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Streit um Onkel Ernies Wettinererbe

Ein Geschwisterpaar möchte daran beteiligt werden, hat aber vor Gericht kaum Chancen.

Von Thomas Schade

Sie sind gebürtige Dresdner und schwärmen von Onkel Ernie, den sie 1952 kennengelernt hatten, wie sie sagen. Später besuchten sie ihn sehr oft auf seinem Landgut im irischen Coolamber. Die Rede ist von Anja C. (72) und Joachim S. (77), die heute in Niedersachsen leben, und von ihrem Onkel Ernst Heinrich von Sachsen, Sohn des letzten Königs, der nach 1945 als Landwirt in Irland lebte. Und es geht darum: Gehören die beiden Pensionäre – Joachim S. war als Arzt und Anja C. als Lehrerin tätig – zum Haus Sachsen? Sind sie Erben des vormaligen Königshauses?

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Ernst Heinrich von Sachsen mit seiner zweiten Frau Virginia Anfang der 50er-Jahre auf Gut Coolamber in Irland. Foto: privat
Ernst Heinrich von Sachsen mit seiner zweiten Frau Virginia Anfang der 50er-Jahre auf Gut Coolamber in Irland. Foto: privat

Um diese Fragen zu klären, klagen die beiden Senioren vor dem Dresdner Landgericht, ihr Gegner ist Rüdiger von Sachsen. Dessen Großvater war Ernst Heinrich von Sachsen, der mit seiner ersten Frau, Sophie von Luxemburg, drei Söhne hatte: die Prinzen Gero, Dedo und Timo, Rüdigers Vater. Nach dem frühen Tod der Prinzessin 1941 lernte Ernst Heinrich die Schauspielerin Virginia Dulon kennen, heiratete sie 1947 und lebte mit ihr bis zu seinem Tod 1971 auf Gut Coolamber. Virginia starb 2002. Die Nichte Anja C. und der Neffe Joachim S. sind ihre einzigen Nachkommen.

Der Streit begann mit Ernst Heinrichs Buch „Vom Königsschloss zum Bauernhof“. Als es in der vierten Auflage erschien, habe er sich beim Verlag „mal nach den Honoraren erkundigt“, sagt Jürgen Heinrich C., der Ehemann der Klägerin. Da sei einiges unklar gewesen, und so habe man nach dem Tod von Tante Virginia versucht, die Erbangelegenheit aufzuklären. Das führte zu einem ersten Erbrechtsstreit bis vor das Berliner Kammergericht, vor dem die Geschwister aus Niedersachsen verloren.

Von den Wettinern tangiert die Auseinandersetzung lediglich den Familienstamm der Moritzburger, eben Ernst Heinrich von Sachsen, der seine zweite Frau Virginia als Alleinerbin eingesetzt hatte. So streiten sich die noch lebenden Nachkommen der zweiten Frau mit dem nächsten Nachkommen aus erster Ehe. Das ist Rüdiger von Sachsen, den Gero und Dedo, beide kinderlos, als Erben eingesetzt hatten.

Mehrere Vermögen, zwei Testamente

Einigermaßen kompliziert ist der Fall, da mehrere Vermögen und zwei Testamente existieren. Peter Kies, der Vorsitzende der zweiten, auf Erbrecht spezialisierten Zivilkammer, versuchte gestern eine gütliche Einigung zwischen den Parteien zu erzielen. Doch das misslang. Unstrittig ist ein Testament der Prinzessin Virginia zu einem Vermögen in der Schweiz, das nach Ansicht des Gerichtes bereits verteilt ist. Auseinander gehen die Meinungen zu einem zweiten Testament, in dem es vor allem um das irische Gut Coolamber geht. In dem setzt Virginia zwar ihre Stiefsöhne Timo, Gero und Dedo als Erben ein, berücksichtigt aber auch ihre Nichte und ihren Neffen. Die beiden Kläger aus Niedersachsen interpretieren das Testament ihrer Tante nun so, dass es nicht nur den Besitz in Irland umfasst, sondern auch das gesamte deutsche Vermögen der Wettiner. Wäre das der Fall, müsste Rüdiger mit den Geschwistern teilen.

Doch dazu wird es nach der gestrigen Erörterung wohl nicht kommen. Denn die Dresdner Richter schlossen sich der Ansicht ihrer Berliner Kollegen an, die für Recht erkannt hatten, dass Virginia von Sachsen nicht am deutschen Vermögen der Wettiner beteiligt ist und dass die deutschen Vermögenswerte auch nicht von dem irischen Testament erfasst sind. Bei den deutschen Vermögenswerten handelt es sich um die Restitutionsansprüche und um die millionenschweren Ausgleichsvereinbarungen, die in den vergangenen Jahren zwischen dem Freistaat und den Wettinern geschlossen wurden.

Zur Begründung führte die Kammer unter anderem zwei Verzichtserklärungen an, die Virginia für sich und ihre Nachkommen anlässlich der Vereinbarungen zwischen dem Freistaat und den Wettinern abgegeben hatte. Dieser Verzicht sei zudem mit Abfindungen von mehreren Hunderttausend Euro verbunden gewesen. Immer, wenn es um deutsches Vermögen ging, habe Virginia von Sachsen verzichtet, so der Vorsitzende Richter, der darin einen deutlichen Hinweis darauf sieht, dass die Prinzessin sehr wohl getrennt habe zwischen dem irischen Vermögen und den deutschen Ansprüchen.

Zudem stellt sich für das Gericht die grundsätzliche Frage, ob Ernst Heinrichs zweite Frau vermögensrechtlich überhaupt zum engsten Familienkreis zählte. Der ist seit der Abdankung des letzten Königs im Verein Haus Wettin albertinische Linie erfasst. Doch bis heute gibt es keine formelle Bestätigung, dass Prinzessin Virginia jemals aufgenommen wurde in den erlauchten Kreis.