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Studieren in Polen leicht gemacht

Mit ihren Sprachkenntnissen haben Görlitzer Schüler einen großen Vorteil an Polens Unis. Doch zu wenige nutzen ihn.

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Von Susanne Sodan

Ein Bild wie auf einer Abifeier: Schüler und Lehrer in schnieker Garderobe, überall Fotografen in der Aula des Augustum-Annen-Gymnasiums. Ihr Abitur haben die deutschen und polnischen Schüler, die dort gemeinsam lernen, noch nicht in der Tasche. Aber bald – und dann sollen sie problemlos im jeweiligen Ausland, also in Polen oder in Sachsen, studieren können. Dafür sorgt eine neue Vereinbarung zwischen Sachsens und Polens Schulaufsicht, der Städte Görlitz und Zgorzelec, die gestern unterzeichnet wurde.

Der Hauptpunkt dieser Vereinbarung: Der Schulabschluss der deutsch-polnischen Klassen an diesem Görlitzer Gymnasium wird sowohl in Sachsen als auch in Polen anerkannt. An der „Anne“ werden polnische und deutsche Schüler gemeinsam unterrichtet. Bis zur sechsten Klasse lernen sie die jeweilige Fremdsprache in ihrem Heimatland, ab der siebenten Klasse geht es dann in Görlitz gemeinsam weiter. Zur feierlichen Unterzeichnung machte sogar Brunhild Kurth, Sachsens Kultusministerin, einen Abstecher in die Europastadt – deshalb auch all die schicken Anzüge.

Es stellt sich die Frage, ob solch ein Abkommen nötig ist. In den vergangenen Jahren wurde mit Hochschulreformen versucht, das Wechseln von einer europäischen Hochschule zur nächsten zu erleichtern. Im Ausland studieren geht mit Hochschulpartnerschaften und Austauschprogrammen auch so. Viele Unis setzen jedoch auf Eingangstests, bevor sie ausländische Studenten aufnehmen. Zumindest ein Nachweis über die Sprachkenntnisse ist fast immer Voraussetzung.

Und das ist der große Vorteil der Ausbildung an der „Anne“: Die Görlitzer Schüler sind in der polnischen beziehungsweise deutschen Sprache sattelfest. Wollen sie im jeweiligen Ausland studieren, brauchen sie nun keine zusätzlichen Kurse oder Tests mehr absolvieren. Das sei das Markante an der neuen Vereinbarung, erklärte Brunhild Kurth. Außerdem kennen die Schüler deutsche und polnische Kultur, die Lebensweise, Geschichte, das Denken der Nachbarn. Damit können sie auch mit besseren Voraussetzungen ins Auslandsstudium gehen, sagt Béla Bélafi, Direktor der Sächsischen Bildungsagentur.

Wo es nun für Görlitzer Schüler einfacher ist, polnische Unis zu besuchen, müssen sie es nur noch nutzen. „In Paris oder London möchte jeder gerne studieren. Geht es aber um Krakau oder Warschau, gibt es immer noch Barrieren im Kopf“, sagt Bélafi. „Dabei ist es eine große Chance, in Polen zu studieren. Die Unis liegen in der Nähe zu Sachsen und dennoch ist man in einem anderen Land, in dem es viel zu entdecken gibt“. Das neue Abkommen macht diesen Schritt noch einfacher. Auch Augustum-Schulleiter Friedhelm Neumann wünscht sich mehr Mut seiner Schüler. Ein Auslandssemester machen zwar viele, das komplette Studium in Polen zu absolvieren, sei jedoch die Ausnahme. „Dabei ist das gar kein so großes Wagnis.“