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Streit im Autohaus

Die Schiedsstelle der Kfz-Innung Oberlausitz bekommt jährlich über 100 Anträge. Nicht alle werden verhandelt.

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Von Ralph Schermann

Peter Heller ist mit seiner Autowerkstatt zufrieden. Schon seit 14 Jahren lässt er seinen Wagen dort warten. Doch nun das: Bei der Abholung entdeckt Peter Heller eine Beule im Blech, wo vorher keine war. Doch, sagt der Meister, die war schon da.

Vielleicht würden sich Meister und Kunde noch immer streiten, gäbe es nicht die Schiedsstellen im Kfz-Handwerk. Die ersten entstanden vor 40 Jahren, bundesweit sind 130 Schiedsstellen aktiv. Eine davon gehört zur Kfz-Innung Oberlausitz, in der etwa 200 Unternehmen mit 2 000 Arbeits- und 150 Ausbildungsplätzen aus den Kreisen Görlitz und Bautzen vereint sind. Sind durch Streitigkeiten die Fronten zwischen Fahrzeugeigentümer und Innungsbetrieb so verhärtet, dass kein persönliches Gespräch zur Klärung führt, ist es der einfachste Weg, die Kfz-Schiedsstelle anzurufen. Denn sie dient durch neutrale Arbeit der außergerichtlichen Schlichtung.

„Viele Kunden nehmen diese Möglichkeit in Anspruch“, bestätigt Elke Pullwitt von der Kfz-Innung Oberlausitz: „2015 wurden 115 Beanstandungen angezeigt, dazu kamen 20 im Gebrauchtwagenhandel. 2014 war es ähnlich.“ 19 Anträge auf Klärung wurden abgewiesen, weil die betreffende Firma kein Innungsmitglied ist. Schon nach einer ersten Bewertung, dem Vorverfahren, wurden 45 Beanstandungen erledigt, 25 endeten mit einem Vergleich. In den verbleibenden Verfahren erfolgten letztlich 32 Schiedssprüche zuungunsten, 14 zugunsten der Antragsteller. Die häufigsten Beschwerden waren 56 beanstandete unsachgemäße Ausführungen von Arbeiten, 49 Zweifel an der Höhe der Rechnungen und 69 Kritiken an Arbeiten, die gar nicht in Auftrag gegeben waren. Lediglich 16 betrafen technische Mängel.

Die Schiedsstelle Oberlausitz wurde 1997 gegründet und steht von Beginn an unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Michael Denkhoff. Als Fachanwalt für Verkehrsrecht war er damals Berater der Kreishandwerkerschaft, wurde zur Mitarbeit in der neuen Schiedsstelle gefragt und sagte zu. In dem Gremium arbeiten zudem ein Vertreter des ADAC, der Obermeister der Innung und ein Technik-Sachverständiger der Dekra. „Alles erfolgt ehrenamtlich, sodass in Schiedsverfahren den Bürgern keine Kosten entstehen“, sagt Denkhoff.

Für ihr Vorgehen hat sich die Schiedsstelle eine Geschäfts- und Verfahrensordnung gegeben. Danach sind telefonische Klärungen nicht möglich. Alles beginnt mit einem schriftlichen Anrufungsantrag, dem nötige Unterlagen beizufügen sind, etwa Fahrzeugschein, Werkstattauftrag, Rechnung, Bestellung, Kaufvertrag. Das zulässige Gesamtgewicht des betreffenden Fahrzeuges darf 3,5 Tonnen nicht überschreiten, und der Antrag muss unverzüglich nach Kenntnis des Streitpunktes, innerhalb der Gewährleistungsfrist und bei Problemen im Gebrauchtwagenhandel spätestens vor Ablauf von 13 Monaten seit Übergabe des Fahrzeuges bei der Kfz-Schiedsstelle eingereicht werden.

Diese holt dann eine Stellungnahme des beanstandeten Autohauses ein. Ist in diesem Vorverfahren noch keine Einigung zwischen Kunden und Werkstatt möglich, dann wird der Fall von der Schiedsstelle in Niesky verhandelt, gegebenenfalls auch mit Zeugen. Schließlich ergeht ein Schiedsspruch, der eine sachliche und juristisch fundierte schriftliche Begründung enthält. „Die meisten Betriebe zeigen sich dabei sehr kulant“, informiert Michael Denkhoff, der in den vielen Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit sehr viele Werkstätten und Autohäuser in der Region kennenlernte. Manche davon standen bisher noch nie auf der Tagesordnung der Kfz-Schiedsstelle Oberlausitz, einige wenige indes treten häufiger in Erscheinung.

Peter Heller übrigens zog seinen Antrag schon am nächsten Tag zurück. Die Beule im Blech stammte wirklich nicht von der Werkstatt. Das hatte ihm letztlich seine Frau gestanden.