SZ +
Merken

Studenten krempeln Wohngebiet um

Wie kann man die Freiflächen am August-Röckel-Ring verschönern? Dazu gibt es jetzt teils radikale Vorschläge.

Teilen
Folgen
© Norbert Millauer

Von Christian Eissner

Zwischen den Einfamilien- und Reihenhäusern in Graupa wirken sie wie Fremdkörper: die DDR-Wohnblocks am August-Röckel-Ring. Erschwerend hinzu kommt, dass ihr Umfeld – zurückhaltend formuliert – in die Jahre gekommen ist. Pirnas städtische Wohnungsgesellschaft WPG als Vermieter sieht Verbesserungspotenzial und hat Studenten der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) beauftragt, sich Gedanken zu machen. Ihre spannenden und unkonventionellen Ideen stellten die angehenden Landschaftsarchitekten auf einer Einwohnerversammlung in Graupa vor – und sorgten für einigen Diskussionsstoff. So schlägt eine der studentischen Projektgruppen vor, ein ganzes Haus mit zwei Eingängen aus der langen Zeile herauszunehmen, die den Röckel-Ring begrenzt. Abriss also, um mehr Luft zu schaffen. Eine andere Gruppe platziert große Wasserbecken auf den Grünflächen, in denen das Regenwasser von Straßen und Hausdächern aufgefangen und später genutzt werden kann – zum Beispiel zum Bewässern von Hausgärten, die die Bewohner anlegen.

Nicht alle Vorschläge waren so radikal, alle versuchten aber, Lösungen für die Probleme im Wohnumfeld zu finden. Die Studenten sollten das sehr urban wirkende Wohngebiet besser in sein ländliches Umfeld integrieren, erläutert Professor Cornelius Scherzer von der HTW. Darüber hinaus ging es darum, den ökologischen Wert des Gebiets zu verbessern und die Freiflächen so zu verändern, dass die Anwohner sie besser nutzen können und daraus ein Miteinander erwächst. Genau in diese Richtung gehen auch die Wünsche der Mieter, wie eine Befragung ergab: den Verkehr aus dem Wohngebiet verbannen, Sitzmöglichkeiten und einen Grillplatz anlegen, das Regenwasser besser nutzen, den derzeit wenig beliebten Spielplatz attraktiver machen, etwas für die Barrierefreiheit tun, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder schaffen.

Besiedlung wird dichter

Das größte Problem sehen die Mieter aber tatsächlich in der zunehmenden Verdichtung ihres Wohnumfelds: Es entstehen immer neue Baugebiete in Graupa, gewohnte Wege werden abgeschnitten, Freiflächen verschwinden. Bald werden die Bewohner des Röckel-Rings das sehr direkt zu spüren bekommen, denn auf der großen Freifläche westlich der Mietshäuser soll ein weiteres Baugebiet entwickelt werden. Die Vorbereitungen dazu laufen schon.

Pirnas Stadtentwicklungs-Chef Steffen Möhrs versprach auf der Präsentationsveranstaltung, die Bedenken ernst zu nehmen. Das Baugebiet werde zwar sicher kommen, die Bebauung aber möglicherweise weniger kompakt geplant. „Wir haben nicht vor, Graupa unendlich zu verdichten“, so Möhrs, „aber wir wollen die vorhandenen Siedlungsräume effektiv nutzen.“ In dem geplanten Wohngebiet am Gärtnerweg sollen nun vorrangig Einfamilienhäuser entstehen, zudem soll das Areal von Grünbändern durchzogen werden, erläuterte Möhrs.

Und was wird mit den Arbeiten der Studenten? Die wandern zunächst einmal ins Archiv der WGP, die in den kommenden Jahren auf einige der Ideen zurückgreifen möchte. Grund, in einer Hau-Ruck-Aktion etwas zu verändern, sieht die WGP nämlich nicht, da sie keine Probleme hat, die Wohnungen zu vermieten. Die Wohnlage ist trotz des Verbesserungspotenzials sehr gefragt, schlicht, weil sie bezahlbaren Wohnraum im begehrten Graupa bietet. Ein Rückbau steht nicht zur Debatte.