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Stürmische Windpark-Eröffnung

Die Mautitzer Windkraftgegner empfinden die Einladung des Betreibers als Hohn. Reagieren werden sie dennoch.

Von Jens Ostrowski

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Seit Monaten kämpfen die Menschen aus Mautitz und Umgebung gegen die neuen Windkrafträder in ihrem Ort an. Dass sie nun vom Betreiber für die offizielle Einweihungsfeier am Mittwoch eingeladen wurden, empfinden sie als Hohn. „Das ist wirklich eine Frechheit“, sagt Dr. Klaus Frensel, einer der Sprecher der Bürgerinitiative „Gegenwind Mautitz“. Denn: „Als ich letzten Montagabend von der Arbeit nach Hause gekommen bin, dachte ich, über uns fliegen Flugzeuge. Aber das waren die Windräder. Die machen einfach einen unwahrscheinlichen Krach.“

Wie berichtet, wurden im Windpark Mautitz die bisherigen fünf 70-Meter-Anlagen gegen vier Windkrafträder ersetzt, die bis zur Rotorspitze 185 Meter hoch sind. Zudem sollen noch sieben weitere entstehen, die fast 200 Meter messen. Die Arbeiten dafür haben bereits begonnen.

Die Kritik der Betroffenen stützt sich laut der Bürgerinitiative auf Gutachten von einigen Experten, die einen Mindestabstand zu solchen Giganten, die jeweils 3,05 Megawatt Strom erzeugen können, zwischen zwei und fünf Kilometern empfehlen. Und auch die letzte Landesregierung mit FDP-Beteiligung hatte eine 10-H-Regelung – also Abstand Windkraftanlage zur Wohnbebauung zehnmal so viel wie die Höhe der Räder – angestrebt, die bei Schwarz-Rot nun aber vom Tisch ist. Wie auch immer: In Mautitz beträgt der Abstand teilweise nur 750 Meter. Die Anwohner befürchteten bereits vor Inbetriebnahme Ruhestörung, Schattenwurf und gesundheitsgefährdenden Infraschall. Zumindest die ersten beiden Befürchtungen haben sich jetzt bewahrheitet, sagen Jürgen und Doris Zieger, die in direkter Nachbarschaft zu dem Windkraftpark wohnen.

Die Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien (VEE) bezweifelt allerdings eine Gesundheitsgefahr. VEE-Ansprechpartner Matthias Gehling verwies im Gespräch mit der SZ darauf, „dass natürlich auch der Lärmschutz bei den neuen Mautitzer Anlagen beachtet worden ist. Sonst wäre der Windpark gar nicht erst genehmigt worden.“

Doch die im Gutachten prognostizierte Lärmbelastung, die knapp unter den Grenzwerten liegt, bezweifelt die Bürgerinitiative – und hat deshalb eine am 28. Oktober beim Landtagspräsidenten eingereichte Petition zur Einhaltung von Mindestabständen für Windkraftanlagen nochmals ergänzt. „Jetzt haben wir unter anderem zusätzlich gefordert, dass ein Gutachten durch das Sächsische Umweltministerium zur Lärmbelastung im Gebiet der Windfarm Mautitz in Auftrag gegeben wird, um die Gesamtlärmbelastung nach Inbetriebnahme der vier Windenergieanlagen an der Messstelle der ersten Messung zu ermitteln“, erklärt Klaus Frensel.

Durch Spendengelder hatte die Bürgerinitiative schon Ende Oktober für rund 3500 Euro – als noch keines der Riesenwindräder lief – in Mautitz eine Grundlärm-Feststellungsmessung von einem anerkannten Büro für Umwelt-Messtechnik durchführen lassen. Die Empfehlung des Gutachters damals: „Zur Wahrung eines gesundheitsverträglichen Wohnumfeldes am Immissionsort Bloßwitzer Straße 4a sollte generell ein Abstand für Windenergieanlagen von 1500 Meter, besser jedoch 2000 Meter eingehalten werden.“

Falls das Umweltministerium eine eigene Messung ablehnt, sagt Frensel, wolle die Bürgerinitiative gezwungenermaßen eine weitere finanzieren. Und sogar eine dritte Messung im Bereich Bloßwitz/Grubnitz sei nötig. Denn für die nächsten sieben Windräder sind bereits die ersten Erdarbeiten angelaufen. Hier hat die Bürgerinitiative bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der dieses Vorhaben per Eilantrag stoppen will. Ein Grund: Schon jetzt seien die vier Giganten auf der Mautitzer Seite auch in Bloßwitz zu hören – in 1,7 Kilometern Entfernung. Die Ergebnisse zweifeln die Betroffenen auch hier an.

Anfang Dezember hatte Frensel einen Brief vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Martin Dulig (SPD) erhalten. Nach den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen hatte der Mautitzer angefragt, wie es sein kann, dass es nun in Sachsen überhaupt keine gesetzlich geregelten Mindestabstände zwischen Wohnhäusern und Windkraftanlagen mehr gibt. Duligs antwortete: „Wir wollen für den weiteren Ausbau der Windkraft ausreichend Flächen durch die Landesplanung bereitstellen, ohne dabei den Schutz und das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger aus dem Auge zu verlieren. Die sogenannte 10-H-Regelung lehnen wir allerdings ab, da sonst in Sachsen keine einzige neue Windkraftanlage mehr gebaut werden könnte. Für die Energiewende in Sachsen wäre dies eine Katastrophe.“

Auch, wenn der Windparkbetreiber letzte Woche der SZ sagte, er wolle mit den Anwohnern ins Gespräch kommen, ist für die meisten offenbar klar: „Wir hängen nur überall unsere Protestplakate ans Grundstück. Feiern wollen wir natürlich nicht“, sagt Anwohnerin Simone Gunkel.

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