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„Südamerika gewinnt“

Trainer-Ur-Gestein Horst Rau war am Stammtisch zu Gast. Er plauderte aus dem Nähkästchen. Und gab seinen WM-Tipp ab.

Von Wolfgang Schmidt

Special-Guest einer Talkrunde am Mittwoch in der Buchhandlung Heinrich in Bischofswerda war Horst Rau – Teil erfolgreicher Bischofswerdaer Fußballjahre. An seine erste Bekanntschaft mit dem Fußball in Bischofswerda erinnert er sich genau. Das war im Juni 1973. Als Spielertrainer der BSG Motor Cossebaude war er mit seinem Team zum Bezirksliga-Aufstiegsspiel gekommen, das sie aber auf dem legendären Hartplatz der Kampfbahn mit 1:2 verloren. Die Fortschritt-Kicker indes setzten sich in der Aufstiegsrunde durch und eigentlich von da an begann der sportliche Höhenflug, der 1986 mit dem sensationellen Aufstieg in die höchste Spielklasse, die DDR-Oberliga, gekrönt wurde. Und da war Horst Rau wieder dabei, als Trainer der BSG Fortschritt Bischofswerda. Am Mittwoch war der inzwischen 65-Jährige wieder da. Eingeordnet in ihre monatlichen Veranstaltungen, hatte die Inhaberin des Buchladens einen Fußball-Stammtisch organisiert.

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Vom Trainer Manfred Heldner hatte Rau erstmals 1982/83 die inzwischen in der fünfgleisigen DDR-Liga spielende erste Männermannschaft übernommen. Er fand gestandene Spieler und junge Talente vor, die es galt, weiter zu profilieren. Das gelang sportlich beim Training und in den Spielen. Aber auch durch Unterstützung staatlicher, kommunaler und betrieblicher Einrichtungen wie dem VEB Mähdrescherwerk sowie vieler ,Macher‘ wie Manfred Voigt und Werner Mellentin. Dazu die oft mehrere Tausend Zuschauer, die mit ihren „Schiebock-Schiebock-Rufen“ wie eine Wand hinter der Mannschaft standen. „Wir wurden eine große Familie, wir, die Fußballer und die Fans auf den Rängen“, sagte Horst Rau beim Forum am Mittwoch in Bischofswerda sichtlich bewegt. In Bischofswerda wurde Fußball gelebt. Die Aktiven kämpften auf dem Platz und das erkannten die Zuschauer an, auch wenn ein Spiel nicht gewonnen wurde. – Auch manche Anekdote machte beim Buchladen-Stammtisch die Runde, in die sich auch die Gäste mit ihren Erinnerungen einbrachten. Eine wahre Geschichte: die höchste Fortschritt Niederlage in der DDR-Liga mit 0:8 in Zwickau gegen die Sachsenring-Elf. Pikant, Horst Rau wirkte als Aktiver mit. Schon das 0:8 war eine Schlappe, und als die Bischofswerdaer Mannschaft beim Abendessen noch den Tisch mit der Nummer acht zugewiesen bekam, war der Tag gelaufen. Heute schmunzelt Rau darüber. Rückblickend auf seine dreimalige Trainertätigkeiten in Bischofswerda resümierte er: „Es war eine sportlich erfüllte und persönlich gute Zeit“. Bis voriges Jahr brachte er sich bei Mannschaften in der Region als Trainer ein. Jetzt gibt er sein Fußballwissen an den Nachwuchs weiter. – Am Stammtisch Mittwochabend ging es auch um die Profikicker von heute, die Bundesliga und die deutsche Nationalmannschaft, ihre Spielweise und Spiele. Und wer wird neuer Weltmeister, Herr Rau? „Eine südamerikanische Mannschaft wie Argentinien oder Brasilien.“