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Streit um Schulsanierung entbrannt

Die Grundschul-Eltern wollen keine weiteren Klassen im Haus. Die der Oberschüler halten den Ersatzstandort für sinnvoll.

© Steffen Unger

Von Kathrin Kupka-Hahn

Der Dresdner Norden ist zweigeteilt, wenn es um die Verlegung der 82. Oberschule „Am Flughafen“ in Klotzsche geht. Das 100 Jahre alte Gebäude in der Korolenkostraße muss dringend saniert und erweitert werden. Jahrelang haben die Klotzscher, Weixdorfer und Langebrücker Eltern darum gekämpft. Mit Erfolg. Die Arbeiten zur Sanierung und für den Neubau sollen im Februar 2015 starten. Dann werden die rund 300 Oberschüler an der 85. Grundschule auf der Radeburger Straße unterrichtet. So weit der Plan. Doch dieser stößt nicht bei allen Müttern und Vätern auf Gegenliebe.

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Die Eltern der 85. Grundschule befürchten enorme Einschnitte für ihre Kinder (die Sächsische Zeitung berichtete) und protestieren deshalb seit Wochen lautstark dagegen. Unterstützung erhielten sie vom Klotzscher Ortsbeirat, der in seiner Aprilsitzung die Schulverwaltung aufforderte, Ersatzstandorte zu suchen. Jetzt wollen die Grundschul-Eltern weiter Druck auf die Stadt ausüben. Deshalb werden am kommenden Montag rund 20 Kinder der Grundschule im Rathaus am Dr.-Külz-Ring einen Brief an Schulbürgermeister Wilfried Lehmann (CDU) übergeben.

Kerstin Arnhold, Iris Abdul-Hak und Gerd Lunau können darüber nur den Kopf schütteln. Ihre Söhne lernen an der 82. Oberschule in verschiedenen Klassen. „Wir haben kein Problem mit der geplanten Auslagerung“, sagt Kerstin Arnhold, die sich ebenso wie Iris Abdul-Hak im Elternrat der Oberschule engagiert. „Außerdem haben wir kein Verständnis dafür, dass die Grundschulkinder instrumentalisiert werden“, schimpft Gerd Lunau. Die Diskussion um die Auslagerung sollte nicht emotional geführt werden, sondern nur unter Erwachsenen und vor allem sachlich.

Die drei Eltern befürchten außerdem, dass die Grundschüler so von vorneherein negativ auf die Oberschüler eingestimmt werden. „Dabei können doch unsere Kinder nichts dafür, dass sie an der 85. Grundschule lernen sollen“, sagt Iris Abdul-Hak. „Man muss auch unsere Position verstehen.“

Der Elternrat der 82. Oberschule musste nicht lange darüber beraten, als die Pläne zur Verlegung an die 85. Grundschule bekannt wurden. „Für uns überwiegen schließlich die positiven Argumente“, sagt die Vorsitzende, Kerstin Arnhold. Der wichtigste Fakt ist, dass sich mit der kompletten Verlegung die Bauzeit auf eineinhalb Jahre verkürzt. „Alle Kinder haben dadurch viel eher wieder normalen Schulbetrieb.“

Räume an Grundschule reichen aus

Ursprünglich hatte die Stadt etwas anderes vor. Sie wollte Sanierung und Neubau bei laufendem Schulbetrieb erledigen. Zunächst wäre der neue Trakt gebaut worden, in den die Schüler während der Sanierung des alten Schulhauses eingezogen wären. Die Bauzeit würde bei dieser Vorgehensweise zweieinhalb Jahre betragen. „Und wir müssten weiterhin mit zwei Schulstandorten leben“, so Iris Abdul-Hak. Da die Klassenzimmer an der 82. Oberschule nicht ausreichen, werden einige Unterrichtsfächer, wie etwa Sport und Wirtschaft/Technik/Hauswirtschaft, schon seit Jahren am Außenstandort unterrichtet – in der Turnhalle sowie im zweiten Obergeschoss der 85. Grundschule. Die 5. und 10. Klassen verbringen einen Tag pro Woche dort, die anderen Klassen sogar zwei, erklärt die stellvertretende Schulleiterin Karsta Waltz. Absprachen zu treffen oder ein gemeinschaftliches Schulleben ist nur schwer möglich. „Das würde sich mit einer Komplettauslagerung erledigen“, so Kerstin Arnhold.

Die Elternratsvorsitzende hält außerdem die Räume an der 85. Grundschule für den Betrieb zweier Schulen ausreichend. „Bis 2008 haben in dem Gebäude Grund- und Oberschüler gemeinsam gelernt“, sagt sie. Auch der Pausenhof sei groß genug für alle. Natürlich sei es bitter, dass Hort- und Funktionsräume sowie gewisse Privilegien aufgegeben werden müssen. „In einer Notsituation müssen alle etwas zusammenrücken und zusammenhalten“, sagt Gerd Lunau. Schließlich würden auch die Kinder von den beengten Verhältnissen profitieren und lernen, Rücksicht zu nehmen.