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Südliches Temperament auf südöstlichem Pflaster

Bereits zum zweiten Mal fanden am Sonnabend die „Italienischen Festtage mit Marktschreiern“ in Hirschfelde statt. Mit dabei: viel südliches Temperament und verblüffte Hirschfelder.

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Von Torsten Töpler

Roberto läuft auf der Ladefläche des Lkw von einer Seite zur anderen. Eine durchsichtige Folietüte wedelt in der Hand. Der dunkelhaarige italienische Verkäufer wirkt etwas ungeduldig. Das hiesige Publikum gibt sich an diesem Samstagvormittag noch reichlich zäh. Der gebürtige Turiner kommt einfach nicht zum Füllen des kleinen Beutels. Ab und zu hält er kurz inne. Dann bringt er wieder einen seiner kundenlockenden Sprüche lautstark über den Hirschfelder Marktplatz: „Hirschsalami, Mailänder, Peperoni, Schinken, Wiener Würstchen...“. Dazwischen schallen noch die werbenden Rufe der anderen Händler. Denn auch für sie heißt es Nudeln, Backwaren, Käse und Obst gleich kiloweise unter die Marktbesucher zu bringen.

Die Profi-Verkäufer wissen was irgendwann mal zieht. Eine ältere Frau macht bei Roberto Halt. Sogleich beginnt dieser mit dem demonstrativen Auffüllen des Beutels. Doch der auf reichlich zwei Kilo gekletterte Inhalt stimmt die Dame plötzlich um. Das bekäme sie niemals weg, wettert sie. Nicht mal für Robertos gebotenen halben Preis macht sie das Geschäft mit. Kopfschüttelnd wehrt sie entschieden ab: „Ach. Nee, nee. Ich mach mich lieber Heem.“ Auch einige andere lassen nicht an sich ran, schauen sich nur in Ruhe um. Die meisten scheinen lieber die konservative Art ihres traditionellen Wochenmarktes zu bevorzugen. „Wir sind das nicht gewöhnt“, stellt Andrea Putzmann aus Hirschfelde fest. Mit ihrer Familie hat sie sich gerade an einem anderen Lkw eine Tüte mit Backwaren für zehn Euro füllen lassen. „Es ist so schwer nein zu sagen“, umschreibt ihre Tochter die nahezu verführende Wirkung einzelner Verkaufs-Offerten. Sie selbst kam deshalb an der Kosmetik nicht vorbei.

Auch beim benachbarten Obst-Stand geht gerade wieder ein vollgepackter Plastik-Korb in überzeugte Kundenhände. „Neun Sorten“, betont Georg El Khouri stolz, „sind da drin.“ Der gebürtige Libanese ist Veranstalter des Marktes. Insgesamt sechs Lkw gehören zum Fuhrpark. Vorwiegend italienische Waren, erklärt er, gehören zum Gesamt-Angebot. Nur beim Wurst-Stand gäbe es auch einige Erzeugnisse mit deutschem Etikett. „Weil Deutsche manchmal mit dem Geschmack italienischer Wurst nicht zurechtkommen“, begründet Georg El Khouri. Das Funktionsprinzip seines Marktes ist schnell erklärt: „Die Menge macht's.“