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Strauch hat eigenes Wolfsrudel

Lange Zeit wurde es gemutmaßt – bei Strauch hat sich ein neues Rudel angesiedelt. Sogar die TU Dresden ist einbezogen.

Das Foto wurde von einem Jäger mit einer installierten Wildkamera gemacht. Natürlich haben die Wölfe einen großen Einzugsbereich. Aber das Zentrum liegt in Strauch-Gröden.
Das Foto wurde von einem Jäger mit einer installierten Wildkamera gemacht. Natürlich haben die Wölfe einen großen Einzugsbereich. Aber das Zentrum liegt in Strauch-Gröden. © privat

Strauch. Seit einem Jahr werden Wölfe im Revier Strauch beobachtet, mit der Wildkamera und Videos dokumentiert. Auffällig war eine Wölfin, die offenbar an der Staupe erkrankt war, erklärt Christoph Egert, Rissgutachter für Wild. Da nicht klar war, ob es sich um Wölfe handelt, die als Durchzügler im Revier aufgefallen sind, wurde natürlich diesen Tieren verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt. 

Das Revier Strauch befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze Brandenburg. Natürlich werden die Tiere auch im brandenburger Revier gesichtet und fotografiert. Es stellte sich heraus, dass zwei Wölfe offenbar um Gröden herum ortstreu sind und von den Jägern dort häufig gesehen und registriert wurden. Im August lieferte eine Wildkamera in diesem Gebiet Fotos von zwei Jungwölfen. Die Bestätigung erfolgte durch „Lupus“.

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TU Dresden untersucht das Rudel

Im Februar 2019 wurde dann sogar eine gefundene Kotprobe zur Untersuchung abgegeben. Unterdessen hat sich herausgestellt das diese Probe von einer Wölfin, die wohl aus dem Gebiet Weißig bekannt sein soll, stammt. Die Wolfshöhle, der Geburtsort der Welpen, wurde gefunden. Daraufhin erfolgte ein regelmäßiger Informationsaustausch mit der TU Dresden, Abteilung Forstzoologie, die den Jägern und dem Rissgutachter auch Materialien zur fachgerechten Probenahme zur Verfügung stellt. Das Beispiel zeigt, wie Jäger und Forscher durchaus konstruktiv zusammenarbeiten.

Verständlicherweise sind die Jäger aber nicht unbedingt begeistert von dem neuen Rudel. Denn es führt auch zu großem „Fressrudel“ bei Rehwild, auch wenn grundsätzlich keine Wölfe vorhanden sind. Die weitaus häufigste Rottenbildung erfolgt seit Längerem beim Schwarzwild sowie als Rudelbildung beim Rotwild. Das Wild entwickelt einfach neue Überlebensstrategien. Das ist zunächst ein völlig natürlicher Vorgang. Das Wild verhält sich ebenfalls sehr wachsam und innerhalb des Verbandes sehr diszipliniert. 

Das bedeutet aber auch, dass das Wild mehr Energie verbraucht als früher, weil es nie richtig zur Ruhe kommt, was wiederum für einen stärkeren Verbiss führt. Natürlich spielen große Rudel und Rotten damit eine entscheidende Rolle beim Wildschaden, für den der Jäger zur Verantwortung gezogen und letztlich zur Kasse gebeten werden kann. Auch riesige Maisschläge tun das Ihre dazu, um die Rottenbildung weiter zu verstärken.

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