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Stundenlang die Maske tragen?

Der Mund-Nasen-Schutz ist umstritten. Und in den kleinen Läden auf den Dörfern zwischen Görlitz und Niesky schwer umsetzbar.

Margit Pohl von der Gärtnerei Fuchs kann die Blumen ihren Kunden nicht durch eine Plexiglasscheibe reichen. Die Maske bleibt zumindest im Verkaufsraum auf. Den ganzen Tag damit herumlaufen, ist allerdings nicht machbar.
Margit Pohl von der Gärtnerei Fuchs kann die Blumen ihren Kunden nicht durch eine Plexiglasscheibe reichen. Die Maske bleibt zumindest im Verkaufsraum auf. Den ganzen Tag damit herumlaufen, ist allerdings nicht machbar. © Constanze Junghanß

Am Tragen von Mund-Nasen-Schutz scheiden sich die Geister. Die einen meinen, dass die Masken einen gewissen Schutz vor einer Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus bieten und gehen so mit den Empfehlungen von Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt konform. Der hatte bereits Ende März an die Bürger appelliert, einfache Schutzmasken zu tragen – auch wenn diese nur ein Hilfskonstrukt seien. Andere machen mittlerweile ihrem Unmut mit Demonstrationen Luft - zum Beispiel an der B96.

Dort waren unter anderem Pappschilder gegen die „Maskenpflicht“ zu sehen. Beim Blick in den Fragenkatalog zum Umgang mit der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung – öffentlich einsehbar auf der Internetseite des Freistaats - wird allerdings schnell klar: Es gibt gar keine allgemeine Maskenpflicht. Ausnahmen sind öffentliche Verkehrsmittel und Ladengeschäfte. In Sachsen droht kein „Maskenknöllchen“, falls die Bedeckung fehlt. Vielmehr heißt es in der Verfügung: „Die Nichteinhaltung ist nicht bußgeldbewehrt.“

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Mit Maske in der Bäckerei - eine Qual

Heike Eichler steht von früh bis abends in ihrer Bäckerei in Königshain. „Aber die Maske die ganzen Stunden über den kompletten Tag tragen, das schaffe ich nicht“, gibt die Unternehmerin zu. Zwischendurch muss schließlich mal Luft geholt werden. Dann baumelt die Maske eben unter dem Kinn. Beschwerden von Kunden gab es deshalb bisher keine, Nachfragen nur selten, wie Heike Eichler sagt. Im Café der Bäckerei dagegen sieht das anders aus. Die Bedienung trägt Mund-Nasenschutz bei jeder Bestellung.

„Wir haben ein Hygienekonzept erstellt, den Abstand von 1,5 Metern halten wir ein“, sagt Eichler. Alles mit zusätzlichem Aufwand verbunden, inklusive Maske. Eine Scheibe schützt Verkäuferinnen wie Kunden gleichsam vor ungewolltem Tröpfchenaustausch. Deshalb müsste Heike Eichler hinter dem Verkaufstresen eigentlich gar keine Maske tragen. Denn laut Freistaat-Information braucht Verkaufspersonal dann keine Maske aufsetzen, wenn Schutzmaßnahmen wie Plexiglasscheiben angebracht sind. Das gilt zumindest für Einzelpersonen.

Beim Verkauf wird das Stoffteil aufgesetzt

Doch nicht jeder kleine Laden hat eine solche Konstruktion am Tresen. Bei der Gärtnerei Fuchs in Döbschütz fehlt sie. Blumenkörbe und Pflanzen passen nicht durch ein kleines Guckloch. Margit Pohl, Inhaberin von der Gärtnerei, braucht auch zwischendurch Zeit zum Verschnaufen. Da immer wieder Ware aus den Gewächshäusern geholt werden muss, bleibt auf diesen Wegen die Maske ab. Beim Verkauf jedoch wird das Stoffteil aufgesetzt. Das finden Kristina und Wolfgang Strauß richtig. Sie sind Kunden der Gärtnerei. Die Markersdorferin sagt: „Wir haben das Gefühl, das Virus ist noch nicht so gut erforscht und so lange das so ist, wollen wir uns und andere auf diese Weise schützen.“

Ganz anders wird das in einer Bäckerei im Reichenbacher Umland gesehen. Da bleibt die Maske gänzlich weg. Auch eine Abtrennung fehlt. Äußern möchte sich die Betreiberin dazu nicht. Bei Richter`s Kaufpunkt in Melaune zieht sich Ilona Richter dagegen den Mundschutz drüber, wenn Kundschaft kommt. „Ich sehe das ganz entspannt. Wenn das hilft, ist das doch gut mit der Maske“, sagt sie. Allerdings seien nicht alle Kunden einsichtig. Einer habe partout seine Maske nicht aufsetzen wollen. „Er ging dann wieder“, erzählt die Ladeninhaberin.

Gesundheitsamt kann gar nicht kontrollieren

Doch wer soll das mit der Gesichtbedeckung in den kleinen Geschäften auf den Dörfern letztendlich kontrollieren? Bei allen von der SZ befragten Läden fanden keine Überprüfungen durch Behörden statt. Kreissprecherin Susanne Lehmann sagt auf Nachfrage, dass das für das Gesundheitsamt gar nicht leistbar sei. Vielmehr ginge es um Eigenverantwortung und „ein stückweit auch um Verantwortung der Kommunen.“ Doch auch da wird nicht kontrolliert. Reichenbachs Bürgermeisterin Carina Dittrich sagt, dass zwar bei den Ausgangsbeschränkungen Ordnungsamt und Polizei Kontrollen durchgeführt hätten. Die Maskenpflicht in den Geschäften zu überprüfen, sei aber nicht passiert. Dafür fehlt zudem das Personal. Beide Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind aktuell im Urlaub.

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„Vielmehr sind die Geschäftsinhaber angehalten, ihren Kunden den Zutritt zu ihren Geschäften nur mit einer Mund-Nasen-Bedeckung zu erlauben.“ So steht das im Fragekatalog der Corona-Schutz-Verordnung. Sie könnten im Falle der Zuwiderhandlung von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, heißt es da weiter und auch, dass das „notfalls mithilfe der Polizei durchgesetzt“ werde.

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