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Straßenbau hoch über der Stadt

Glashütte lässt die Feldstraße sanieren. Hier baut eine Firma, die vor Kurzem noch einen Rückzieher machen wollte.

Von Maik Brückner

Lässig sitzt Markus Dreßler im Bagger und befolgt die Anweisung des Bauarbeiters. Er lernt schnell. Schon beim zweiten Versuch hat er mit der kleinen Baggerschaufel ein wenig Erde ausgehoben. „Immerhin halb voll“, kommentiert Dreßler gut gelaunt seinen Erfolg. Und auch sonst ist der Glashütter Bürgermeister ganz zufrieden. Endlich kann die Feldstraße ausgebaut werden. Denn es ist ein ehrgeiziges Vorhaben, das vor wenigen Tagen auf der Kippe stand. Im letzten Moment versuchte die Baufirma, die bei der Ausschreibung das preiswerteste Angebot abgegeben hatte, abzuspringen.

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Im Bietergespräch teilte der Geschäftsführer der Roßweiner Firma Stowasser Bau, Werner Stowasser, mit, dass sein Unternehmen nicht in der Lage sei, den Auftrag anzunehmen, da die Arbeitskräfte anderwertig gebunden seien. Da staunte Bauamtsleiter Mario Wolf nicht schlecht. Denn so etwas ist ihm noch nie passiert. Zwar gab es in der Vergangenheit schon ein, zwei ähnliche Fälle. Doch noch nie hat eine Firma bei einem so umfangreichen Auftrag versucht, einen Rückzieher zu machen. Immerhin geht es um fast 800 000 Euro. Im Rathaus war man nach dem Gespräch erst einmal ratlos. Wie soll es weitergehen? Denn die Zeit drängte, da es für das Vorhaben Fördermittel gibt, die bis zum Jahresende verbaut werden müssen.

Sollte die Stadt auf den Bieter mit dem zweitbesten Angebot eingehen?, fragte man sich intern. Doch diese Alternative kam für Dreßler nicht infrage: Das zweitbeste Angebot lag mehr als zehn Prozent über dem Gewinner der Ausschreibung. Zudem müsse man gegenüber dem Fördermittelgeber nachweisen, dass das Vergabeverfahren ordnungsgemäß verlaufen ist.

Die Stadt entschied sich deshalb, einen Anwalt einzuschalten. Der sollte prüfen, ob ein Rückzug der Firma möglich ist, und er kam zum Schluss, dass die Stadt den Auftrag an den Zweitplatzierten vergeben könne. Die dadurch entstehenden Mehrkosten müsse sie als Schadensersatz von der Firma Stowasser einfordern. Doch das wollte der Stadtrat nicht, obgleich so mancher Rat seine Bedenken hatte. „Ist die Firma überhaupt leistungsfähig?“, fragte Bernd Grahl (CDU) in der jüngsten Stadtratssitzung an. Dreßler bejahte das. Mehr noch: Die Firma hat bisher alle Unterlagen vorgelegt. Und die belegen: Die Firma sei in der Lage, dieses Vorhaben auszuführen, erklärte er. In Roßwein ist man sich dessen nun auch bewusst geworden. Denn die mündlich im Bietergespräch vorgetragenen Bedenken wurden schriftlich nicht wiederholt. Die Firma verzichtete letztlich doch darauf, von ihrem Angebot zurückzutreten.

Obwohl für die Stadt nun wieder alles nach Plan läuft, schlug Dreßler noch in der Ratssitzung nachdenkliche Töne an. „Sicherlich sind die Umstände nicht die besten Voraussetzungen.“

Doch nun hat man sich offenbar zusammengerauft. Diesen Eindruck konnte der Beobachter beim ersten Baggeraushub auf der Baustelle gewinnen. Trotz des früheren Hickhacks waren sowohl Dreßler als auch Stowasser gut gelaunt. Der Baufirmenchef zeigte sich zuversichtlich, dass man die Arbeiten in diesem Jahr beenden werde. „Wir haben noch das ganze Jahr vor uns.“ Allerdings müsste man dazu schneller arbeiten, als der Bürgermeister auf dem Bagger. Sagte es und lächelte.

Inzwischen wird auf der Feldstraße kräftig zugepackt. Diese wird in den nächsten Monaten von der Hauptstraße in Richtung der beiden verbliebenen Mehrfamilienhäuser von Grund auf saniert. Parallel dazu arbeitet sich ein zweiter Bautrupp der Firma auf der angrenzenden Alten Bergstraße voran. Dort wird der östliche, bisher unsanierte Teil grundhaft ausgebaut.