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Im Bus das Glücklichsein lernen

Nicht selten greifen Schulkinder zu Alkohol und Drogen. Der Landkreis kann von einem neuen sächsischen Präventionsprojekt profitieren.

Lydia Jähnichen (links) und und Rocco Geißdorf (Mitte) vom Hanno Pirna (l-r) mit Belinda Stephan von der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen im Oberdeck.
Lydia Jähnichen (links) und und Rocco Geißdorf (Mitte) vom Hanno Pirna (l-r) mit Belinda Stephan von der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen im Oberdeck. © Daniel Schäfer

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Deutschland zählt nicht zu den zehn Ländern mit den glücklichsten Menschen. Die wohnen allen voran in Finnland, Dänemark und Norwegen. Vielleicht liegt das auch daran, dass mancher nicht weiß, was er selbst tun kann, um glücklich zu sein. Das trifft auch auf Schulkinder zu. Mal läuft etwas nicht nach Plan, mal ist der Freund oder die Freundin weg oder sind die Zensuren nicht so gut. Niemand ist immer ganz glücklich, ganz zufrieden mit sich und der Welt. Die Welt gerät auch mal aus den Fugen.  Viele Fragen lassen Kinder und Jugendliche ratlos zurück.  Und genau dann können Alkohol und Drogen ins Spiel kommen.

Ein noch ziemlich junges Projekt des Freistaates "Glück sucht dich", ein Suchtpräventionsbus, kann helfen,  Fragen rund um diese Themen zu beantworten. 

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Der Bus sollte bereits für die Fünft- bis Zwölftklässler in Neustadt, Sebnitz und Stolpen im Einsatz sein. Er wäre Teil eines großen Präventionsprojektes der Städte gewesen, in Zusammenarbeit mit dem  Hanno e.V. in Pirna. Doch Corona verhinderte das Projekt. Es wird im kommenden Jahr nachgeholt. 

 "Die Schulen haben speziell für dieses Präventionsprojekt Bedarf angemeldet. Nun mussten wir das leider verschieben. Vorab bekommen dafür aber Schulsozialarbeiter die Gelegenheit, sich den Bus anzuschauen", sagt Rocco Geißdorf. Er ist Geschäftsführer des Hanno e.V. Der Verein  koordiniert  landkreisweit den Kinder- und Jugendschutz, speziell mit dem Schwerpunkt Suchtprävention. Deshalb stand der Doppeldeckerbus jetzt auch zwei Tage lang auf dem Parkplatz vor dem Freizeitbad Mariba in Neustadt. Von Schülern bereits neugierig bestaunt.

In dem Bus wurden auf zwei Ebenen insgesamt acht Stationen innovativ und interaktiv eingerichtet.
In dem Bus wurden auf zwei Ebenen insgesamt acht Stationen innovativ und interaktiv eingerichtet. © Daniel Schäfer

Auf einer Wellenlänge mit den Schülern

Der Bus ist ein neues Angebot des Freistaates, Fünft- bis Zwölftklässler zu stärken, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf einer Wellenlänge mit den Schülern.  Das Konzept für den Bus lieferte die Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen im Auftrag des Sozialministeriums.  Der  Doppelstockbus beherbergt acht Stationen, auf jeder Ebene vier. An diesen Stationen, wie zum Beispiel Kopfkino, Flowzone, Glückspost, Durchblick können sich die Schüler interaktiv mit ihren eigenen Sichtweisen auf Rauschmittel, Risiken, Glück und Identität auseinandersetzen. Die Stationen bearbeiten unter anderem die Themen Glück, positive Psychologie, Suchtmittelkonsum und andere. 

Das Ganze funktioniert spielerisch, mit dem Hintergrund, die Risiko- und Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Das Konzept des Busses lädt zum Lernen, Mitmachen und Weiterdenken ein. Etwa 90 Minuten nimmt der Rundgang durch den Bus in Anspruch. Ein Rundgang, der sich lohnt.

Es ist übrigens nicht das erste Suchtpräventionsprojekt, welches im kommenden Jahr an den Schulen laufen wird. Es ist ein frisches ergänzendes Angebot. "Und das Positive daran ist, mit dem Bus erreichen wir auch die ländlichen Regionen", sagt Rocco Geißdorf.  

Immer mehr Kinder und Jugendliche süchtig

Hinter dem Konzept steckt ein einfacher Gedanke. Das Wesen der Schulkinder soll gestärkt werden, sie sollen sich selbst wahrnehmen, sollen lernen, wie man mit Stress und Gefühlen umgeht, und das außerhalb des gewohnten Schulhauses. Wer weiß, was er selbst tun kann, um glücklich zu sein, wird wahrscheinlich nicht so schnell zu Drogen greifen, davon gehen zumindest Experten aus.

Dass Bedarf an solch einem Präventionsprojekt besteht, belegen die Statistiken der Suchtkrankenhilfe Sachsen. Die Erkenntnis der Fachleute: Die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden müssen, steigt von Jahr zu Jahr. Etwa 900 Fälle wurden zum Beispiel 2017 in der Statistik erfasst, 2014 waren es noch 515. Im Jahr 2018 waren 16 Prozent der Drogenkonsumenten in Sachsen Jugendliche und 1,1 Prozent Kinder unter 14 Jahren. Am meisten werden von Kindern und Jugendlichen Alkohol, Cannabis und Metamphetamine konsumiert.

Der Bus kann von Schulen, Einrichtungen der Jugendfreizeit und Präventionspartnern gebucht werden. Weitere Informationen zu den Ansprechpartnern und der Buchung gib es im Internet.

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