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Zoff um Spielplatz

Im Oberland soll eine neue Freizeitfläche entstehen. Aber wie soll sie aussehen - und was darf sie kosten? Darüber entbrannte jetzt ein Streit im Stadtrat. 

Auf der Fläche zwischen Sachsenstraße und Thüringer Straße soll ein neues Freizeitareal entstehen.
Auf der Fläche zwischen Sachsenstraße und Thüringer Straße soll ein neues Freizeitareal entstehen. © SZ-Grafik

240.000 Euro, mehr soll der neue Spielplatz im Oberland nicht kosten. Das stand für die Stadt fest. Diesen Kostenrahmen hatte sie auch als Kriterium vorgegeben, als sie einen Planungswettbewerb für den Spielplatz auslobte. Büros konnten sich mit ihren Ideen um den Auftrag bewerben. Damit erhoffte man sich im Rathaus, pfiffige Ideen zu bekommen. Nun steht ein Entwurf zur Debatte, der deutlich mehr als das doppelte des geplanten Budgets kosten soll: 544.500 Euro. Zuviel für die Stadträte. Sie hatten in ihrer jüngsten Sitzung am Montagabend eigentlich die Planung des Platzes an ein Büro vergeben sollen. Doch nach heftiger Diskussion wurde das auf Eis gelegt. 

Es soll nicht einfach ein normaler Spielplatz sein, den die Stadt da im Plattenbaugebiet Oberland zwischen der Sachsenstraße und der Thüringer Straße auf einer Wiese errichten lassen will. Vielmehr ist eine Freizeitfläche für alle Generationen angedacht. Zwei Anbieter hatten sich am Wettbewerb beteiligt. Beide hatten pfiffige Vorschläge entworfen, mit der Spree als Thema und verschiedenen Spiel- und Bewegungselementen, an denen sich alle Altersgruppen betätigen könnten. Aber das kostet. 

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Ein Anbieter hielt sich zwar an den Kostenrahmen und erstellte einen Vorschlag, der rund 245.000 Euro kosten soll. Allerdings habe er sich bei der Auswahl der Spielgeräte sehr vage gehalten und keine konkreten Aussagen getroffen, berichtet Bauamtsleiter Matthias Lachmann. Er äußerte die Befürchtung, dass es auch noch teurer werden könnte. Das zweite Büro wollte sich zu den Kosten zunächst gar nicht weiter äußern, berichtet der Bauamtsleiter. Nach genauerem Nachfragen kam dann heraus: insgesamt soll der Spielplatz knapp 545.000 Euro kosten. Trotzdem schlug der Bauamtsleiter dem Stadtrat eben dieses Büro mit dem teureren Entwurf vor. Lachmann erklärte auch, warum dieses Büro den Zuschlag erhalten sollte: Eine extra eingerichtete Arbeitsgruppe "Spielplatz" wertete die Vorschläge aus  - nach einer ausgeklügelten Matrix mit Punktevergabesystem. Die meisten Punkte erreichte das Unternehmen aus Radeberg mit dem teureren Vorschlag. "Und das, obwohl bei den Kosten null Punkte vergeben wurden." Das spreche für die Qualität des Entwurfs und der eingereichten Idee. Außerdem, so Lachmann, solle der Stadtrat jetzt nicht über die Kosten diskutieren, sondern über die Art des Spielplatzes. "Es geht darum, die beste Variante zu finden." 

Nun müsste die Stadt das Geld auch nicht komplett selbst ausgeben, sie kann Fördermittel bekommen. Mit den Gesamtkosten steigt aber auch der Eigenanteil. Für die Stadträte steht daher fest: Dass die Stadt einen Spielplatz für mehr als 500.000 Euro baut, das könne man den Bürgern nicht vermitteln. Mehr investieren, als die vorgesehenen 240.000 Euro wollen sie nicht. Sie kritisierten auch das Wettbewerbsverfahren. "Wenn die Kosten um 300.000 Euro überschritten werden, dann ist die Aufgabe nicht erfüllt", so Stadtrat Dietmar Riedel (Die Linke). Sein Partei-Kollege Uwe Radek ist gar "vom Glauben abgefallen", als er von der Summe hörte. Und Uwe Jährig von der FDP-Fraktion ist der Meinung "Die Baukostengrenze ist doch das Entscheidendste. Wenn sich ein Büro zu den Kosten nicht äußert, dann ist es raus."

Michal Dießner von der Freien Wählergemeinschaft zweifelte gar daran, dass die Verwaltung ihre Arbeit schafft. "Ich habe Angst, dass man sich verzettelt und wir gar nichts richtig fertig bekommen." Schließlich gehe ja jetzt die eigentliche Arbeit erst los, es müssten zum Beispiel Fördermittelanträge gestellt werden. Die Abrissfläche vom Kretscham in Ebersbach nannte er als ein weiteres Beispiel, wo es seit Langem nicht vorwärts gehe. 

In Sachen Spielplatz soll sich die Arbeitsgruppe nun noch einmal treffen, legte Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos) fest. Geklärt werden soll auch, in welcher Größenordnung sich die im Oberland ansässigen Wohnungsunternehmen beteiligen könnten. Denn sie würden schließlich auch von einem attraktiveren Umfeld profitieren. Zudem hielt sie fest: "Wir wollen nicht über den geplanten Kostenrahmen hinausgehen." Wie es nun weitergeht und wann Baustart sein könnte, ist wieder völlig offen. 

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