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Prozess gegen Ex-SachsenLB-Manager

Hochriskante Geschäfte hatten dramatischen Folgen für den Freistaat. Nun müssen drei Vorstände auf die Anklagebank.

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© Robert Michael

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Dresden im August 2007. Der SachsenLB droht der finanzielle Kollaps. Nur ein Notkredit und schließlich der Notverkauf können den Zusammenbruch verhindern. Acht Jahre später müssen sich nun mehrere frühere Bank-Manager vor Gericht strafrechtlich verantworten: Das Leipziger Landgericht hat das Hauptverfahren wegen Untreue gegen drei Vorstandsmitglieder eröffnet. Unter ihnen ist auch der frühere Vorstandschef der Ostsächsischen Sparkasse Dresden Herbert Süß, der das sächsische Geldhaus bis zum Notverkauf im Sommer 2007 leitete. Außerdem sollen auf der Anklagebank Stefan Leusder und Yvette Bellavite-Hövermann sitzen. Der Prozess soll im Herbst beginnen.

Die angeklagten Vorstände haben bereits Ende 2013 einen zivilrechtlichen Vergleich mit dem Freistaat geschlossen und einen Teil ihres Vermögens ans Land gezahlt, nachdem der Freistaat sie zuvor auf 190 Millionen Euro Schadensersatz verklagt hatte. Nun soll auch die strafrechtliche Seite des Desasters aufgerollt werden. Die Vorstände werden dafür verantwortlich gemacht, dass unter ihrer Regie die hochriskanten Kapitalmarkt-Geschäfte der irischen Tochtergesellschaften Ormond Quay und Georges Quay im Milliardenumfang aufgebläht wurden.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, die Finanzdeals mit US-Immobilienkrediten pflichtwidrig betrieben und durch die SachsenLB unterstützt zu haben. Dadurch sollen der Landesbank „millionenschwere Nachteile zugefügt“ worden sein. Zudem wird den Ex-Vorständen angelastet, pflichtwidrig 200 Millionen Euro in einen sogenannten ABS-Geldmarktfonds investiert zu haben. Damit sei ein Schaden von 190 Millionen Euro verursacht worden. Daneben werden den Beschuldigten unrichtige Darstellungen in Jahresabschlüssen der SachsenLB für 2005 und für 2006 vorgeworfen.

Das Verfahren gegen Ex-Vorstandsmitglied Werner Eckert sei indes gegen Zahlung einer Geldauflage von 50 000 Euro eingestellt worden, berichtete das Landgericht. 40 000 Euro gingen an die Staatskasse, 10 000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Eckert sei nicht für das risikoreiche Kapitalmarktgeschäft verantwortlich gewesen, das im Sommer 2007 zum Notverkauf der Landesbank führte. Stattdessen leitete er das klassische Kreditgeschäft für Mittelständler und Unternehmen. Auch Eckert hat einen Vergleich über Schadensersatz mit dem Freistaat geschlossen.

Am 10. September beginnt zudem in Leipzig der Prozess gegen den ehemaligen Vize-Chef der Landesbank, Hans-Jürgen Klumpp. Die früheren Vorstände Michael Weiss und Rainer Fuchs waren indes einem öffentlichen Strafprozess entgangen. Die Anklagen der Staatsanwaltschaft hatte das Landgericht Leipzig zunächst nicht zugelassen. Eine Beschwerde der Ermittler beim Oberlandesgericht Dresden scheiterte an einer Formalie – der fehlenden Unterschrift einer Staatsanwältin.

Die SachsenLB war 2007 beinahe Pleite gegangen und binnen eines Wochenendes im August an die Landesbank Baden-Württemberg verkauft worden. Sachsens Steuerzahler bürgen seither für die Ausfälle der Bank mit bis zu 2,75 Milliarden Euro. 1,31 Milliarden Euro wurden schon ausgezahlt.