Vom Moment einer Möglichkeit“ ist keine klassische Erzählung. Es sind vielmehr Notate, die der 60-Jährige miteinander verwebt, inspiriert von Beobachtungen scheinbar belangloser Vorgänge im Alltag, die nicht selten zu philosophischen Exkursen werden. Ein trauriges Ereignis vor vier Jahren hatte Olaf Stoy zu seiner launigen literarischen Collage angeregt, der Tod von David Bowie, einer Ikone der Rock- und Popkultur, im Januar 2016.

Anzeige
Lust auf neue Kunden?

Wie Sie mit der sz-Auktion gleich doppelt gewinnen und was Sie dafür tun müssen.

Seinen Text untertitelte er mit „20 Befindlichkeiten zu D.B.“, die ironische, heitere oder auch nachdenkliche Betrachtungen sind. Stoy verhandelt das kleine und das große Weltgeschehen anhand des Wetters an Bowies Sterbetag, der Reinigung eines Meerschweinchenstalls oder fehlender Winterreifen. Auch Bowies letztes Album „Blackstar“, das nur zwei Tage vor seinem Tod erschien, taucht immer wieder auf. Und sei es als schwarzer Stern, den einer beim Pinkeln auf die grünen Kacheln in der Toilette einer Raststätte gemalt hat.

Hintergründiger Humor

Wie stets bei Stoy sollte sich der Leser auf erzählerische Winkelzüge und doppelte Böden einstellen, auf hintergründigen Humor, Satire und feine Ironie. Stoy schreibt in seinen anderen zehn Geschichten von „Blutlinien“, fabuliert über den Klimawandel, über gesellschaftliche Veränderungen, über den Traum vom Fliegen. Die älteste Geschichte, „Die Übertretung“, in der es um Künstler und deren Ringen mit dem Künstlertum geht, schrieb Stoy bereits in den Neunzigerjahren. Sie erlebt hier, anhand eigener Erfahrungen, als „Update“ eine Neuauflage. Sie ist dem 2017 verstorbenen Künstler Thomas Franz gewidmet, einem Freund Stoys.

Einen neuen künstlerischen Bruder im Geiste fand Olaf Stoy im vergangenen Jahr in Wolf-Dieter Pfennig. Der Potsdamer, geboren 1956 in Dresden, zeigte auf Einladung von Stoy in der F1-Galerie des Freitaler Technologiezentrums seine heiter-ironischen Zeichnungen, mit denen er die Untiefen des Lebens in all seinen Facetten mit wunderbaren Bildfindungen ergründet. Und wegen dieser Ausstellung gibt es jetzt dieses Buch, jedenfalls in dieser Form.

„Ich fand Wolf-Dieters Bilder so anregend, dass ich spontan drei Geschichten dazu schrieb“, sagt Stoy. „Free Jazz“ zum Beispiel basiert auf dem nun als Titelbild verwendeten Motiv einer vor einem Trompeter aufflatternden Möwe. Dann kam eines zum anderen. Stoy schrieb nach Zeichnungen von Pfennig, und Pfennig zeichnete nach Geschichten von Stoy, beide mit dem Anspruch, weder Bild noch Text einfach zu kommentieren. Beides könnte für sich stehen, vereint aber ist es grandios.

In „Vom Moment einer Möglichkeit“ sind elf Erzählungen und 46 Zeichnungen versammelt, hochwertig gedruckt und verarbeitet, sogar mit Lesebändchen. Pfennigs Bild in der Titelgeschichte heißt „Pendeln zwischen Nichthell und Nichtdunkel“ – eine treffende Zusammenfassung.

Buchpremiere am 14. Februar, 18.30 Uhr, beim 2. Kulturfeierabend im Bistro der Georado-Stiftung in Dorfhain, mit Olaf Stoy und dem Gitarristen Tino Z.

Mehr Nachrichten aus Freital lesen Sie hier. 

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen