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Straßenbahnen drehen ihre Test-Runden an der Spree

Bautzen. Prominenz aus Politik und Wirtschaft weihte Freitag die neue Probestrecke und eine Tram auf dem Bautzener Bombardier-Gelände ein.

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Von Tilo Berger

Da erwacht das Kind im Manne“, schmunzelte Thomas Jurk, und streichelte das Modell einer Straßenbahn in seinen Händen. Gerade hatten Bombardier-Manager dem sächsischen Wirtschaftsminister und neben ihm Bautzens Oberbürgermeister Christian Schramm das rot-weiße Modell in die Hand gedrückt.

Ein Modell jener Tram, die kurz darauf als erste Bahn den neuen Testring auf dem Bombardier-Gelände einweihte. Schon in wenigen Tagen wird der rot-weiße Flitzer seine Runden in der Ruhrgebietsmetropole Dortmund drehen.

Wunsch des Rathauschefs

Dort gehören Straßenbahnen schon lange zum gewohnten Bild, in Bautzen noch nicht. Aber das ändert sich jetzt, wenn der weltgrößte Schienenfahrzeughersteller in der Spreestadt das Anfahren, Bremsen, Anhalten und Wenden seiner Trams probt. Freilich, Rathauschef Christian Schramm sähe noch lieber Straßenbahnen nicht nur hinter dem Zaun des Bombardier-Werkes. „Seit ich Bürgermeister in Bautzen bin, habe ich mir gewünscht, dass in unserer Stadt eine Straßenbahn fährt“, gab der Rathauschef zu. In diesen Wunschgedanken aus den 90er Jahren träumte Schramm beispielsweise von einer Bahnlinie durch das Wohngebiet Gesundbrunnen. „Aber ich bin ja Realist...“

Schulung für Fahrpersonal

Immerhin: Jetzt drehen in Bautzen Straßenbahnen ihre Runden. Beim nächsten Tag der offenen Tür, dessen Termin noch nicht feststeht, auch mit Fahrgästen. In der Regel aber mit Bombardier-Werkern, die bei dieser Gelegenheit die Fahreigenschaften testen und verbessern wollen. Oder mit Personal der Verkehrsbetriebe, welche die Bautzener Bahnen kaufen und ihre Mitarbeiter gleich in der Spreestadt schulen wollen.

Zwei Runden drehte die rot-weiße Premierenbahn am Freitag. Zweimal ging es vorbei an winkenden Mädchen und Jungen aus einem Kindergarten, die zufällig am Bombardier-Areal vorbei spazierten. Vorbei an der momentan verwaisten Liegewiese des Spreebades. Vorbei am Fluss selbst, vorbei auch an jenem Verbindungsgleis, das auf das südliche Werksgelände führt. Dort können Trams seit etwa zwei Jahren das schnelle Fahren üben, bis 80 Kilometer pro Stunde. „Und an dieser Stelle soll einmal die Westtangente die Spree überqueren“, erklärte Schramm dem Minister bei einer der beiden Runden. Schon vorher hatte er Jurk gebeten, sich für dieses Verkehrsprojekt einzusetzen. „Gerade für Bombardier als größtes Wirtschaftsunternehmen in der Stadt wäre die Westtangente äußerst wichtig“, warb der Oberbürgermeister, „einmal für den Arbeitsweg vieler Mitarbeiter, aber auch für den Transport der kompletten Straßenbahnen zur Autobahn.“ Derzeit nehmen die Tieflader mit den Trams den einzig möglichen Weg über die Äußere Lauenstraße und die Friedensbrücke. Auf der sogenannten Vogelkreuzung geht es beim Abbiegen um Milimeter.

Schaltschrank lockt Minister

Nach zwei Ehrenrunden auf dem Testring rollte die Bahn in die Prüf- und Umspurhalle. Dort warteten Sekt und Schnittchen auf die Polit- und Wirtschaftsprominenz. Minister Jurk indes eilte sofort zu einem Schrank mit diversen Schaltern und bunten Lichtern neben einer Straßenbahn, die für ihren Einsatz in Frankfurt (Main) flott gemacht wird. Jetzt kam nicht mehr das „Kind im Manne“, sondern der gelernte Funkmechaniker durch. Jurk hatte einst bei einem Handwerksbetrieb für Elektro, Rundfunk und Fernsehen in Weißwasser gelernt.

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