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Streit um Fenster am Neumarkt

Die Landesdirektion bietet einen Kompromiss an – die Stadt geht nicht darauf ein. Die Neumarkt-Gesellschaft ist empört.

© Visualisierung: KIM Jüdenhof Dresden

Von Bettina Klemm

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Wenn die Ferne ruft

Nur zwei Stunden von Dresden entfernt befindet sich der größte internationale Flughafen der Tschechischen Republik, mit jeder Menge aufregender Ziele.  

Festverglasung ist das neue Unwort in Dresden. So sollen die Investoren der Neumarktgebiete hinter dem Kulturpalast Wohnungen und Hotelzimmer bauen, bei denen die Fenster nicht zu öffnen sind. Betroffen sind die Quartiere VI, VII/1 und VII/2, weil sie an Straßen liegen, die für den nächtlichen Transport der Veranstaltungstechnik im Kulturpalast genutzt werden.

Gegen eine entsprechende Auflage in der Baugenehmigung hatte Investor Michael Kimmerle im September vergangenen Jahres Widerspruch eingelegt. Der wird von der Landesdirektion Sachsen als Aufsichtsbehörde bearbeitet. Die hat wiederum die Umwelt-Emissionsbehörde in Chemnitz eingeschaltet.

Diese hat der Stadt einen Kompromiss aufgezeigt. Danach wäre neben Auflagen zu besonders guten Schallschutzfenstern das dennoch bestehende Lärmproblem als Baulast, eine Form des öffentlichen Rechts, eingetragen worden. Das Lärmproblem entsteht durch den nächtlichen Abtransport von Technik nach Konzerten im Kulturpalast.

Eigentlich hätte sich die Stadt nun genüsslich zurücklehnen können, was könnte ihr Besseres passieren, als dass die Aufsichtsbehörde entscheidet. Doch das Dresdner Rathaus beharrt offensichtlich auf der einmal gefassten Meinung. Nach SZ-Informationen sind die zuständigen Bürgermeister für Stadtplanung, Finanzen und Umwelt nicht einmal in der Lage, über das Thema gemeinsam zu sprechen. „Wir sind rechtlich auf der sicheren Seite“, erklärte Stadtentwicklungsbürgermeister Jörn Marx (CDU) in dieser Woche vor Wirtschaftsvertretern.

Torsten Kulke ist bestürzt, wie mit dem Versuch eines Interessenausgleichs zwischen Stadt und Investoren umgegangen wird. Als Vorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden bittet er die Oberbürgermeisterin, regulierend einzugreifen. „Zum Wohle der Stadt, im Interesse deren Ansehens und der zukünftigen Bewohner am Dresdner Neumarkt“, sagt er.

Darüber hinaus fordert die Neumarkt-Gesellschaft, das Umweltamt soll die Berechnungen zur Ausbreitung der Schallemission offenlegen und unabhängigen Schallschutzgutachtern übergeben. „Seitens der Stadt wird behauptet, dass für Bestandsbauten in der Umgebung keine höheren Belastungen zu erwarten seien. Wir halten diesen Standpunkt für falsch“, sagt Kulke. Er befürchtet, dass auch die Anwohner der Schloßstraße und des Altmarkts von der Lärmbelästigung betroffen sind. Es sei bezeichnend, dass die Stadt sich selbst für den Kulturpalast eine Baugenehmigung erteilt, welche aus Kostengründen ohne jegliche Schallschutzauflagen auskommt, kritisiert Torsten Kulke.

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