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Studie: Pirna eignet sich für den Bau von Atommeilern

Energie. Im Kreis reagiert man noch gelassen. Laut Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) lässt das Atomgesetz derzeit keinen Neubau zu.

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Von Marco Mach

Kein Scherz: Pirna ist ein geeigneter Standort für den Bau eines Atomkraftwerkes. Das schreibt die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf eine von CDU und FDP im Bundestag bereits 2002 in Auftrag gegebene Studie. Danach eignen sich in Deutschland 60 Orte für neue Atommeiler. Im Westen seien das unter anderem Gelsenkirchen-Scholven, Hamburg, Leverkusen, Ludwigshafen, Paderborn, Philippsburg, Regensburg oder Pfaffenhofen, im Osten Fürstenwalde, Greifswald, Rostock, Stendal – und eben Pirna. Als Kriterium gelte bei allen eine gute Verkehrsanbindung zum Brennstäbetransport.

Grüne fragen nach

Pirnas Bürgermeister, Eckhard Lang (CDU), hat den Bericht gelesen, nimmt das Ganze jedoch nach gestriger Aussage nicht so ernst. Er gehe davon aus, sagt er, dass der Atomkonsens der Bundesregierung auch weiterhin gelte. Die große Koalition hat sich darauf verständigt, dass der noch von der rot-grünen Regierung vereinbarte Atomausstieg bis 2020 umgesetzt wird. Mehrere Unions-Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sprechen sich jedoch für eine längere Nutzung der Atomkraft aus. Bei einem Verzicht auf die Kernenergie drohten höhere Strompreise, argumentieren diese.

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) versucht, trotz des Berichtes keine Aufregung aufkommen zu lassen: „Die Ergebnisse der Studie haben derzeit keine Relevanz, da das Atomgesetz in seiner jetzigen Fassung keinen Neubau von Atomkraftwerken gestattet“, antwortete er auf eine mündliche Anfrage aus der grünen Landtagsfraktion. Deren Abgeordnete Astrid Günther-Schmidt wollte wissen, wie die sächsische Staatsregierung die Ergebnisse der Studie und deren Relevanz für die politische Umsetzung bewertet.

Der Chef der Grünen im Landkreis Sächsische Schweiz, Claus Krüger, nimmt die Sache mit dem Pirnaer Atomkraftwerk durchaus ernst, auch wenn die Idee absurd sei und noch kein akuter Handlungs- beziehungsweise Abwehrbedarf bestehe. „Doch mit Worten fängt immer alles an“, so Crüger.

Bürger-Solarkraftwerk kommt

Für ihn sei vor allem interessant, welche „alten Leichen noch aus dem Keller auftauchen“. Er sagt, dass die Elbe zwar gut für die Kühlwasserversorgung wäre, sie mit ihren derzeitigen Hoch- und Niedrigwasser-Schwankungen Pirna jedoch nicht zu so einem geeigneten Standort mache wie dargestellt. Laut Claus Krüger sollte man sich viel mehr darauf konzentrieren, regenerative Energiequellen zu nutzen, wie die Solarenergie. Deshalb arbeitet er gerade daran, in Pirna ein Bürger-Solarkraftwerk aufzubauen (die SZ berichtete). Eine solche Anlage finanzieren – wie der Name sagt – Bürger, die ihr Geld in Kollektoren anlegen.

Nachdem das Dach des Copitzer Berufsschulzentrums doch nicht gehe, scheint nun ein geeigneter Standort dafür gefunden zu sein: das Dach der Pirnaer Feuerwehr an der Clara-Zetkin-Straße. „Wir prüfen gerade dessen Statik“, so der grüne Kreischef. Interessenten für eine Beteiligung gebe es bereits. Wenn alles nach Plan laufe, soll noch in diesem Jahr von Pirna aus die Sonne angezapft werden.