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Hier fehlt mehr als ein Gehweg

Zwei Grumbacher Mütter sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder. Sie haben viele Unterstützer.

Franziska Borkowitz (Mitte) und Claudia Brämigk (re.) wollen die Wilsdruffer Straße in Grumbach sicherer machen, vor allem für ihre Kinder.
Franziska Borkowitz (Mitte) und Claudia Brämigk (re.) wollen die Wilsdruffer Straße in Grumbach sicherer machen, vor allem für ihre Kinder. © Daniel Schäfer

Ein Auto nach dem anderen rollt an diesem Nachmittag auf der Wilsdruffer Straße durch Grumbach. Wer sie überqueren möchte, sollte flinke Füße und ein geschultes Auge haben. Denn einige fahren ganz offensichtlich schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer. Das macht es den Schulkindern so schwer, hier die Straßenseite zu wechseln, sagt Franziska Borkowitz. Sie wohnt seit fünf Jahren an der Straße und  beobachtete das Geschehen sehr aufmerksam. 

Hier gibt es einiges, was geändert werden müsste, um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer zu verbessern, findet sie und zeigt auf den Fußweg. Der hat keine Verbindung zur Bushaltestelle. Nach einigen Hundert Metern hört er plötzlich auf. Wer weiter zur Kita will, muss im Kurvenbereich am Straßenrand laufen. Viele machen das nicht. Sie bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Kita, sagt die Grumbacherin. Wer vom Fußweg zum Wohngebiet August-Bebel-Straße abbiegen möchte, sollte indes fit sein. Denn das geht nur über eine Treppe. Eltern, die mit einem Kinderwagen unterwegs sind, müssen längere Umwege in Kauf nehmen. Das gilt auch für Menschen mit Rollator. Und da es an der Wilsdruffer Straße keinen Fußgängerübergang gibt, laufen viele Kinder, die zur Schulbus-Haltestelle müssen, am Straßenrand. 

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Zweiter Anlauf, um Baurecht zu schaffen

Franziska Borkowitz weiß, dass die Wilsdruffer Straße ausgebaut werden und neue Gehwege bekommen soll. "Darauf warten die Leute schon 25 Jahre", weiß sie. Doch wann das geschehen soll, das kann keiner sagen, nicht einmal das verantwortliche Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Zwar gab es vor zehn Jahren einen ersten Anlauf, Baurecht zu schaffen. Doch das Verfahren wurde eingestellt, um einen Verkehrsversuch zu starten. Auf Initiative der Stadt wurde der Lkw-Verkehr auf der Straße verboten. Und das spürt man. Auf der Straße sind nur wenige Laster unterwegs. 

Das Lasuv möchte die Straße trotzdem ausbauen. Deshalb hat es vor zwei Jahren einen zweiten Versuch unternommen, Baurecht zu erhalten. Erreicht werden soll das über ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren. Um das einleiten zu können, muss das Lasuv verschiedene Unterlagen und Gutachten bei der Landesdirektion Sachsen vorlegen. Das sei auch geschehen, sagt Ronny Haupt. Er ist Mitglied der Grünen und Stadtrat in Wilsdruff. 

Doch diese Unterlagen stammen aus dem ersten Verfahren, sind inzwischen veraltet und müssen überarbeitet werden. Zudem muss eine neue Verkehrsprognose vorgelegt werden. All das verzögert den Prozess. Und das sei ärgerlich, so Haupt. Das Landesamt bestätigt den Vorgang. Ihr Amt sei von der Landesdirektion Sachsen aufgefordert worden, alle Unterlagen zu überarbeiten, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeiffer. Und daran arbeite man. Offen ist, wann der neue Antrag gestellt werden kann. Sicher ist nur: Es wird Jahre dauern, bis sich an der Straße grundsätzlich etwas tut. Bei der Landesdirektion wagt man keine Prognose.  

Weil es keinen Fußweg und keine Querungshilfe auf dieser Seite der Wilsdruffer Straße gibt, laufen die Kinder am Straßenrand entlang. 
Weil es keinen Fußweg und keine Querungshilfe auf dieser Seite der Wilsdruffer Straße gibt, laufen die Kinder am Straßenrand entlang.  © Daniel Schäfer
Das Wohngebiet an der August-Bebel-Straße ist vom Fußweg nur über diese Treppe erreichbar. Für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen ist das ein Problem.
Das Wohngebiet an der August-Bebel-Straße ist vom Fußweg nur über diese Treppe erreichbar. Für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen ist das ein Problem. © Daniel Schäfer
Auch ärgerlich: Der Fußweg endet 150 Meter vor dem Kindergarten (gelbes Gebäude). Wer weiter will, um am Straßenrand entlang gehen.
Auch ärgerlich: Der Fußweg endet 150 Meter vor dem Kindergarten (gelbes Gebäude). Wer weiter will, um am Straßenrand entlang gehen. © Daniel Schäfer

Weder Franziska Borkowitz noch ihre Nachbarin Claudia Brämigk entmutigte das. Sie hoffen, dass die Ämter mit anderen Maßnahmen die Sicherheit für die Anwohner und insbesondere für die Kinder verbessern. Dass es auf der Wilsdruffer Straße nicht ganz ungefährlich ist, haben sie nun schwarz auf weiß. Denn im Auftrag der Stadt Wilsdruff wurde im Juli über eine Smiley-Anzeige der Verkehr über mehrere Tage gemessen. Demnach fahren hier am Tag rund 9.000 Fahrzeuge vorbei. In Richtung Wilsdruff hielten sich rund 95 Prozent der Fahrzeugfahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit, in Richtung Tharandt nur 80 Prozent. "Das schnellste Fahrzeug wurde am 23. Juli um 19.32 Uhr mit 131 km/h gemessen", teilte ihnen die Stadt mit. Insgesamt hätten 25 Prozent der Fahrzeughalter ein Bußgeld bekommen, heißt es weiter. Franziska Borkowitz glaubt, dass der Anteil noch größer wäre, wenn man den Anliegerverkehr herausrechnen würde, der auch erfasst wurde. Zudem sollte man auch bedenken, dass eine Anzeigetafel dazu animiert, langsamer zu fahren. 

Das fordern die Grumbacher

Franziska Borkowitz und Claudia Brämigk fordern, dass zwischen der B 173 und dem Abzweig Mühlweg eine Tempo-30-Zone eingerichtet wird. Außerdem sollte eine Querungshilfe auf Höhe Mühlweg gebaut werden, egal ob mit Zebrastreifen oder mit einer Fußgängerampel. Um zu zeigen, dass nicht nur sie diese Forderungen erheben, sondern dies von vielen anderen auch so gesehen wird, sammelten sie Unterschriften. Bislang haben sie schon 220 Unterstützer. 

Diese Unterschriften wollen sie demnächst dem Landratsamt übergeben. Dort lehnte man es bisher ab, eine Tempo-30-Zone einzurichten, denn die Straße sei im Bereich des Mühlwegs gut einsehbar, hieß es in einem Schreiben vom Kreis-Straßenbauamt. Eine Querung der Straße sei bereits jetzt ohne Zebrastreifen und Ampel gut möglich. Zudem gebe es auf der Straße kein auffälliges Unfallgeschehen.

Auf SZ-Nachfrage erklärte der zuständige Beigeordnete Heiko Weigel, dass es noch keine abschließende Bewertung des Landratsamtes gebe. "Für eine umfassende Einschätzung ist die Auswertung der Verkehrsdaten sowie die Einbeziehung der Polizei, des Straßenbaulastträgers und auch der Stadt erforderlich." Das Amt wollte sich nicht darauf festlegen, wann es zu einer Entscheidung kommt. Die Grumbacher können hoffen.

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