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Subtile Manipulation

Kino. Im Pentacon laufen an drei Abenden bekannteNS-Propagandafilme des Regisseurs Veit Harlan.

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Von Andreas Rentsch

Eigentlich ist der bekannteste nationalsozialistische Propagandafilm tabu fürs Kinopublikum. „Jud Süß“ darf wegen Volksverhetzung nicht öffentlich gezeigt werden. Das hat ein bundesdeutsches Gericht 1963 entschieden. Eine Ausnahme wird dennoch gemacht: Im Rahmen von Bildungsveranstaltungen, die dem bürgerschaftlichen Engagement gegen Rechtsextremismus dienen, sind Aufführungen erlaubt, wenn sie von Fachleuten begleitet und kommentiert werden.

Das Medienkulturhaus Pentacon beschäftigt sich bereits zum sechsten Mal mit den brisanten Stoffen. Unter dem Motto „Berüchtigte NS-Propagandafilme“ stehen in diesem Jahr Veit Harlans Werke auf dem Programm (s. Kasten).

Filmische Durchhalteparole

Harlan gehörte zu den prägenden Regisseuren des Dritten Reiches, für „Kolberg“ erhielt er 1937 den „Nationalen Filmpreis“. Dessen Inhalt sei, so hieß es damals, „staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll“. Nach dem Krieg wurde Harlan wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, schließlich jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Bis 1958 führte er bei neun weiteren Filmprojekten Regie.

Die Organisatoren vom Kino im Dach (K.i.D.) und dem Kölner Institut für Kino und Filmkultur hätten bei ihrer Auswahl Wert auf Chronologie gelegt, sagt Ulf Mehner, der Presse-Verantwortliche des Medienkulturhauses: „Der Film ,Der Herrscher’ steht für die Anfänge der NS-Kinopropaganda. ,Kolberg’ ist schon als Durchhalteparole angelegt gewesen.“ Vor den Vorführungen wird der Filmexperte Gerd Albrecht aus Köln ausführlich ins Thema einführen. Ziel sei es, in Zeiten des zunehmenden Rechtsextremismus über die manipulierende Propaganda des Dritten Reiches aufzuklären, sagt Mehner. Die Resonanz ist auch in diesem Jahr groß. Schulklassen aus sieben Gymnasien haben sich bereits für die Vorführungen angemeldet. Das Angebot richtet sich aber an alle Altersgruppen. Schwierigkeiten mit Neonazis, die die Vorführungen der sogenannten „Vorbehaltsfilme“ als Plattform für ideolgische Reden genutzt hätten, gab es in den vergangenen Jahren nicht. Die K.i.D.-Verantwortlichen rechnen damit, dass das so bleibt.