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Strippenzieher mit Ausdauer

Siegfried Schneider ist seit über 40 Jahren kommunalpolitisch in Wahnsdorf aktiv, davon 30 Jahre als Ortschaftsratsvorsitzender.

Siegfried Schneider ist ein Wahnsdorfer Urgestein. Mit dem Erarbeiten einer Gestaltungsrichtlinie oder der Sanierung des Dorfteichs half er als Ortschaftsratsvorsitzender mit, den historischen Ortskern zu erhalten und zu bewahren.
Siegfried Schneider ist ein Wahnsdorfer Urgestein. Mit dem Erarbeiten einer Gestaltungsrichtlinie oder der Sanierung des Dorfteichs half er als Ortschaftsratsvorsitzender mit, den historischen Ortskern zu erhalten und zu bewahren. © Norbert Millauer

Er war 1990 der erste Ortschaftsratsvorsitzende in Sachsen und ist heute der wohl dienstälteste: Siegfried Schneider aus Wahnsdorf. Seit 30 Jahren übt er das Ehrenamt in Radebeuls Oberdorf aus. „Ich war nie amtsmüde, wollte nie aufgeben“, sagt der 79-Jährige, „ weil immer Erfolge da waren“.

1941 erblickte Schneider im elterlichen Wohnhaus das Licht der Welt, wo er immer noch wohnt - mit einem atemberaubenden Blick über Radebeul und das Elbtal direkt an der Hangkante. Das Engagement für seinen Heimatort begann nicht erst in den Wendejahren. Schon zu DDR-Zeiten war der studierte Diplomphysiker im Wohnbezirksausschuss der Nationalen Front aktiv. 

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Seit Ende der 1970er Jahre nahm er als Parteiloser an dessen Gremiensitzungen teil. Grund: „Die Wasserproblematik verschärfte sich immer mehr“, erinnert er sich. Sobald es im Sommer warm und trocken war, konnte die Versorgung der Wahnsdorfer mit dem lebensnotwendigen Nass nur über Trinkwasserwagen sichergestellt werden. Mit Eimern standen sie an, um ihre Ration abzuholen. „Das war ein unhaltbarer Zustand“, fand Schneider.

Der Grund war ein viel zu kleiner Hochbehälter, also musste ein größerer her, desen Bau Schneider maßgeblich erkämpfte. Immer wieder sprach der das Problem im Wohnbezirksausschuss an, schrieb sogar Eingaben an den damaligen SED- und DDR-Chef Erich Honecker.

 Kurz vorm Fall der Mauer, im zweiten Quartal 1989, zeigte sein Einsatz Erfolg. Ein Hochbehälter ging in Betrieb, der zunächst mit Wasser aus dem Elbtal gespeist wurde. „Man schmeckte das Elbwasser“, erinnert sich Schneider, wegen des hohen Nitratgehalts. Heute erfolgt die Einspeisung aus Radeburg.

„Man konnte im Sozialismus was bewirken, wenn man sachlich blieb, sein Anliegen konsequent verfolgte und dieses ohne Polemik vertrat“, sagt Schneider. Auf diese Weise brachte er auch das Westfernsehen auf die Höhenlage durch Gründung einer Antennengemeinschaft 1988, wodurch schließlich nach Bau der entsprechenden Anlage ab November 1990 die Sender ARD, ZDF und Co. im Pantoffelkino störungsfrei flimmern konnten. 

Die Antennengemeinschaft existiert noch heute. Seine Herangehensweise an die Lösung von Problemen und den damit verbundenen Ergebnissen, ist wohl der Grund, warum die Wahnsdorfer Schneider im Mai 1990 zum Ortschaftsratsvorsitzenden gewählt haben und seither sechs Mal im Amt bestätigten.

Ein Problem sachlich und konsequent ohne Polemik angehen - dieser Maxime ist Schneider sich immer treu geblieben. Er ist kein Mann der lauten Worte, sondern sucht das persönliche Gespräch. 

So geht er auf die Bürgermeister oder Sachbereichsleiter in der Stadtverwaltung zu. „Ich handle mit ihnen direkt aus, wenn ich was erreichen will oder es ein Problem zu lösen gilt“, sagt der Strippenzieher des über 1.000 Einwohner zählenden Ortsteils. Dass dafür auch Beharrlichkeit vonnöten ist, beweist Schneider bis heute.

Mit seiner persönlichen Art und Herangehensweise erreichte er, dass die Kindertagesstätte erhalten blieb und statt Schließung ihres damaligen baufälligen Domizils in die Alte Schule umziehen konnte.

 Aus dem einstigen Schulgebäude wurde das Ortschaftsratszentrum, wo nicht nur die Ortschaftsräte tagen, sondern Vereine sich treffen, Kinder und Senioren Sport treiben und vieles mehr. Das Gebäude an der Schulstraße bildet den gesellschaftlichen Mittelpunkt der Ortschaft, und dass das so ist, daran hat Schneider einen maßgeblichen Anteil. 

Dass Wahnsdorf an die zentrale Kanalisation angeschlossen ist, Trinkwasserleitungen neu verlegt sind und etliche Straßen grundhaft instand gesetzt wurden, zählt ebenso zu seinen Verdiensten, wie die Sanierung des Dorfteichs oder der durchgehende Gehweg innerorts entlang der Boxdorfer Straße. 

Am 23. Mai 2016 war Schneider zu einem Empfang für verdienstvolle Ehrenamtler und Vertreter gelebter Demokratie beim damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck ins Schloss Bellevue nach Berlin geladen. Das müsse man nicht erwähnen, meint Schneider - ein Zeugnis seiner Bescheidenheit.

Trotz vieler Erfolge gibt es noch Probleme, die auf eine Lösung warten: wie den Bismarckturm verkehrlich zu erschließen und Parkplätze dort zu schaffen, einen durchgehenden Fuß- und Radweg bis Boxdorf zu bauen oder den holprigen Pflastersteinabschnitt in Altwahnsdorf durch eine ordentliche Asphaltdecke zu ersetzen.

 Die kommenden vier Jahren will Schneider für diese und weitere Ziele streiten, dann endet die jetzige Legislaturperiode. „Es ist meine letzte“, kündigt er an und dankt der Stadtverwaltung und dem Stadtrat dafür, dass sie immer ein offenes Ohr haben, sowie seiner Frau und seinem Sohn. „Sie haben mir immer den Rücken für meine Tätigkeit freigehalten“, so Schneider.

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