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Studentenchor singt im Vogtshof

Auch der Schreyhals, der Spielmann und der Lautenschläger verbergen sich hinter dem elften Adventskalendertürchen.

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Von Ingo Kramer

Nein, Matthias Lietzmann ist weder zu übersehen noch zu überhören. Stimmgewaltig und in rote, historische Gewänder gehüllt, heißt er hunderte Menschen im Studentenwohnheim hinter der Peterskirche willkommen. „Treten Sie ein in des Vogtes Hof“, ruft der als Schreyhals bekannte Stadtführer den Gästen zu.

Drinnen hat ein Teil des insgesamt fast 40-köpfigen Hochschulchores Zittau/Görlitz Position bezogen. Mit dem Lied „Sind die Lichter angezündet“ bringt er weihnachtliche Stimmung in den nasskalten Abend. Dann ist der Schreyhals gemeinsam mit seinen beiden Stadtführerkollegen Volkmar Horn alias Spielmann und Uwe Gebauer alias Lautenschläger dran. Die drei spielen ein Ständchen, und bevor der Studentenchor „Tochter Zion“ anstimmt, berichtet der Schreyhals aus der Geschichte des Hauses.

Zehn Mark Monatsmiete

In den 1960er Jahren, erläutert er, habe es für das Gebäude zwei Optionen gegeben: Den Umbau zum Studentenwohnheim oder zum Altenheim. Weil betagte Menschen aber nicht in einem früheren Zuchthaus unterkommen sollten, fiel die Entscheidung für den ersten Vorschlag. Nach der Fertigstellung Ende der 1970er Jahre lebten hier 500 Studenten in Vier- bis Sechsbettzimmern und zahlten pro Person zehn Mark Monatsmiete.

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert, der Vogtshof gehört seit 1993 zum Studentenwerk Dresden, und fast alle Räume wurden zu Einzelzimmern umgestaltet. Mit 267 Mietern ist es heute voll ausgelastet. Matthias Lietzmann selbst ist seit 1980 hier tätig: zunächst als Heizer und Handwerker, später als Hausmeister. Inzwischen ist er hier gar schon der Dienstälteste.

Am gestrigen Abend aber gab er die Regie später an andere ab. Als die Türchenöffner nämlich in den kleinen Saal am Studentenclub „Maus“ durften, stimmte der Hochschulchor drinnen noch ein paar weitere Lieder an und zwei Mitarbeiterinnen des Studentenwerkes schenkten Glühwein aus – wahlweise mit oder ohne Alkohol.