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Stunk um Köhlers Gestank

Anwohner in Tharandt haben vom qualmenden Meiler die Nase voll. Ist die Tradition nun in Gefahr?

Von Verena Weiß

Ihm stinkt’s. Und das gewaltig. Jeden Abend treibt dieser würzig verkohlte Geruch an seinem Haus vorbei. Nach Feierabend draußen sitzen und ein Bierchen trinken? „Geht nicht“, sagt Matthias Naumann. Auch die Fenster bleiben zu, obwohl er nach den heißen Temperaturen dieser Tage lieber frische Luft im Haus hätte. Doch wegen des Meilers sei das unmöglich. „Der Rauch zieht rein“, sagt der Tharandter und rümpft die Nase. Über Pfingsten sei es besonders schlimm gewesen. Seinen Nachbarn geht das ähnlich. „Ich bin nur kurz den Müll rausschaffen gegangen, und meine Sachen haben gestunken wie der Meiler persönlich“, erzählt Kornelia Scheffczyk. „Selbst der Kater stinkt nach Rauch“, bekräftigt ihr Mann Gerhard. Abgesehen vom Gestank wären die Gase auch nicht gesund.

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Seit Ende Mai wabert der Geruch von verbranntem Buchenholz vom Meilerplatz am Breiten Grund hinab ins Badetal – mal mehr, mal weniger. Vor allem den Anwohnern an der Pienner Straße, deren Häuser in Höhe des Meilers stehen, schwirrt der Qualm ins traute Heim. Sie haben die Nase voll. „Wir haben nichts gegen diese Tradition und wollen sie auch nicht verhindern“, sagt Matthias Naumann. Doch so könne es nicht weitergehen. Vor allem an heißen Sommertagen sei der Gestank extrem. Deshalb plädieren die Anwohner dafür, das Meilerzündeln auf eine andere Jahreszeit zu verlegen. „Man könnte es im Herbst zusammen mit dem Stadtfest machen“, schlagen die Tharandter vor.

Schon voriges Jahr habe sich Matthias Naumann wegen des Gestanks an die Tharandter Rathausspitze gewandt, mit der Bitte eine Lösung für die alljährliche Geruchsbelästigung zu finden. „Leider hat sich bis heute nichts geändert“, bedauert er. Deshalb habe er sich nun ans örtliche Gremium gewandt. „Wir werden es auf jeden Fall im Ortschaftsrat diskutieren“, verspricht Milana Müller, sich den Sorgen der Anwohner anzunehmen. „Wir riechen es auch auf der Johannishöhe“, sagt sie, „aber nicht so stark.“ Sie ist zuversichtlich, gemeinsam mit dem Meilerverein eine Lösung zu finden.

Wie diese Lösung aussehen soll, kann sich Michael Richter nicht vorstellen. „Ich wüsste nicht, wie wir den Geruch steuern könnten“, sagt der Vereinsvorsitzende auf SZ-Nachfrage. In welcher Intensität der rauchende Meiler von den Anwohnern zu spüren ist, sei eine Frage der Wetterlage, der Temperaturen und des Windes. Und der treibt in der Regel den Qualm vom Meilerplatz hinab durchs Tal. Daran ändere auch die Jahreszeit nichts. Schon vor Jahren sei die Geruchsbildung rund um den Meiler diskutiert worden. Nach Einwohnerversammlung und einer Emissionsprüfung seitens der Stadt hätte man sich darauf geeinigt, maximal noch 50 Kubikmeter Holz anzuzünden und den Meiler auch nur noch einmal pro Jahr qualmen zu lassen – früher sei es öfter gewesen. Dass es nun wieder Stunk um den Traditions-Gestank gibt, stimmt ihn missmutig. Seit 1976 findet alljährlich in Tharandt das Meilerfest statt, mit dem viele in harter, ehrenamtlicher Arbeit eine Tradition von 1846 bewahren.

Wahrscheinlich sei das Problem dieses Jahr die Hitze. – Anders könne es sich auch Bernd Papperitz nicht erklären. „Wir haben derzeit eine unmögliche Thermik“, erklärt er. Der Qualm wälze sich deshalb durchs Tal. „Da ist Ärger vorprogrammiert“, sagt Papperitz, der als Chef-Köhler Tag und Nacht am qualmenden Meiler wacht. „Rücksicht nehmen wir schon“, sagt er. Nachts werde der Meiler nicht so oft angestochen wie tagsüber. Luft müsse allerdings ran, sonst ersticke der Haufen. Damit aber aus dem Buchenholz hochwertige Holzkohle wird, müsse der Schwelbrand zwei bis drei Wochen aufrecht erhalten werden. Dass der Rauch aber völlig ungesund sei, glaubt er nicht: „Ich mache das seit 34 Jahren“, sagt Bernd Papperitz, „da dürfte ich ja schon nicht mehr leben.“

Für die Tharandter heißt es also vorerst: durchhalten, bis sich der Qualm gelegt hat. Ob sich künftig für sie eine Lösung findet?