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Streit um Palais-Stellplätze

Die Stadt will vor allem neue Parkflächen für das geplante Arztzentrum schaffen.

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© Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

Es gibt kaum eine Lösungsvariante für das Zabeltitzer Parkplatzproblem, die noch nicht vorgeschlagen, diskutiert und wieder verworfen wurde. Im Ortschaftsrat ging es jüngst wieder heiß her. Immerhin in einer Sache scheint Konsens unter den Bewohnern zu herrschen: Die knapp 30 Stellplätze auf dem Palais-Vorplatz sollen bleiben. Sehr zum Leidwesen der Denkmalschützer. Die sähen gern den historischen Obstgarten neben der Kirche wieder hergerichtet. Bleibt der Parkplatz, wird der Blick von dort zum Palais durch das abgestellte Blech beeinträchtigt. Die Stadt hatte sich dem ursprünglich angeschlossen. Aber der Widerstand der Anwohner war zu stark, auch der Ortschaftsrat meldete Bedenken an. „Wir werden nichts über die Köpfe der Zabeltitzer hinweg entscheiden“, sagt Stadtkultur-Chef Matthias Schmieder. Andererseits will das Rathaus auch keine abstrusen Vorschläge aus der Einwohnerschaft umsetzen, wie etwa den Palais-Parkplatz auf Kosten des Obstgartens noch zu vergrößern. „Eigentlich können wir uns doch freuen“, sagt Schmieder. „Jedes Jahr kommen mehr Touristen nach Zabeltitz, durch das Arztzentrum auch mehr Patienten – das belebt den Ort ungemein.“

Es waren die Ausbaupläne des Kiefer- und Gesichtschirurgen Dr. Ronald Mai, die die Parkplatzdiskussion überhaupt in Gang brachten. Damit sie umgesetzt werden können, werden in Schlossnähe an die 50 Pkw-Stellplätze für Patienten gebraucht. Ansonsten gibt es keine Baugenehmigung. Manchmal sei der Palais-Vorplatz jetzt schon zugeparkt, so Matthias Schmieder. Deshalb bestehe akuter Handlungsbedarf.

Die Stadt hatte dazu ein dreistufiges Parkflächen-Konzept ausgearbeitet, das die Situation entschärfen soll. Zunächst, so der Plan, wird das gesamte Areal ums Schloss als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Es darf dann nur noch dort geparkt werden, wo entsprechende Flächen eindeutig gekennzeichnet sind. Die vorhandenen 26 Stellplätze im Schlosshof sollen komplett als Patientenparkplätze plus fünf für die Anwohner ausgewiesen werden. Wer dort unberechtigt parkt, wird abgestraft. Das Praxispersonal müsste seine Fahrzeuge dann auf der großen Parkfläche gegenüber dem Gasthof abstellen.

Eine zweite Ausbaustufe sieht den Bau eines neuen Parkplatzes am Eingang Kastanienallee vor. Hier hätte die Stadt die Möglichkeit, ein Grundstück zu kaufen, das Platz für etwa 25 Pkw bietet. Die sind auch für Patienten gedacht, die durch Schilder von der Kastanienallee hierher geleitet werden sollen. Unklar ist noch, wie die Verkehrsführung zu den Patienten-Parkflächen aussehen soll – ob im Begegnungsverkehr oder Einbahnstraßenregelungen. Die dritte Stufe des Konzepts – die Freilenkung des Palais-Vorplatzes – ist durch den Widerstand der Zabeltitzer hinfällig geworden.

Aber auch die Variante eines neuen Parkplatzes an der Kastanienallee sorgt für Diskussionen. Die Angestellten der dortigen Kita würden den Bau begrüßen, weil er den Bring- und Abholverkehr beruhigt. Die Anwohner aber befürchten, dass er Lärm und Abgase in ihre idyllische Wohnlage bringt. Diese Befürchtung brachte im Ortschaftsrat auch einige recht eigenwillige Vorschläge hervor. „Jeder will, dass seine persönliche Meinung zu hundert Prozent berücksichtigt wird“, seufzt Matthias Schmieder. „Wenn wir und mehr Tourismus wünschen, kann nicht alles so ruhig bleiben, wie es war.“ Ein Konzept soll spätestens im Oktober in den Stadtrat eingebracht werden. Bevor gebaut wird, so Schmieder, würden mit Sicherheit noch zwei, drei Jahre ins Land gehen.