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Streit ums geplante Einkaufszentrum

Neben dem neuen Netto in Schiebock sollen weitere Läden entstehen. Verträgt die Innenstadt diese Konkurrenz?

So könnte das geplante Einkaufszentrum zwischen Neustädter Straße, Drebnitzer Weg und Süßmilchstraße nach einem Entwurf des Grundstückseigentümers aussehen. Das lange Gebäude im oberen Bereich wurde bereits saniert und beherbergt zwei Berufsschulen.
So könnte das geplante Einkaufszentrum zwischen Neustädter Straße, Drebnitzer Weg und Süßmilchstraße nach einem Entwurf des Grundstückseigentümers aussehen. Das lange Gebäude im oberen Bereich wurde bereits saniert und beherbergt zwei Berufsschulen. © Zeichnung: Saller Bau Weimar

Bischofswerda. Die Pläne des Grundstückseigentümers zur Bebauung des Areals Drebnitzer Weg/Süßmilchstraße in Bischofswerda sind wesentlich umfangreicher, als es bisher öffentlich bekannt gewesen ist. Neben der Verlegung des Netto-Marktes von der Belmsdorfer Straße an den neuen Standort plant der Eigentümer die Errichtung eines Fachmarktzentrums. Vorgesehen sind ein DM-Drogeriefachmarkt, der Schuhhändler K + K, der Textilanbieter Takko und Mäc Geiz. Die Verträge mit den Handelsunternehmen wurden bereits geschlossen, sagte Andreas Barth, Projektentwickler bei der Saller-Gruppe Weimar der SZ. Das Unternehmen ist Eigentümer des Grundstückes des ehemaligen Fortbildungswerkes, und es möchte das Areal, das zu großen Teilen Brachfläche ist, entwickeln. Doch es gibt Gegenwind. Die SZ fasst die unterschiedlichen Positionen zusammen.

Wie ist die Ausgangslage auf dem Grundstück am Kreisverkehr?

Nach Aussage von Andreas Barth ist die Saller-Gruppe seit dem Jahr 2014 mit der Stadt Bischofswerda über ihre Pläne im Gespräch. Die sahen ursprünglich einen Dreiklang von Bildung, Handel und Service, speziell betreutem Wohnen, vor. Da für die dritte Säule kein Partner gefunden wurde, wurde sie aus dem Projekt gestrichen.

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Von den Gebäuden auf dem früheren Fortbildungswerk-Gelände soll nur das inzwischen sanierte Haus stehenbleiben. Es beherbergt zwei Bildungseinrichtungen: das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft, das hier sein Bildungszentrum Lausitz mit der Berufsschule für Hauswirtschaft betreibt, und als dessen Untermieter die Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe. Alle anderen Häuser sollen abgerissen werden. Die Böschung neben dem Kreisverkehr soll in Richtung des Berufsschulgebäudes teilweise abgetragen werden, um so Platz für Pkw-Stellflächen, aber auch Bäume zu schaffen. Die Geschäfte sollen entlang der Süßmilchstraße errichtet werden. Für den Bau des Netto-Marktes liegt die Genehmigung vor, ebenso für den Abbruch der dafür vorgesehenen Gebäude.

Warum ruhen die Arbeiten auf dem Grundstück?

Die Saller-Gruppe könnte sofort bauen, tut es aber nicht. „Wir haben das Projekt als Ganzes kalkuliert. Es trägt sich nur in der Summe“, sagt Andreas Barth. Als Minimalvariante könnte er noch mitgehen, wenn außer einem Netto mit 800 Quadratmeter Verkaufsfläche wenigstens noch die Drogerie mit rund 640 Quadratmetern genehmigt werden würde. „Ohne DM geht es nicht“, betont der Projektentwickler. Doch weitere Märkte außer dem Netto lehnen die Behörden ab.

Wie begründet die Stadtverwaltung ihr Nein zu weiteren Märkten?

Sie befürchtet, ein solches Einkaufszentrum könnte den Handel in der Innenstadt schwächen. Oberbürgermeister Holm Große verweist auf das 2016 vom Stadtrat beschlossene Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Der Bereich am Drebnitzer Weg ist darin nicht als Versorgungsschwerpunkt genannt. Dieser Bereich würde mit einem neuen großflächigen Einkaufszentrum „alle Pläne zur Stärkung des Innenstadthandels gemäß dieses Konzeptes konterkarieren“, sagt er. Über Bauanträge entscheidet nicht die Stadt, sondern das Landratsamt. Seitens der Kreisbehörde wurde die Stadt hingewiesen, dass die Zulässigkeit eines zentrumsnahen großflächigen Einzelhandels nur über die Aufstellung eines Bebauungsplanes Einzelhandel und eine Veränderungssperre erreicht werden kann.

Was hat es mit der Veränderungssperre auf sich?

Der Stadtrat hat sie im vergangenen Frühjahr für große Teile des Stadtgebietes für zwei Jahre mit der Option beschlossen, sie bei Bedarf um ein drittes Jahr verlängern zu können. Mit Ausnahme von Netto am Drebnitzer Weg und Aldi an der Bautzener Straße, wofür bereits Baurecht besteht, dürfen im Geltungsbereich des Bebauungsplanes „Einzelhandel“ weder neue Märkte errichtet, noch bestehende umgebaut und erweitert werden. Andreas Barth kritisiert das scharf: „Eine Veränderungssperre bedeutet für Investoren: Betreten verboten. Wir wollen nicht, dass ihr kommt“, sagt er. Zugleich beschränke sich damit die Stadt in ihrer Entwicklung selbst.

Oberbürgermeister Holm Große entgegnet: „Die Saller-Gruppe ist herzlich willkommen. Uns gegenüber hatte Herr Barth immer dargelegt, dass der Netto-Markt kommen müsse, damit sich das Gesamtobjekt rechne. Als Stadt haben wir ihm immer offen und fair zur Seite gestanden. Zuletzt zum Beispiel am 16. Oktober 2019, als ich ihn zu einem Termin bei der Beigeordneten des Landrates, Frau Weber, begleitet habe.“ Dort sei ihm von Frau Weber noch einmal klar dargelegt worden, „dass seine Planungen so in dieser Form nicht funktionieren können“, sagt Holm Große.

Welche Auswirkungen hat der Streit auf die Berufsschulen?

Die Saller-Gruppe investierte einen höheren sechsstelligen Betrag, um gute Bedingungen zu schaffen. Die Schulen als Mieter allein seinen für das Unternehmen bislang ein defizitäres Geschäft, sagt Andreas Barth. Allerdings wurde der Mietvertrag langfristig abgeschlossen, sodass die Einrichtungen Bestand haben. OB Große betont: „Die Berufsschulen liegen uns sehr am Herzen, wir haben sie immer unterstützt und werden das weiterhin tun.“

Darf Saller nicht bauen, um Edeka an der Stolpener Straße zu ermöglichen?

OB Holm Große verneint diese Frage, fügt zugleich aber hinzu: „Aber natürlich würden, auch aus Sicht der Bauaufsichtsbehörde und der Landesdirektion, zusätzliche Einzelhandelsflächen den Spielraum der schon lange geplanten Ansiedlung eines Vollsortimenters im Zentrumsbereich torpedieren. Die Bürger und der Stadtrat haben sich mit großer Mehrheit für diesen Weg und die damit verbundene Stärkung des Innenstadthandels ausgesprochen.“

Wer ist der Investor für die Fläche am Drebnitzer Weg?

Die Saller-Gruppe ist auf den Bau und die Vermietung von Gewerbeimmobilien spezialisiert. Der Schwerpunkt liegt auf dem Einzelhandel, vor allem auf Fachmärkten und Einkaufszentren. Das Unternehmen ist in Deutschland, Polen, Tschechien und der Slowakei tätig. Es erreicht nach eigenen Angaben jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. In Bischofswerda könnte die Zeit für die Firma knapp werden, da sich die potenziellen Mieter neu orientieren könnten. Spätestens bis Ende 2021 müssten aus Investorensicht die Probleme gelöst sein.

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Was halten Sie von den Plänen für ein Fachmarktzentrum am Drebnitzer Weg? Welchen Nutzen könnte es der Stadt Bischofswerda bringen? Welche Risiken sehen Sie, vor allem für den Handel in der Innenstadt?

Schreiben Sie an [email protected]ächsische.de oder Kamenzer Straße 5, 01877 Bischofswerda.

So sieht die Fläche an der Neustädter Straße zurzeit aus, fotografiert vom Kreisverkehr aus.
So sieht die Fläche an der Neustädter Straße zurzeit aus, fotografiert vom Kreisverkehr aus. © Steffen Unger

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