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Stromnetz wird modernisiert

Der Energieversorger Enso ersetzt zwischen Streumen und Görzig DDR-Strommasten – und peppt die Nachfolger auf.

Vier Mann, vier Ecken: Die Mitarbeiter der Firma C-Team bereiten sich auf die Montage des Mittelstücks für einen der letzten neuen Strommasten zwischen Görzig und Streumen vor. Die Metallkonstruktion ist verschraubt – und soll 100 Jahre halten.
Vier Mann, vier Ecken: Die Mitarbeiter der Firma C-Team bereiten sich auf die Montage des Mittelstücks für einen der letzten neuen Strommasten zwischen Görzig und Streumen vor. Die Metallkonstruktion ist verschraubt – und soll 100 Jahre halten. © Sebastian Schultz

Wülknitz. Es ist vollbracht – fast jedenfalls. Bis auf die letzten beiden sind alle 16 Altmasten der 110-Kilovolt-Leitung zwischen Görzig und Streumen ersetzt. Deshalb ist die Montage am Montagnachmittag auch noch in vollem Gang: Ein Mobilkran hievt auf dem Feld nahe Koselitz das vorletzte Mittelstück in die Höhe.

Auf den letzten Zentimetern bugsieren die Freileitungsmonteure einer Fachfirma das Metallgerippe an die richtige Stelle und verschrauben es fest mit dem Bodenstück. Später kommt die Mastspitze obendrauf. Dann ist knapp 30 Meter hohe Leitungsträger quasi fertig.

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
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Seit Juli hat der Energieversorger Enso zwischen Görzig und Streumen die 1964 errichteten Altmasten ersetzt. Eigentlich sollte auf dem knapp fünf Kilometer langen Abschnitt alles ein bisschen schneller vorangehen. Die letzten drei von insgesamt 14 neuen Masten konnten erst jetzt aufgestellt werden. 

Bis vor Kurzem hatte der geschützte Fischadler in einem Nest auf an der Spitze eines Altmasts gebrütet und ein Junges großgezogen. Um den Horst gab es deshalb eine Bannmeile. Seit Mitte August sind die Adler ausgeflogen – und der Bau konnte weitergehen.

Dabei werden nicht nur die Masten ersetzt. Auch die Seile, die den Strom transportieren, werden erneuert. Vor allem mechanischer Verschleiß setzt den Leitungen zu, sagt Dr. Carsten Protze, der bei der Firma Enso für das Hochspannungsnetz zuständig ist. In luftiger Höhe versetzt der Wind die Aluminiumseile, die mit einem Stahlkern versehen sind, in Schwingung. Das Metall arbeitet dann gegeneinander und nutzt sich mit der Zeit ab. 

Links das alte Freileitungsseil, rechts das neue – mit mehr Durchmesser.
Links das alte Freileitungsseil, rechts das neue – mit mehr Durchmesser. © Sebastian Schultz

Hinzu kommt Korrosion. Aber auch Blitzschläge können den Leitungen zusetzen. Zwar lassen sich einige Schäden reparieren. Doch nach etwa 50 Jahren müssen die Seile gewechselt werden. – Das passiert demnächst zwischen Görzig und dem Umspannwerk Streumen. Die neuen Seile werden stärker sein: 22 statt 17 Millimeter. Das soll mehr Stromdurchfluss erlauben. Die Enso will sich damit für künftige Entwicklungen wappnen, sei es durch Elektromobilität oder erneuerbare Energien. Aber auch für mögliche neue Industrieansiedlungen.

Stromfluss in beide Richtungen

Einen energiehungrigen Abnehmer gibt es an der Leitung schon: Wacker Chemie in Nünchritz. Während des Mastenbaus kommt der Strom für das Werk ersatzweise über eine Leitung aus Niederwartha. Dass bei Streumen gebaut werde, davon würden weder Wacker noch andere Abnehmer etwas mitbekommen. „Wenn sie nicht merken, was wir hier tun, dann ist alles in Ordnung“, sagt Carsten Protze.

Dem Elektroingenieur zufolge dauert die Vorbereitung eines Projektes etwa vier bis fünf Jahre, gebaut werde ein Jahr. Insgesamt umfasst das Enso-Stromnetz zwischen Altenberg und Zeithain, Oybin, und Rietschen 20.000 Kilometer, 1.500 davon sind 110-Kilovolt-Hochspannungsleitungen. – Strom soll auf den erneuerten knapp fünf Kilometern zwischen Görzig und Streumen voraussichtlich wieder ab nächstem Monat fließen. 

Eine Nisthilfe für Fischadler war bis vor Kurzem auf einem Mast bewohnt.
Eine Nisthilfe für Fischadler war bis vor Kurzem auf einem Mast bewohnt. © Sebastian Schultz

Die Fließrichtung sei dabei nicht mehr eindeutig wie früher, als der Strom immer zu den Abnehmern ging, sagt Carsten Protze. „Heute kann das, zum Beispiel wegen der Windkraftanlagen, auch mal in die andere Richtung laufen.“ Bis zur Freischaltung Anfang Oktober müssen aber noch die neuen Seile gezogen werden. Losgehen soll es noch diese Woche.

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Einen Schlusspunkt unter das Bauprojekt soll nächstes Jahr das Anbringen des Korrosionsschutzes an die neuen, bereits verzinkten Stahlmasten setzen. Sie noch dieses Jahr zu streichen, ist wegen der hohen Luftfeuchte und niedrigen Temperaturen nicht mehr möglich. Hundert Jahre sollen die neuen, gut zwei Meter tief gegründeten Masten halten. Der Korrosionsschutz muss alle 20 Jahre erneuert werden. Leitungen und Isolatoren sollen 50 Jahre halten. Zwischendurch schaut die Enso unter anderem per Helikopter vorbei, ob alles in Ordnung ist. Auch die Nisthilfen für Fischadler auf den neuen Masten dürften dann wieder in Nutzung sein.

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