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Wo macht freies W-Lan für Kommune Sinn?

Die Nünchritzer SPD-Fraktion schlägt drei Standorte für Hotspots vor. Die CDU hat damit ihre Sorgen.

Von Jörg Richter
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Noch gibt es kein freies W-Lan am Rathaus in Nünchritz. Doch das könnte sich im nächsten Jahr ändern.
Noch gibt es kein freies W-Lan am Rathaus in Nünchritz. Doch das könnte sich im nächsten Jahr ändern. © Sebastian Schultz

Nünchritz. Wiedermal haben die Sozialdemokraten einen eigenen Vorschlag in den Nünchritzer Gemeinderat gebracht. Dieses Mal preschen sie den anderen Fraktionen in Sachen freies W-Lan voraus. Sie möchten, dass die Gemeinde Nünchritz an ausgewählten Stellen sogenannte Hotspots einrichtet, mit denen Smartphone-Besitzer kostenlos telefonieren und WhatsApp-Nachrichten schreiben können sowie freien Zugang ins Internet haben. Kommunen wie Coswig, Radebeul und Großenhain haben das bereits oder planen es gerade. Und Nünchritz sollte da nicht hintenanstehen, findet SPD-Gemeinderat Udo Schmidt.

Die Sozialdemokraten haben drei Standorte vorgeschlagen. Danach sollen Hotspots am Haus des Gastes in Diesbar-Seußlitz, am Dorfgemeinschaftshaus in Nünchritz und auf dem Ubstadt-Weiher-Platz (ebenfalls in Nünchritz) angebracht werden.

Auch wenn dieser Vorschlag wahrscheinlich erst in der Februarsitzung auf der Tagesordnung steht und dort beraten werden soll, kam prompt die Reaktion der CDU-Fraktion. Sie habe prinzipiell nichts gegen freies W-Lan, wenn es, so wie im Fall Diesbar-Seußlitz, dem Tourismus in der Gemeinde dient, betont Fraktionschef Holger Rautschek.

Anders sehe es da für die beiden Standorte in Nünchritz aus. Die Christdemokraten stehen vor allem einen Hotspot am Ubstadt-Weiher-Platz sehr skeptisch gegenüber. Das ist der Marktplatz neben dem Rathaus. „Das ist eine zweischneidige Sache“, sagt Rautschek. „Man sollte bedenken, wer es wirklich nutzt.“ Touristen seien es nicht. Der CDU-Mann befürchtet: „Mit freiem W-Lan zieht man ein bestimmtes Klientel an.“

Schlechte Erfahrungen

Rautschek verweist auf die eher negativen Erfahrungen seines Parteifreundes Sebastian Fischer. Die jetzige CDU-Kreisvorsitzende hatte in seiner Zeit als Landtagabgeordneter an seinem Wahlkreisbüro in Großenhain einen Hotspot einrichten lassen. Doch in der dunklen Salzgasse blieb kaum jemand stehen. Und wenn doch, dann waren es Jugendliche, die einen kostenlosen Internetzugang für ihr Smartphone suchten. Das Angebot für potenzielle CDU-Wähler verfehlte sein Ziel.

Udo Schmidt kann das Argument nicht nachvollziehen. „Jugendliche treffen sich doch jetzt schon auf dem Marktplatz“, sagt der Nünchritzer Ehrenbürger. „Wir können uns nicht abschotten, nur weil wir befürchten, dass einige den freien Internetzugang missbrauchen.“ Er fügt hinzu: „Schwarze Schafe gibt es überall. Aber wenn man sich nur nach ihnen richtet, gibt es keine Entwicklung mehr.“

Ein Hotspot am Dorfgemeinschaftshaus sei deshalb sinnvoll, weil sich im Erdgeschoss das Dorfmuseum befindet und im Obergeschoss der Ratssaal. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Arbeit des Gemeinderats zunehmend digitalisiert wird, sei freies W-Lan eine Voraussetzung.

Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) hält die Idee nicht von vorherein für schlecht. „Aber die Frage ist, wer es bezahlt und wo es Sinn macht“, sagt der Verwaltungschef. „So viele Möglichkeiten haben wir nicht.“

In Großenhain gibt es freies W-Lan auf dem Hauptmarkt seit diesem Jahr. Pünktlich zur Einkaufsnacht Mitte April wurde ein Hotspot freigegeben. Mit dem Namen „OpenSpotGRH.net“ ist das Internet 24 Stunden und 365 Tage kostenlos vor dem Rathaus erreichbar. Nutzer wählen dann einfach dieses W-Lan mit ihrem Smartphone aus und gelangen nach dem Verbinden auf eine Startseite.

 Die Bandbreite beträgt am Hauptmarkt satte 100 Mbit/s. Mitte Mai kam zur Saisoneröffnung im neuen Naturerlebnisbad ein zweiter kommunaler Hotspot dazu. Die einmaligen Anschaffungskosten für beide Hotspots lagen bei rund 1.500 Euro. Die jährlichen Kosten belaufen sich für beide auf rund 1.900 Euro, wobei der Wlan-Hotspot im Naturerlebnisbad nur sechs Monate im Jahr in Betrieb sein wird.

Allerdings gibt es auch in Großenhain Kritik an der Standortwahl. Mehrere Stadträte sehen den Hotspot vorm Rathaus als nicht nötig an. Stadtrat Thomas Neumann gibt zu bedenken, am Cottbuser Bahnhof wäre ein ordentlicher Internetzugang wohl wichtiger gewesen.

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