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Stress am Autobahnzubringer Rammenau

Seitdem Bischofswerdas Ortsumfahrung fertig ist, fahren deutlich mehr durchs Dorf. Eine Belastung für die Anwohner.

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Von Ingolf Reinsch und Gabriele Nass

Rammenau an einem ganz normalen Nachmittag: Wer am Hofladen Menzel über die Straße möchte, hat es schwer. Immer wieder kommen Autos, im Berufsverkehr fahren sie fast Stoßstange an Stoßstange, und mancher Kraftfahrer ist deutlich schneller als mit den erlaubten 50 Kilometern pro Stunde unterwegs. Also brauchen Fußgänger viel Geduld und Anwohner am Neuen Anbau viel Verständnis.

Der Verkehr habe deutlich zugenommen, seitdem die Bischofswerdaer Umgehungsstraße fertig ist, sagen sie. Das ist von den Verkehrsplanern sogar so gewollt. Denn Bischofswerdas Ortsumfahrung ist ein wichtiger Zubringer zur A 4. Ein Großteil des Verkehrs aus dem Raum Neustadt/Sebnitz und aus dem Oberland wird auf diesem Weg zur Autobahn-Anschlussstelle Burkau geleitet. Allerdings endet die neue Straße wenige Meter vor Rammenau. Weiter geht es auf der bisherigen Straße mitten durch den Ort. Anwohner beschweren sich über Abgase, Lärm und zum Teil rücksichtslose Kraftfahrer. Den zuständigen Behörden sind die Sorgen bekannt. Doch Lösungen gibt es bisher nicht. Die SZ fasst zusammen, wo die Knackpunkte liegen und welche Chancen es gibt, die Situation zumindest zu entspannen.

Problem 1: Die Straße ist dem Verkehr

nicht mehr gewachsen

Das ist unbestritten, auch bei den Behörden. Deshalb gibt es Ausbaupläne, die die Straße im Ort sicherer machen sollen. Geplant sind eine neue Fahrbahn, ein Fußweg, Busbuchten, eine Verkehrsinsel an der Zufahrt aus Richtung Geißmannsdorf, die Kraftfahrer zum Bremsen zwingt, sowie – ebenfalls ein Mittel, um die Geschwindigkeit zu drosseln – ein Kreisverkehr an jener Stelle, wo sich die Straßen zur Autobahn und ins Dorf trennen. In Rammenau kursierenden Informationen, wodurch der Baugrund für einen Kreisverkehr ungeeignet sei, tritt Andreas Biesold vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr entgegen: Für den Bau eines „Kreisels“ gebe es aus Sicht des Amtes keine Probleme, sagte er auf Anfrage der SZ.

Trotzdem ist mit einem baldigen Baubeginn nicht zu rechnen. Die Baupläne liegen der Landesdirektion in Dresden zwar bereits seit Ende 2011 vor. Bei der Eingangsprüfung im Oktober 2012 (!) stellte die Behörde fest, dass Unterlagen nachgebessert werden müssen. Das soll nun bis Mai geschehen. Die Landesdirektion ist für das Planfeststellungsverfahren zuständig, in dessen Ergebnis Baurecht geschaffen werden soll. Damit sei „bei einem günstigen Verlauf“ Ende 2013 oder Anfang 2014 zu rechnen, sagte Behördensprecher Dr. Holm Felber auf Anfrage. Ob es dann wirklich Baurecht gibt, ist offen. Denn es bestehe auch die Möglichkeit, gegen den Planfeststellungsbeschluss zu klagen, so der Sprecher. Dabei wird über die zweite Hürde für den Straßenbau noch gar nicht geredet: die Finanzierung durch den Bund.

Problem 2: Im Ort wird

gerast

Nicht jeder, der von der Autobahn oder der Ortsumfahrung kommt, hält sich an das Tempolimit von 50 km/h. Anwohner drängen deshalb auf Geschwindigkeitsmessungen. „Das Einfachste wäre, den Blitzer von Geißmannsdorf nach Rammenau umzusetzen. Denn durch Geißmannsdorf fahren jetzt bedeutend weniger Autos“, sagt zum Beispiel Ines Talke.

Was aus Anwohnersicht auf der Hand liegt, ist aus Ämtersicht ein Problem. Laut dem zuständigen Landratsamt wären mehr als 30 000 Euro erforderlich, um den Blitzer umzusetzen. Teuerster Posten mit 10 000 bis 15 000 Euro wäre der Einbau der Sensoren in die Fahrbahn. Hinzu kommen Kosten für die Stromversorgung, den Bau des Mastes und den Rückbau in Geißmannsdorf. Der Blitzer dort sei nicht überflüssig, heißt es aus dem Landratsamt. Denn auch in Geißmannsdorf gebe es immer wieder Geschwindigkeitsverstöße. Zudem entspreche der Straßenbelag in Rammenau „nicht den eichrechtlichen Vorschriften“, begründet das Landratsamt seine Ablehnung.

Problem 3: Mehr Verkehr verursacht Lärm, Abgase und Feinstaub

Den Rammenauern am Neuen Anbau wäre schon geholfen, wenn die Geschwindigkeit in diesem Teil des Ortes von 50 auf 30 km/h herabgesetzt würde. Es würde, vor allem an den Bushaltestellen, der Verkehrssicherheit dienen und Umweltbelastungen reduzieren. Rammenauer Gemeinderäte haben diesen Vorschlag unterbreitet. Bischofswerdas Ordnungsamt, in dieser Frage zuständig, prüfte vor Ort – und lehnte ab. Mit einer fragwürdigen Begründung: Aufgrund der hohen Verkehrsdichte im Ort würden Autofahrer ohnehin langsam fahren, heißt es. Auf ein Wort