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Straße nach Kleinseidau spaltet Salzenforst

Vor acht Wochen sollte die Verbindung zum Feldweg herabgestuft werden. Doch ein Streit verzögert das Projekt.

Von Stefan Schramm

Plötzlich wird es laut im Wohnzimmer von Karola Kurzweil. An ihrem Haus in Salzenforst an der Handrij-Zejler-Straße rauscht ein Lkw vorbei in Richtung Kleinseidau. „Das war nie und nimmer Tempo 30“, ärgert sie sich. Immer wieder missachten Autos die Geschwindigkeitsbegrenzung, rasen die enge Fahrbahn entlang. Und das, obwohl die Straße seit 1. April für den Kraftverkehr geschlossen sein sollte.

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Vor einem Jahr hatte der Stadtrat entschieden, die Straße zum Feldweg herabzustufen. Neben Kurzweils Haus sollte ein Wendehammer gebaut werden, der weitere Straßenverlauf bis zur Kreuzung mit der Straße von Temritz nach Schmochtitz nur noch für landwirtschaftlichen Verkehr und Radfahrer offen bleiben. Doch daraus wurde bislang nichts. Der Grund ist eine Liste mit 200 Unterschriften für den Erhalt der Straße. Problematisch dabei ist, dass die Interessengruppe versäumte, einen gemeinsamen Ansprechpartner zu benennen.

Jedem seine Anhörung

Jede Unterschrift auf der Liste gilt deshalb als Einzelwiderspruch gegen den Ratsbeschluss. Wer unterschrieben hat, erhält von der Stadt eine Anhörung mit Hinweis darauf, dass der Widerspruch kostenpflichtig ist. Doch damit hat die Verwaltung viel Arbeit: „Nicht alle Unterschriften sind mit einer Adresse versehen, sodass wir ermitteln müssen, an wen die Anhörung zu senden ist“, sagt Bauamtsleiter Falko Wendler. Und das dauert. Solange die Bearbeitung der Widersprüche nicht abgeschlossen ist, werde auch kein Wendehammer gebaut.

Initiiert hat die Aktion die alteingesessene Salzenforsterin Annelies Schindler. „Als ich davon hörte, dass die Straße geschlossen werden soll, war mir erbärmlich zumute“, erinnert sich die 66-Jährige. Bereits als Kind sei sie oft nach Kleinwelka gefahren. „In Salzenforst gibt es weder Arzt noch Sparkasse oder Einkaufsmöglichkeiten“, argumentiert sie. Den Umweg über die S 106 von Cölln nach Dreistern hält sie für zu gefährlich für ältere Leute. Also sammelte sie mit zwei Mitstreiterinnen Unterschriften für den Erhalt der Verbindung.

Gefährlicher findet Karola Kurzweil die Kreuzungen an der Handrij-Zejler-Straße. Erst vergangenes Wochenende krachte es am Abzweig nach Temritz – zwei Verletzte und 10 000 Euro Schaden waren das Ergebnis. An der Ecke Salzenforster Straße gab es 2012 sogar einen tödlichen Unfall. Und Karola Kurzweil ärgert sich, dass auf der Unterschriftenliste längst nicht nur Salzenforster oder direkt betroffene Anwohner, sondern viele Auswärtige zu finden seien. Sie fordert die zügige Umsetzung des Ratsbeschlusses. „Sollte sich die Stadt umentscheiden, klagen wir dagegen“, droht sie.

„Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden“, mahnt Annelies Schindler. Ist die Straße erst geschlossen, sei es zu spät. Sie greift den Vorschlag wieder auf, die Straße zu verengen und mit Ausweichbuchten zu versehen. Zudem fordern die Unterstützer des Erhalts ein Lkw-Durchfahrverbot sowie Schilder, die nach der Autobahnabfahrt die Route zum Saurierpark zeigen, damit der Verkehr künftig über die Umgehungsstraße fließt. Ex-Ortschaftsrat Klaus Zschieppang (Grüne) will, dass das Thema erneut auf die Tagesordnung im Stadtrat kommt, da für die Entscheidung im Juni 2013 keine Daten zu Verkehrszählungen oder zur Anzahl betroffener Bürger vorgelegen hätten.