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Corona-Test: Schon 800 Freiwillige wollen zu Bendzko

Wie können Groß-Events in der Pandemie aussehen? Mit 4000 Menschen soll das in Leipzig getestet werden. Wie die Megastudie ablaufen soll.

Freiwillig zu Tim Bendzko: 4.000 Zuschauer sollen am 22. August beim Test in Leipzig dabei sein.
Freiwillig zu Tim Bendzko: 4.000 Zuschauer sollen am 22. August beim Test in Leipzig dabei sein. © dpa

Dresden/Halle. Volle Stadien und Großkonzerte in Corona-Zeiten sollen wieder möglich sein. Wie das gehen kann, erforschen Wissenschaftler der Universität Halle mit einem Großversuch in der Quarterback-Arena Leipzig. Dies ist dann das erste volle Haus seit Monaten.

Am 22. August finden dort den ganzen Tag Großveranstaltungen statt: Sport und Musik. 4.000 Freiwillige werden derzeit als Testpersonen und Zuschauer gesucht. Binnen weniger Stunden haben sich bereits über 800 angemeldet. Vielleicht auch deshalb, weil als Teil dieses Experiments Tim Bendzko ein Konzert in der Halle gibt; weil Profimannschaften wie die Handballer vom SC DHfK auf die Spielfläche kommen. Alles soll so echt wie möglich stattfinden.

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Die Megastudie Restart-19 untersucht auf wissenschaftlicher Grundlage die Risiken von Großveranstaltungen in Zeiten von Corona. Es wird ein bisher einzigartiges Experiment mit Auswirkungen auf ganz Deutschland. „Die Studie wird beleuchten, was bei Großveranstaltungen geht und was eben nicht geht“, sagt Sachsens Sozialministerin Petra Köpping der SZ. „Für weitere Schritte in Sachsen wird sie eine ganz wichtige Grundlage sein.“ Ich glaube, dass dies ein gut investierter Beitrag in die Sicherheit der Bevölkerung ist. Hygieneauflagen wird es noch für sehr lange Zeit geben.“ Auch deshalb finanziert Sachsen die Hälfte der Studie, immerhin 500.000 Euro aus dem Kulturetat. Die andere Hälfte kommt von Sachsen-Anhalt.

Dr. Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle zeigt die Projektwebseite für Restart-19 und das Contact Tracing Device, einen Ultrabreitband-Tracker.
Dr. Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle zeigt die Projektwebseite für Restart-19 und das Contact Tracing Device, einen Ultrabreitband-Tracker. © Zentrale Fotostelle UKH

„Ich freue mich sehr, dass sich innerhalb kürzester Zeit über 800 Freiwillige für die Studie angemeldet haben“, sagte Kulturministerin Barbara Klepsch am Montag dazu. „Die Teilnehmenden leisten nicht nur einen großen Beitrag für die Wissenschaft, sondern auch für unsere vielfältige Veranstaltungs- und Kulturlandschaft in Sachsen. Von den Ergebnissen der Studie erhoffen wir uns Aussagen, unter welchen Bedingungen Großveranstaltungen in Zeiten von Corona wieder stattfinden können. Die Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche waren die Ersten, dessen Geschäft nahezu vollständig zum Erliegen kommen sind und werden auch die Letzten sein, die zum Normalbetrieb zurückkehren können.“ Großveranstaltungen seien überlebenswichtig für die betroffenen Unternehmen. Die dafür geplante Studie sei einmalig in Deutschland. Die Studie werde nicht allein entscheidend sein für die Zulassung von Großveranstaltungen, kündigt Klepsch aber auch an. Das allgemeine Corona-Geschehen ringsum sei ebenso entscheidend.

Gigantischer Aufwand für die Corona-Studie

„Wir spielen an diesem Tag drei Simulationen durch“, erläutert Projektleiter Stefan Moritz von der Universität Halle. Einmal eine Veranstaltungssituation wie vor der Corona-Pandemie, dann zwei Versuche mit unterschiedlichen Bewegungskonzepten und Teilnehmerzahlen. Der Aufwand für diese Studie ist gigantisch. Jeder Teilnehmer wird zunächst auf Corona getestet. Dann bekommt jeder einen Tracer. Alle fünf Sekunden misst dieses Gerät den Abstand jedes einzelnen zu allen anderen im Umkreis von 30 Metern. Abstand, Dauer und Häufigkeit der Kontakte werden so ermittelt, Stefan Moritz.

Die Daten aller 4.000 Personen kann das System gleichzeitig und kontinuierlich erfassen. Und das nicht erst in der Halle, sondern schon bei der Anreise mit Bus und Bahn, auf dem Parkplatz, auch in der Toilette. Das Desinfektionsmittel wird leuchten, wenn UV-Licht darauf strahlt. So sehen die Wissenschaftler nach der Veranstaltung jene Stellen in der Halle, die am häufigsten angefasst wurden. Luftanalysen finden statt. Wo strömt sie entlang und wie viele Aerosole schweben in der Halle als Viren-Transporter?

Doch schon lange vor dem Mega-Experiment beginnt die Restart-Studie. Mathematiker zerlegen die große Halle in einzelne Kubikzentimeter – theoretisch zumindest. Die Menschenmassen und die Luftströmungen werden so detailliert prognostiziert. Anschließend mit den Messungen verglichen. Gute mathematische Modelle werden es letztlich sein, die die Hygienekonzepte bestimmen und Großveranstaltungen wieder möglich machen.

So berichten wir über die Corona-Krise:

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