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Sturm auf Tharandts Mauern – mit Spachtel und Mörtel

Die ersten Sanierungsarbeiten an der Burgruine haben begonnen. Die Fachleute werden aber bald wieder vertrieben.

Von Susanne Sodan

Man hört es schon auf dem Parkplatz am Markt. Ein Klopfen, Metall auf Stein. Hinauf den Weg zur Burgruine. Kein Ritter mit Schwert, auch kein Steinmetz sorgt für das metallische Klirren, sondern es sind zwei Bauarbeiter, die auf einem Gerüst an der historischen Mauer herumturnen. Die Wand hinter ihnen sieht heller aus als die Mauern links und rechts des eingerüsteten Bereichs. Die Sanierung der Burgruine hat Anfang voriger Woche begonnen.

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Bauunternehmer Uwe Trinitz und Bauleiter Gunter Thieboldt erklären die ersten Schritte: Die gelbliche Originalfarbe, die Struktur der Steine, ist mit einer Reinigung der Mauer wieder erkennbar geworden. „Elbsandstein ist das nicht“, sind sich die beiden sicher. Auch kein Cottaer Sandstein, der passe farblich nicht, sei heller und weise nicht diese klaren Schichten auf. Das Material stammt wahrscheinlich aus dem ehemaligen Steinbruch Niederschöna. Mit seiner Spezialfirma für Bausanierung kam Trinitz zu Beginn der Woche in Tharandt an – um das erste Teilstück, die Nordmauer der Burgruine, zu renovieren. Nun machen sich seine Leute am ersten kleinen Bereich dieses Teilstücks zu schaffen, an den Strebepfeilern der Nordwand.

Die Bauarbeiter kratzen mit einem Spachtel mal hier, mal dort die Fugen aus. Eigentlich schon die Feinarbeit. Das brüchig gewordene Material zwischen den Steinen muss weg, bevor neu verfugt werden kann. Zunächst kam der Stemmhammer zum Einsatz, weiter geht es nun in Handarbeit. Danach müssen die Fugen wieder verschlossen werden. Sogenannten Trasskalkmörtel tragen die Fachkräfte auf, verdichten und formen ihn aus. „Dieser Mörtel sorgt für eine sehr starke Abdichtung. Die Römer haben solches Material bei ihren Viadukten eingesetzt“, erzählt Trinitz. Und das bisschen Mörtel soll die Burgruine wieder auf Jahrzehnte zusammenhalten? Uwe Trinitz lacht. „Nein, das sind umfangreiche Arbeiten“, erklärt er. „Zunächst soll ein kleiner Teil der Stützpfeiler ab- und wieder neu aufgebaut werden. Durch Wurzeln, die in den Verfugungen liegen, sind die Steine an einigen Stellen locker geworden.“ Zudem muss mancher Stein ersetzt werden, weil er nach all den Jahren schlicht nicht mehr da oder zu marode ist. Dann soll die Außen- mit der Innenmauer verankert werden, eine statische Sicherung. Der Clou: Durch die Bohrlöcher wird Zementleim unter Druck ins Innere der dicken Mauer gepresst. „Der füllt alle Hohlräume und schafft eine stabile Verbindung“, erklärt Trinitz.

Sehr alt ist das Mauerstück, an dem gerade gearbeitet wird, nicht. Die Burg stammt zwar aus dem 13. Jahrhundert, die Stützpfeiler an der Nordwand wurden aber erst 1821 errichtet. Nachdem Sidonie von Böhmen als letzte Bewohnerin der Burg Anfang des 16. Jahrhunderts verstorben war und 1568 ein Blitz eingeschlagen hatte, nutzte man einen großen Teil des Baumaterials für andere Bauwerke. Die Dachschiefer wurden zur Burg Stolpen geschleppt, Fenster und Türen zum Jagdschloss Grillenburg. Was stehenblieb, wurde mehrmals saniert, zuletzt 2010, als Steine aus dem Mauerwerk gebrochen waren.

Was er mit seinem Team macht, soll für viele Jahrzehnte halten, meint Trinitz. Die Arbeiten an den Stützpfeilern sind das erste „Kennenlernen“. Sobald Frost kommt, können seine Leute nicht weiterarbeiten. Schon bald wird das Gerüst also wieder abgebaut. Im nächsten Jahr kommen die Handwerker dann zurück.