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Stracoland im Winterschlaf

Im Kurhaus passiert einfach nichts. Dabei wollten die neuen Besitzer das Weihnachtsgeschäft ursprünglich mitnehmen.

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Von Lars Kühl

Alles laufe nach Plan, erklärt Klaus Karkmann, und klingt dabei hörbar genervt am Telefon. Warum dann Stracoland im Kurhaus in Kurort Hartha immer noch nicht eröffnet habe, will er nicht beantworten. „Wir wollen mit der Presse nichts zu tun haben“, sagt der Unternehmer aus Niedersachsen. Dort ist in Lamstedt Treuka, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, gemeldet. Und die ist seit 20. November endgültig Eigentümer des Objektes.

Doch die Hoffnungen der Harthaer, dass endlich wieder Leben in das schon länger leer stehende Kurhaus einzieht, haben sich bisher nicht erfüllt. Das Gebäude verharrt weiter tief im Winterschlaf. „Ich bin enttäuscht, dass bisher nichts passiert ist“, sagt André Kaiser, Vorsteher des Tharandter Ortsteiles. „Ich weiß nicht, wie lange man sich das noch angucken will.“

Die Treuka GbR hatte große Teile aus der Insolvenzmasse der Stracoland AG von der Verwalterin erworben und wollte die beliebte Erzgebirgskunst, die überwiegend im Pfaffenrodaer Ortsteil Hallbach (Erzgebirgskreis) produziert wird, in Kurort Hartha präsentieren und verkaufen. Die ganze Konzentration sollte dem Objekt am Tharandter Wald gelten, der viel zu teure Stracoland-Laden im Quartier F in Dresden wurde aufgegeben. Das Kurhaus sollte bis jetzt ausgebaut werden, damit man das wichtige Weihnachtsgeschäft mitnehmen könne, hatte Karkmann noch Ende Juli der Sächsischen Zeitung erzählt. Doch es blieb dabei: Nichts regte sich im Kurhaus. Von der Stadtverwaltung Tharandt ist zu hören, dass es Verzögerungen bei der Kaufabwicklung für das Objekt gegeben habe. Bereits im Januar dieses Jahres hatte Klaus Karkmann im Namen der Treuka GbR den Kauf des Kurhauses beantragt. Dem stimmte der Stadtrat dann am 9. Februar zu. Die Verwaltung ließ anschließend einen Vertragsentwurf beim Notar aufsetzen, der Ende Februar nach Lamstedt geschickt wurde. Alles schien zunächst nach Plan zu laufen.

Doch aufgrund von Gesundheitsproblemen eines Treuka-Gesellschafters verzögerte sich der gemeinsame Beurkundungstermin. Am 25. Juli unterschrieb zunächst nur die Stadt Tharandt. Erst am 20. November unterzeichnete dann die Gegenseite. Seitdem ist wieder Ruhe. Ein vollständiger Bauantrag liegt beim Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge immer noch nicht vor, erklärt Sprecherin Astrid Hanl. Eigentlich stand im Juli der Plan für den Umbau des Kurhauses: Der alte Saal sollte zur großzügigen Verkaufsfläche werden, in den südlichen Gebäudeteil sollten Wohnungen eingerichtet werden, auch ein kleines Café, in dem ein Bäcker aus der Region seine Waren verkauft, sollte mit einziehen. Doch noch haben keine Arbeiten begonnen, ein Termin bleibt ungewiss.

André Kaiser möchte das Thema nächste Woche noch einmal auf den Tisch des Ortschaftsrates bringen. Eigentlich hatten die Harthaer den Neu-Eigentümern ihre Hilfe angeboten. Doch wenn überhaupt keine Aktivitäten zu erkennen seien, „müssten wir dem Stadtrat empfehlen, die Reißleine zu ziehen“. Da der Vertrag inzwischen aber von beiden Seiten unterschrieben ist, dürfte es schwierig sein, vom Verkauf zurückzutreten. Es sei denn, man hat eine projektbezogene Nutzung vereinbart.

Woran genau es bei der Umsetzung der Treuka-Pläne klemmt, darüber können die Harthaer nur spekulieren. Dass Weihnachtsschmuck- und Erzgebirgskunstverkauf in der Region Tharandter Wald funktioniert, zeigt Stracos Erlebniswelt in Colmnitz. Gestärkt aus der Insolvenz hervorgegangen floriert das Geschäft von Regina Straßburger inzwischen wieder.