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Straßen werden zur Bob-Bahn

Eine Truppe von Nachbarn ist jedes Jahr beim Schirgiswalder Faschingsumzug dabei. Diesmal hat dafür sie ungewöhnliche Fahrzeuge gebaut.

© Carmen Schumann

Von Katja Schäfer

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Schirgiswalde. Zur Bob-Bahn werden die Schirgiswalder Straßen am Sonntag. Doch dafür muss der Asphalt nicht etwa mit einer Eisschicht überzogen werden. Die Bobschlitten, die Armin Unglaube und seine Mitstreiter gebaut haben, fahren nicht auf Kufen, sondern auf kleinen Rädern. Die rund 30 Frauen und Männer umfassende Gruppe, die sich als Team aus der Schirgiswalder Südvorstand bezeichnet, reiht sich damit in den großen Faschingsumzug ein.

Seit etwa 30 Jahren ist die Truppe regelmäßig dabei; in wechselnder Zusammensetzung. „Wir wohnen alle in der Nähe des Sportplatzes“, benennt Christian Vanek, was die unterschiedlichen Menschen – von der Schülerin bis zum Rentner – verbindet. In den vergangenen Jahren hat die Gruppe immer wieder mit ebenso auffälligen wie aufwendigen Umzugsbildern für Aufsehen gesorgt. Die Nachbarn, von denen etliche an der Kieferbergstraße zu Hause sind, gingen zum Beispiel schon als Bierflaschen, als Kuchenstückchen, als Pinguine oder als Schachspiel mit 32 lebensgroßen Figuren.

Almabtrieb vom Kieferberg

In diesem Jahr haben sie sich für das Thema „Bob-WM in der Südvorstadt“ entschieden und es augenzwinkernd umgesetzt. Klar war von Anfang an, dass das Bild zum aktuellen Umzugsmotto „Schirgiswalde außer Rand und Band – Hüttengaudi im Oberland“ passen sollte. „Wir haben zum Beispiel darüber nachgedacht, einen Almabtrieb vom Kieferberg zu gestalten. Aber das würde nur mit einer großen Kuhherde richtig wirken. So viele Leute sind wir leider nicht“, erzählt Christian Vanek. Bei der Überlegung, welche Dinge man noch so mit den Alpen verbindet, kamen die Schirgiswalder aufs Schlittenfahren. Doch mit einfachen Holz-Rodeln wollten sie sich nicht zufriedengeben. So wurde von Norbert Pilz die Bob-Idee geboren.

Sonnabends wird gebastelt

Eine Stadt im Ausnahmezustand

Um die 10000 Besucher

werden am Sonntag zum Schirgiswalder Faschingsumzug erwartet. Für sie, aber auch Einwohner und Autofahrer gibt es einiges zu beachten.

Die Umzugsstrecke
Der Umzug startet um 14Uhr am Otto-von-Ottenfeld-Platz in Nähe der Sparkasse. Er führt über die Sauerstraße, den Markt, die Rämisch-, Kuhne-, Sohlander- und Hauptstraße, dann noch mal über den Markt, bevor er sich auf der Sauerstraße auflöst.

Die Minister-Wette
Schon vorm Umzug gibt es ein sehenswertes Spektakel: Schafft es Umzugsminister Maier, dass um 13.30 Uhr 50 Paare in Lederhosen und Dirndl auf dem Markt Schneewalzer tanzen? Dazu haben er und Landrat Michael Harig eine Wette abgeschlossen.

Die Partys
Ab 11Uhr findet ein Frühschoppen im Festzelt an der Schirgiswalder Sporthalle statt. Nach dem Umzug steigt dort eine Aftershow-Party mit Heiko Harig. Der Eintritt dazu kostet zwei Euro. Außerdem gibt es in der Körse-Halle in Kirschau einen Kinderfasching. Der Eintritt dazu ist frei.

Die Straßensperrung
Die Schirgiswalder Ortsdurchfahrt ist von 13.30 bis 17.30 Uhr gesperrt. Die Umleitung führt über Großpostwitz, die B96, Oppach, die B98 und Sohland. An der Bahnhofstraße, wo sich der Umzug formiert, sind die Parkplätze ab 12Uhr gesperrt.

Die Änderungen im Bus-Fahrplan
Während der Sperrung werden alle Haltestellen der Linie 112 zwischen Kirschau-Ärztehaus und Sohland-Kreuzstraße nicht angefahren. Die Busse verkehren über Wilthen, Neukirch und Sohland. In Richtung Bautzen wird die Haltestelle Kirschau-Sparkasse durch die Haltestelle Kirschau-Post ersetzt. Für die Linie 101 entfallen die Haltestellen zwischen Kirschau-Ärztehaus und Steinigtwolmsdorf-Bad.

Die Parkplätze
Parken können Besucher gegenüber der Firma Meiko in Kirschau, am ehemaligen Penny-Markt zwischen Kirschau und Schirgiswalde sowie in Schirgiswalde am Gondelteich und beim Baumarkt Eisen-Krämer.

Die Sicherheitshinweise
Alle Zuschauer werden gebeten, darauf zu achten, dass Kinder nicht unter den Absperrungen der Feuerwehr entlang der Umzugsstrecke hindurchkriechen, um Kamellen zu erhaschen. Denn dabei wäre die Gefahr groß, von Traktoren oder anderen Umzugswagen überrollt zu werden.

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Seit Anfang des Jahres arbeitet die Truppe an der Umsetzung. Sie trifft sich dazu in der Regel am Sonnabendvormittag in der Werkstatt der Beton- und Naturstein-Firma von Gunar Richter. Gemütlich und fröhlich geht es dabei zu. Musik dudelt, Scherze fliegen durch den Raum, und ein Kasten Bier fehlt meistens auch nicht. „Die Utensilien und Kostüme zu gestalten, ist zwar viel Arbeit. Aber es ist was anderes, als auf Arbeit zu gehen. Es macht einfach Spaß“, erklärt Christian Vanek, warum er mitmacht. Die anderen nicken zustimmend. Und Armin Unglaube fügt an: „Beim Faschingsumzug dabei zu sein, ist jedes Jahr wieder ein besonderes Erlebnis.“

Fantasie und Dialekt freien Lauf gelassen

Fünf Bobs hat die Truppe aus der Schirgiswalder Südvorstadt gebaut. Aus Schaltafeln, Dachlatten, in Kirschau hergestelltem Fußbodenbelag vom Typ Vegro-Flex und Stoff. Bei der Namensgebung für die einzelnen Mannschaften ließen die Schirgiswalder ihrer Fantasie und dem sächsischen Dialekt freien Lauf. Die Teams heißen zum Beispiel Bob-Corn, Lolly-Bob, Bob Marley und Bob, der Baumeister. Passend dazu sind die eigenwilligen Fahrzeuge dekoriert, die am Sonntag per Muskelkraft über die Umzugsstrecke geschoben werden. Vorbei geht es dabei nicht nur an etwa 10 000 Zuschauern – so viele kamen in den vergangenen Jahren und werden auch diesmal wieder erwartet – sondern auch an Sachsens neuem Ministerpräsidenten Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der sich als Ehrengast angekündigt hat.

Landrat im Umzug dabei?

Auf der Tribüne steht normalerweise auch Landrat Michael Harig (CDU). Doch ob er diesmal nur zuschaut oder selbst beim Umzug mitmacht, ist noch offen. Denn der Crostauer hat Umzugsminister Bertram Wenke alias Maier mit einer Wette herausgefordert. Harig behauptete, dass Maier es nicht schafft, 50 Paare aufzutreiben, die in Dirndl und Lederhosen vorm Umzug auf dem Markt einen Schneewalzer tanzen. Wenn Michael Harig die Wette verliert, steuert er ein eigenes Umzugsbild zum närrischen Marsch bei. Bertram Wenke wiederum will im Falle einer Niederlage dem Landrat zwei Schafe schenken. Schließlich hält der Michael Harig welche. „Es ist immer gut, eine kleine Reserve an Schafen für mögliche Übergriffe unseres lieben Wolfs vorzuhalten“, kommentiert Maier augenzwinkernd. Apropos Wolf: Ob sich das Umzugsbild des Landrates um das umstrittene Tier dreht – wie man in der Stadt munkelt – wird sich am Sonntag zeigen.