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Straßenlampen sorgen für ungebetenen Besuch

Um die Lange Straße in Pulsen nachts zu erhellen, wurden neue Leuchten installiert. Doch viele Anwohner bleiben lieber im Dunkeln.

Von Eric Weser

Es werde Licht, heißt es gleich zu Beginn der biblischen Schöpfungsgeschichte. Etwas Ähnliches dachte sich wohl auch die Gemeinde Röderaue, als sie im Frühjahr die Beleuchtung an der Langen Straße in Pulsen in Gang setzte. Bis dahin waren viele der Lampen ausgeschaltet. Für den Umschwung sorgten neue Energiesparlampen, mit denen die Gemeinde schrittweise ihre Laternen ausrüstet. Für Waltraud Müller und ihre Nachbarn allerdings hatte die Neuerung unschöne Folgen.

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Der Pulsenerin und ihren Nachbarn bescherte das Licht nämlich jede Menge ungebetenen Besuch. „Mit dem Licht kamen die Fliegen“, erzählt sie. „Nicht nur ein paar, es war eine richtige Plage. Die Wände waren schwarz“, sagt sie. Ein teils brütend heißer Sommer habe ein Übriges getan. „Man konnte ja oft nur bei geöffnetem Fenster schlafen“, so Waltraud Müller. Eine willkommene Einladung für unzählige Insekten ins Schlafzimmer der 62-Jährigen. Alle Gegenmaßnahmen erwiesen sich als zwecklos, die lästigen Besucher blieben.

Mit ihrem Ärger stand Waltraud Müller nicht alleine da: Auch ihre Nachbarn hatten auf einmal eine Insektenplage in der Wohnung. Irgendwann reichte es den Pulsenern. Gemeinsam legten sie bei der Gemeinde Beschwerde ein. Die Verwaltung reagierte mit der Abschaltung mehrerer Straßenlampen. Den Sommer über entspannte das die Lage für die Anwohner.

Nun, da es auf den Herbst zugeht, soll die Beleuchtung wieder angeschaltet werden. Für die Gemeinde Grund genug, sich mit dem leidigen Thema noch einmal genauer zu befassen. Schließlich ist man sich einig, dass das Problem mit der sommerlichen Abschaltung nur zeitweise aus der Welt ist. Ab dem Frühjahr besteht die Gefahr der Insekten-Plage für die Anwohner erneut. Aber dauerhaft ausschalten will die Gemeinde die Lampen auch nicht – genauso wenig wie die Anwohner. „Manchmal musste ich abends die Taschenlampe mitnehmen, weil es hier so dunkel war“, gibt auch Waltraud Müller zu. Auch sie wünscht sich ein in der Nacht beleuchtetes Wohngebiet, allerdings ohne unangenehme Nebeneffekte für ihre Schlafstube.

Folge von Fehlentscheidungen

Knackpunkt bei dem Thema sind die Laternen. Bei der Sanierung in den 1990er Jahren entschied sich die Gemeinde für Kugellampen. Deren Licht strahlt in alle Richtungen ab – jedoch am wenigsten zur Straße, wo es eigentlich hin soll. Hinzu kommt, dass die Lampen direkt an den Hauswänden stehen. Abstand: rund ein Meter. Ein Baumangel, gesteht Bürgermeister Lothar Herklotz (CDU) heute ein. Als der damalige Gemeinderat die Beschlüsse für die Sanierung fasste, habe aber niemand ahnen können, welche Folgen die Kombination aus kleinem Abstand und Kugelkopf nach sich ziehen würde. Im Gegenteil. „Auf die Kugelleuchten war man damals sogar noch richtig stolz “, erinnert sich Herklotz.

In den kommenden Monaten will die Gemeinde an der Langen Straße in Pulsen Abhilfe schaffen. Wie genau das geschehen soll, ist noch offen. Zumal die klamme Kommune kaum Geld zur Verfügung hat, um große Umbauten durchführen zu lassen oder komplett neue Aufsätze für die Lampen zu kaufen. „Vielleicht greifen wir noch einmal in die Trickkiste und lassen den Bauhof die Kugeln bekleben, um das Licht umzulenken“, so der Bürgermeister. Waltraud Müller, die seit kurzem für die Linke im Gemeinderat sitzt, wird bei dem Thema jedenfalls nicht locker lassen.