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Streitfall Rettungsweg

An der Grundschule Langebrück ist ein Klassenzimmer gesperrt. Stadt und Aufsichtsbehörde widersprechen sich.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Görlitz – Immer eine Reise wert

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Langebrück. Zwei neue Klassenzimmer werden an das Gebäude der Langebrücker Grundschule angebaut. Als Container, auf soliden Fundamenten. Damit sind die Platzprobleme an der Einrichtung auf lange Sicht gelöst. Anfang Januar sollten sie in Betrieb gehen. Soweit der Plan. Jetzt wird nur der untere der beiden Räume genutzt. Der obere ist als Klassenzimmer gesperrt. Nach Angaben des Langebrücker Ortsvorstehers Christian Hartmann (CDU) gibt es Probleme mit dem zweiten Rettungsweg. Der ist bei Räumen, in denen sich eine größere Gruppe Menschen aufhält, Vorschrift.

Die Stadt Dresden sieht keine Versäumnisse. Für sie ist der Anbau, so wie er jetzt dasteht, abgeschlossen, ein zweiter Rettungsweg sei nicht notwendig. „Für den Erweiterungsbau und dessen Anbindung an das Bestandsgebäude liegt ein geprüftes Brandschutzkonzept vor. Dieses ist Bestandteil der erteilten Baugenehmigung. Beim Bau erfolgten keine Abweichungen vom geprüften Brandschutzkonzept. Es gibt zwei Flucht- und Rettungswege, die entsprechend des Brandschutzkonzeptes hergestellt wurden“, sagt Anke Hoffmann von der Stadtverwaltung.

Verhärtete Fronten

Die Landesdirektion als Aufsichtsbehörde in Sachen Arbeitsschutz hat da eine ganz andere Meinung. Sie ließ den Raum sperren. „Gegen die Nutzung des Unterrichtsraumes im Obergeschoss des Containerbaus spricht, dass dieser über keinen zweiten baulichen Flucht- und Rettungsweg verfügt“, erklärt dagegen Ingolf Ulrich von der Landesdirektion.

Die Fronten sind offenbar verhärtet. Eine Beratung Mitte Januar brachte keine Einigung. „Das Dresdner Hochbauamt hatte bei dem Termin bauliche Veränderungen zur Sicherstellung des zweiten Fluchtweges vorgeschlagen. Die Entscheidung des Hochbauamtes, welche Variante gewählt werden soll, liegt der Landesdirektion Sachsen bisher nicht vor“, sagt Ulrich. Offenbar wird sie auch keinen derartigen Vorschlag machen. In einem Schreiben am 2. Februar an die SZ verweist sie auf die erteilte Baugenehmigung. „Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens wurde das Brandschutzkonzept von einem öffentlich bestellten Brandschutzprüfer geprüft. Der Sachverständige hat sich explizit zum Rettungsweg geäußert und ihn bestätigt. Uns ist die Reaktion der Landesdirektion unverständlich“, sagt Anke Hoffmann.

Das ficht die Aufsichtsbehörde nicht an. Sie beharrt auf ihrer Position. „Die Landesdirektion erwartet die Entscheidung des Hochbauamtes. Bis zur abschließenden Entscheidung kann der Unterrichtsraum nicht genutzt werden“, sagt Ingolf Ulrich. Wie es in dem Fall weiter geht, ist derzeit völlig offen. Glücklicherweise wird der Raum nicht unbedingt benötigt, sagt Schulleiterin Katrin Lehmann. „Durch den Container am Erdgeschoss haben wir einen zusätzlichen Raum. Damit können wir jeder Klasse ein Klassenzimmer bereitstellen. Das reicht zurzeit.“ Ärgerlich ist es trotzdem, ein neues Klassenzimmer, vor dem ein „Verbotsschild“ steht.

Mehrfache Verzögerungen

Bei dem Anbau an die Langebrücker Grundschule gab es mehrfach Verzögerungen. Er sollte schon zu Beginn des Schuljahres im August stehen. Doch es fand sich kein Anbieter, der die Container in der geforderten Zeit aufstellen konnte. Dann musste das Projekt neu ausgeschrieben werden. Der zunächst angepeilte Termin im Oktober verschob sich bis in den Dezember hinein. Mit Unterrichtsbeginn am 3. Januar ging dann das untere Klassenzimmer in Betrieb.  In der Langebrücker Grundschule herrschte lange drückende Enge. In den zurückliegenden Jahren hatte die Zahl der Schüler meist über den Prognosen gelegen. Gänge und Klassenräume mussten als Materiallager dienen, wegen der Überbelegung herrschte oft starker Lärm auf den Gängen. Mit dem zusätzlichen Klassenzimmer ist das Problem zumindest teilweise behoben.