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Striegistalradweg bleibt noch 2014 eine Sackgasse

Zwar beginnen Vermessungen für den Weiterbau. Über das Wann und Wie jedoch sagen diese Arbeiten nichts aus.

Von Heike Stumpf

Das herrlich warme Herbstwetter in der vergangenen Woche kam für passionierte Radfahrer gerade recht. Viele setzten sich noch einmal auf den Drahtesel. Denn lange macht das Radeln angesichts bevorstehender Herbststürme keinen Spaß mehr. Der war in der zu Ende gehenden Radfahrsaison ohnehin begrenzt – zumindest für jene, die gern ausgebaute Radwege nutzen, um von Straßen wegzukommen. Viele Wege an der Mulde sind nach dem Hochwasser nur eingeschränkt zu befahren, manche immer noch nur halbfertig. Der Striegistalradweg, der auf der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Hainichen und Roßwein entstehen soll, ist ein Beispiel dafür. Nur ganz langsam bewegt sich dort etwas – für Befürworter viel zu langsam. Ab nächster Woche werden in einem weiteren Teilstück Vermesser in ihren häufig orangefarbenen Warnwesten zu sehen sein. Viel zu sagen hat das aber noch nicht.

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„Durch diese Vorarbeiten wird nicht über die Ausführung des geplanten Radweges entschieden“, teilt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr im selben Atemzug mit dem Hinweis auf die Vermessungen mit. „Die Vermessungsarbeiten bilden die Grundlage für die zu überarbeitende Planung“, erklärt Isabel Siebert vom Landesamt daraufhin.

Dass diese Überarbeitung nötig ist, hat das laufende Planfeststellungsverfahren gezeigt. Wie bei solchen Verfahren üblich, durften sich Bürger sowie die Vertreter von Vereinen, Verbänden und Behörden die Unterlagen anschauen und dazu ihre Meinung äußern. Einwände kamen von der Naturschutzbehörde des Landratsamtes Mittelsachsen, dem Verein sächsischer Ornithologen sowie den Natur- und Umweltverbänden Nabu, BUND und Grüne Liga. Diese Hinweise haben gezeigt, dass die bis dahin vorliegenden Unterlagen mangelhaft sind und nicht ausreichen, um Baurecht herzustellen.

Daher hat das Landesamt umweltrelevante Nachuntersuchungen unter anderem zum Artenschutz in Auftrag gegeben. Dass diese sich hinziehen, begründet Isabel Siebert auch damit, dass wenigstens ein Jahreszyklus zu betrachten ist. Ende 2013 sollen Ergebnisse vorliegen. „Deshalb gibt es zum Verfahren insgesamt auch noch keinen neuen Sachstand“, so die Sprecherin der Straßenbaubehörde.

Vor allem diejenigen, die gern auf der ehemaligen Bahntrasse radeln wollen, können den großen Rummel nicht verstehen. Mit mehreren größeren Aktionen machte zum Beispiel die Initiative Striegistalradweg auf ihrer Meinung nach viele zu große bürokratische Hürden aufmerksam. Für die Mitglieder und auch manche Außenstehende war und ist unverständlich, wieso Radfahrer der Natur mehr Schaden zufügen könnten als Züge und Fahrgäste, die bis April 1998 auf dieser Strecke unterwegs gewesen sind. Immerhin sind deutschlandweit eine Reihe stillgelegter Bahntrassen zu Radwegen umfunktioniert worden – häufig ohne derart lange Vorbereitungen.

Den erhöhten Aufwand begründet Florian Schäfer, der Sprecher des sächsischen Wirtschaftsministeriums, mit der Lage des Striegistalradweges. Der soll durch das Landschaftsschutzgebiet Striegistäler, das Schutzgebiet Striegistäler und Aschbachtal sowie das europäische Vogelschutzgebiet Täler in Mittelsachsen führen. „Das stellt im Vergleich zu anderen Bahntrassen schon eine Besonderheit dar“, begründet Schäfer den erhöhten Aufwand für den Weg zwischen Hainichen und Roßwein.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr strebt an, im nächsten Jahr die Planfeststellung für den ersten Teil des zweiten Radweg-Bauabschnittes zu beantragen. Dann gehen die Pläne wieder durch alle Gremien und die Bürgerbeteiligung. Ein Baubeginn 2014 dürfte damit unwahrscheinlich sein. Also bleibt der Striegistalradweg noch mindestens ein, vielleicht sogar zwei Jahre unvollendet, eine Sackgasse.