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Streit um die Rübe

Neues Ungemach für die Bauern: Die EU will ihreSubventionen für Zucker drastisch senken.

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Brüssel/Rostock. Gegen den Widerstand deutscher Bauern und der Industrie will die EU den hochsubventionierten Zuckermarkt reformieren. Die EU-Kommission schlug gestern eine drastische Preissenkung vor: für weißen Zucker von derzeit 632 Euro je Tonne auf 385,5 Euro. Bei Zuckerrüben soll der Preis von 43,6 Euro auf 25,05 Euro je Tonne fallen. Die EU-Agrarminister müssen dem aber noch zustimmen.

Die deutschen Bauern reagierten mit massiven Protesten auf das Brüsseler Vorhaben. Mit Pfiffen und Protestrufen machten rund 400 Landwirte auf dem Bauerntag in Rostock ihrem Unmut Luft. „Ein Skandal“, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Er sprach von einer „radikalen Kampfansage“, die die Landwirte annehmen würden. Er sehe 50 000 bäuerliche Existenzen im Zuckerrübenanbau allein in Deutschland in Gefahr.

Dagegen begrüßte Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) den EU-Vorschlag. „Er verbindet die Ziele, eine mehr am Markt ausgerichtete Zuckererzeugung zu sichern und mehr Gerechtigkeit in den internationalen Agrarhandel einkehren zu lassen“, sagte die Ministerin.

Der Deutsche Bauernverband hatte ihr Gleichgültigkeit gegenüber den Landwirten vorgeworfen. „Wer bei dieser Diskussion die Interessen der deutschen Landwirtschaft glaubhaft vertreten will, der darf im Kern die Notwendigkeit der Zuckermarktreform nicht weiter anzweifeln“, sagte Künast und wies auf Entscheidungen der Welthandelsorganisation WTO und Zusagen gegenüber Entwicklungsländern hin. (AP/dpa) S.4