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Riesa

Stadt will Wohnmobilisten zur Kasse bitten

Der Elbeparkplatz in Strehla ist in der Caravan-Szene offenbar ein Geheimtipp. Die Stadtpolitik will das in Einnahmen ummünzen.

Fünf Euro soll das Nutzen des Wohnmobilstellplatzes am Strehlaer Elbufer künftig kosten. Das hat die Stadtpolitik jetzt beschlossen – und noch mehr.
Fünf Euro soll das Nutzen des Wohnmobilstellplatzes am Strehlaer Elbufer künftig kosten. Das hat die Stadtpolitik jetzt beschlossen – und noch mehr. © Foto: Eric Weser/Montage: SZ

Strehla. Die gemächlich fließende Elbe vor Augen, die grüne Idylle ringsum, Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, Anbindung zum Elberadweg und anderen Routen: Es gibt viele Gründe, weshalb es Wohnmobilisten an den Elbeparkplatz in Strehlas Unterstadt zieht. Auch dieses Jahr ist dort schon wieder viel los, erst vorigen Sonnabend sollen sich 15 Fahrzeuge eingefunden haben.

Stadtpolitiker wollen aus diesem Zulauf jetzt Einnahmen für die Stadt generieren. Für den bisher kostenlosen Caravanstellplatz soll die Stadt künftig eine Gebühr von fünf Euro pro Stellplatz und Tag verlangen, schlug FWG-Fraktionschef Heiko Zscheile jetzt im Stadtrat vor. Kassiert werden soll das Geld von den Mitarbeitern der bft-Tankstelle, die zwei Gehminuten entfernt an der B 182 liegt. Der Tankstellenbetreiber soll für seine Mühe einen Euro von der Gebühr erhalten.

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Gegenseitige Kontrolle

Die Wohnmobilisten sollen nach der Bezahlung einen Zettel ausgehändigt bekommen, der als Plakette hinter die Frontscheibe gelegt wird und signalisiert, dass das jeweilige Fahrzeug seine Standgebühr gelöhnt hat. "So entsteht eine gewisse Kontrolle zwischen den Campern", so Heiko Zscheile. 

Um den Gästen im Gegenzug etwas zu bieten, soll ihnen ein Flyer ausgehändigt werden, der unter anderem über Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Ärzte oder Kfz-Werkstätten in Strehla informiert. Außerdem soll eine Informationstafel am Parkplatz her. Der Aufsteller mit Stahlrahmen soll schnell demontiert werden können, um im Fall eines erneuten Elbehochwassers kein Abflusshindernis zu bilden.

Der Elbeparkplatz liegt in der Strehlaer Unterstadt, gegenüber von Lorenzkirch.
Der Elbeparkplatz liegt in der Strehlaer Unterstadt, gegenüber von Lorenzkirch. © Datawrapper

Platzgebühr und Info-Material sollen schnell umgesetzt werden – aber nur der erste Schritt sein. In zweiter Instanz soll die bisher fehlende Versorgung der Stellflächen mit Strom, Wasser und Abwasser für den Elbeparkplatz kommen. 

Darüber war in der Stadtpolitik schon seit Längerem diskutiert worden. Vor allem Stadtrat Reimar Kalkhof (CDU), selbst passionierter Wohnmobilist, hatte einen derartigen Ausbau des Platzes immer wieder gefordert.  Doch so ein Projekt ist aufwendig. 

Nicht nur, weil der Parkplatz im Überflutungsgebiet liegt, was Baugenehmigungen erschwert. Die nötigen Tiefbauarbeiten könnten einer früheren Schätzung zufolge ins Geld gehen. Es blieben Fragezeichen, ob sich ein solches Projekt für die Stadt rentiert. Die Debatte um das Thema ging weiter – fing aber an, sich inhaltlich im Kreis zu drehen. 

Schlusspunkt unter lange Diskussion

Mit seinem Vorschlag wolle er die Diskussion beenden und einen Stein ins Rollen bringen, so Heiko Zscheile. Die Mehrheit der Stadträte stellte sich dann auch hinter seinen Vorschlag. Peter Schreiber, Stadtrat für die rechtsextreme NPD, stimmte allerdings dagegen. Es sei die falsche Reihenfolge, die Leute "abzufetten, bevor man überhaupt was bietet".

Dass er den Zustrom auf den Platz nicht zerstören wolle, hatte FWG-Fraktionschef Zscheile indes gleich zu Beginn klar gemacht. Die Stadt sei jedoch auch auf Einnahmen angewiesen, da die Fläche Arbeit mache. So müsse zum Beispiel der Bauhof dort aufräumen, nachdem sich Gäste aufgehalten hätten.

Rathaus muss ran

Der langjährige Verfechter des Platzausbaus Reimar Kalkhof begrüßte den Vorstoß. Er drängte aber darauf, den Bau von Strom-, Wasser- und Abwasseranschlüssen im Blick zu behalten.

Nun ist zunächst die Strehlaer Stadtverwaltung dran, eine Gebührensatzung und Parkplatzordnung für die Stellfläche an der Elbe zu erarbeiten und zu klären, wie genau die Gebührenkassierung über die Tankstelle abgewickelt wird. Auch die Flyer und Infotafeln müssen noch entworfen und gedruckt beziehungsweise gebaut werden. Letzteres kann offenbar binnen weniger Wochen passieren. Wann die Satzung vom Stadtrat beschlossen werden und inkrafttreten kann, steht unterdessen noch aus.

Vorerst können Wohnmobilisten die Stellfläche also noch kostenfrei nutzen. Für Lkw soll der Uferparkplatz dem Vernehmen nach weiterhin kostenfrei nutzbar bleiben. Wie die Lkw-Fahrer mit den künftig zahlenden Wohnmobilisten auf der mehrere tausend Quadratmeter großen Pflasterfläche übereinkommen, könnte die geplante Parkplatzordnung regeln.

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