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Stress an der roten Ampel

Fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht wird einem Radebeuler vorgeworfen. Doch der sieht sich als Opfer.

Nach einem Überholmanöver treffen sich die Autofahrer an einer roten Ampel wieder. Was danach passierte, darüber gibt es völlig unterschiedliche Aussagen.
Nach einem Überholmanöver treffen sich die Autofahrer an einer roten Ampel wieder. Was danach passierte, darüber gibt es völlig unterschiedliche Aussagen. © Foto: fotalia

Meißen. Der 68-jährige Radebeuler, der da auf der Anklagebank des Meißner Amtsgerichtes sitzt, war mal Handelsvertreter. Rund 80.000 Kilometer hat er dabei Jahr für Jahr mit dem Auto zurückgelegt. Unfallfrei und ohne Eintrag in der berühmt-berüchtigten Flensburger Verkehrssünderkartei. Doch was ihm diesmal vorgeworfen wird, kann ihn nicht nur zwei Punkte, sondern im schlimmsten Fall auch den Führerschein kosten. 

Fahrlässige Körperverletzung und unerlaubtes Verlassen des Unfallortes, landläufig Unfallflucht genannt, wird ihm vorgeworfen. Was ist passiert an jenem Mai-Tag vor zwei Jahren? Laut Anklage soll der Rentner auf einem Parkplatz in Coswig mit seinem Auto mit dem Unterarm eines Passanten kollidiert sein.

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 Der junge Mann soll sich Hautabschürfungen zugezogen und Schmerzen in der Schulter gehabt haben. Statt sich um den Verletzten zu kümmern, soll der Radebeuler einfach weitergefahren sein.

Das Interesse der Justiz an diesem Fall hält sich offenbar in engen Grenzen. Das zeigt sich einerseits an der Tatsache, dass der Vorfall nun schon mehr als zwei Jahr zurückliegt und andererseits, dass das Strafmaß im Strafbefehl, den der Radebeuler erhielt, mit 20 Tagessätzen Geldstrafe am untersten Rand liegt. Auch eine Führerscheinmaßnahme wurde nicht angeordnet.

Dennoch geht der Mann in Einspruch, so dass nun vor Gericht verhandelt wird. Dabei stellt der Radebeuler die Sache völlig anders dar. Der junge Mann habe zunächst versucht, mit überhöhter Geschwindigkeit an ihm vorbeizufahren. Das sei aber nicht gelungen, weil die Straße zu eng war. 

Kurz danach habe er erneut zum Überholen angesetzt, das sei ihm diesmal auch geglückt. An einer roten Ampel treffen sich die beiden wieder. Der junge Mann, der sich in der Abbiegespur eingeordnet hatte, habe die Scheibe heruntergelassen und ihn beschimpft, weil er ihn angeblich nicht habe überholen lassen. Als die Ampel auf Grün schaltete, sei der Mann nicht wie vorgesehen abgebogen, sondern hinter ihm her gefahren. 

"Der wollte auf mich losgehen"

An der nächsten roten Ampel sei dieser sehr schnell ausgestiegen, habe aus dem Kofferraum einen Stahlschläger herausgeholt und habe auf ihn losgehen wollen. Da schaltete die Ampel auf Grün, der Radebeuler konnte entkommen. „Ich hatte Angst, bin auf den Parkplatz des Polizeirevieres gefahren. Dort wollte der Mann wieder mit dem Eisenschläger auf mich losgehen. Als ich weg fuhr, sah ich im Rückspiegel, dass er stolperte“, so der Angeklagte. Er hat den anderen Mann im gleichen Zusammenhang wegen Beleidigung angezeigt. Das Verfahren wurde wegen fehlendem hinreichenden Tatverdacht eingestellt. Dessen Verteidiger kennt den vorgeblich Geschädigten sehr gut. „Mit so etwas muss man Gerichte nicht beschäftigen. Ich hatte gehofft, dass die Sache anders bereinigt wird, beispielsweise durch einen Täter-Opfer-Ausgleich“, sagt er.

Die Roten Nasen können sich freuen

Das Interesse der Justiz an dem Verfahren ist offensichtlich nicht gewachsen. Jedenfalls werden weder der junge Mann noch zwei weitere Zeugen gehört. „Wir sind uns sicher einig, dass das Gespräch nicht so gelaufen ist, wie es dargestellt wurde“, sagt die Staatsanwältin und will den Angeklagten nicht ganz trocken durch den Regen kommen lassen. Sie regt an, das Verfahren wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage von 300 Euro vorläufig einzustellen. 

So kommt es auch. Zahlt er die Geldauflage, wird das Verfahren endgültig eingestellt. Das Geld kommt einem gemeinnützigen Verein zugute. Den Roten Nasen. Das ist ein Verein, der krebskranken Kindern ein Lachen schenkt, aber auch Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen Zuwendung gibt.

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