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Riesa

Strom voller Geschichten

Nach etlichen Teilen geht die Serie der Elbgeschichten zu Ende – dabei gäbe es noch unendlich viel zu erzählen.

Die Elbe als künstlerisches Motiv – davon zeugt dieser Wandteller aus dem Museum der Porzellan-Manufaktur.
Die Elbe als künstlerisches Motiv – davon zeugt dieser Wandteller aus dem Museum der Porzellan-Manufaktur. ©  Claudia Hübschmann

Unter der Überschrift „Lange Leitung“ ist am 26. Mai 2018 der erste Teil der „Serie Elbgeschichten – leben mit dem Fluss“ erschienen. Damals ging es um die Entschlammung des Meißner Hafens mittels einer einen Kilometer langen Über- und Unterwasserleitung. Heute, ein gutes Jahr später, erscheint der letzte Teil der Serie. Er soll noch einmal das Erschienene Revue passieren lassen und einige Themen nennen die noch reizvoll gewesen wären.

Aber wie, sagt man so schön: Irgendwann ist die Luft raus - etwas Neues muss her. Das sei hiermit für den Spätsommer versprochen: Im wunderschönen historischen Lesesaal der Meißner Stadtbibliothek gibt es einen alten Wandschrank. Der ist voll mit Regionalia, also mit Büchern zur Geschichte Meißens, des Elblandes wie des ganzen Landes. Dort auf Entdeckungstour zu gehen, wird Inhalt einer neuen Serie sein.

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Dampfschifffahrt: Die Dampfer der Weißen Flotte fahren – bei genug Wasser – bis Diesbar-Seußlitz. Dort bekam der Dampfer „Diesbar“ im Mai ein Wappen der Gemeinde angebracht. 
Dampfschifffahrt: Die Dampfer der Weißen Flotte fahren – bei genug Wasser – bis Diesbar-Seußlitz. Dort bekam der Dampfer „Diesbar“ im Mai ein Wappen der Gemeinde angebracht.  © Sebastian Schultz

Was die Elbgeschichten betrifft, so war es ein bisschen wie im Märchen vom süßen Brei. Einmal angefangen, quollen immer mehr und neue Themen aus den Büchern, Katalogen und dem Internet. Dass der Fluss – eigentlich sollte man seiner Bedeutung entsprechend doch eher vom Strom sprechen – mit der industriellen Revolution nach 1760 buchstäblich eingehegt worden ist, hätte man sich noch denken können. Doch das die Dampfer der Weißen Flotte während des Zweiten Weltkrieges mit Tarnanstrich fuhren und die „Leipzig“ sogar am Ufer lag – wer hätte das gewusst. 

Auch dass die Elbe in früheren Jahrhunderten gelb aussah, weil noch viel mehr Boden von den Feldern in den Strom geschwemmt wurde, dürften nur Spezialisten gewusst haben. Ebenso, dass es einmal so viele Eintagsfliegen gab, dass sie mit offenen Feuern getötet und als Vogelfutter verpackt nach Berlin geschickt wurden.

Trockenheit: 2018 war die Elbe im Raum Riesa mehr als trocken – so wie auf dem Foto gegenüber der Riesaer Hafenzufahrt. Bei Strehla tauchten die Hungersteine auf.
Trockenheit: 2018 war die Elbe im Raum Riesa mehr als trocken – so wie auf dem Foto gegenüber der Riesaer Hafenzufahrt. Bei Strehla tauchten die Hungersteine auf. © Sebastian Schultz

Dass die Elbe ihre existenzielle Bedeutung für die Menschen an ihren Ufern verloren hat – von den großen Hochwassern 2002 und 2013 einmal abgesehen – konnte man in der Serie nachvollziehen. Die Fischerei kam mit der zunehmenden Verschmutzung des Stromes zum Erliegen, ebenso die Holzflößerei und die Steinschifffahrt. Was letztgenannte betrifft, so wäre die Residenzstadt Dresden ohne die Werksteine aus dem Elbsandsteingebirge ebenso wenig denkbar wie große Teile des Hamburger Hafens und der Schutzmauer um die Insel Helgoland ohne den Zadeler Granit.

Heute kurios Anmutendes wie die schwimmenden Kirchen, um die recht gottlosen Elbeschiffer zu bekehren oder die Tatsache, dass die Elbeschiffer große Schwierigkeiten hatten, Trinkwasser zu organisieren, gehören ebenso zur Geschichte der Elbe wie der Fakt, dass sie Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen ist. Die riesigen Störe, die einst im Strom zogen, sind unwiederbringlich Vergangenheit, die Elbebiber hingegen sind wieder da. Nie verschwunden ist das sogenannte Makrozoobenthos – alle am Boden der Elbe lebenden Kleinlebenwesen bis zu einer Größe, dass man sie gerade noch mit dem bloßen Auge sehen kann.

Wasserbau: Regelmäßig muss die Fahrrinne der Elbe ausgebaggert werden, damit die Fracht- und Passagierschifffahrt möglich bleibt.
Wasserbau: Regelmäßig muss die Fahrrinne der Elbe ausgebaggert werden, damit die Fracht- und Passagierschifffahrt möglich bleibt. ©  Claudia Hübschmann

Wie das Pumpwerk neben der Meißner Eisenbahnbrücke funktioniert hat, was die Schiffsmodelle in der Karpfenschänke erzählen und was die überall zu findenden Hochwassermarken – das wären Themen, über die es sich zu schreiben gelohnt hätte. Bestimmt werden sie noch kommen – so wie die Elbe auch künftig ihren festen Platz in der SZ haben wird.

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