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Südstadt-Mieter wichteln zum Nikolaus

Die gelben Papiersterne vom vorigen Jahr hängen wieder im Hausflur. „Die hat uns der Nikolaus gebracht“, sagt Waltraud Voigt. Weil die kunstvoll in Origami-Papierfaltkunst hergestellten Sterne so schön sind, haben sie und die anderen Mieter der Diesterwegstraße 10 sie wieder aufgehängt.

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Von Ingo Kramer

Die gelben Papiersterne vom vorigen Jahr hängen wieder im Hausflur. „Die hat uns der Nikolaus gebracht“, sagt Waltraud Voigt. Weil die kunstvoll in Origami-Papierfaltkunst hergestellten Sterne so schön sind, haben sie und die anderen Mieter der Diesterwegstraße 10 sie wieder aufgehängt. Und sie sind gespannt, was am Sonntagmorgen noch an ihren Wohnungstüren hängen oder stehen wird.

Keiner weiß, was es geben wird

„Wir bekommen jedes Jahr eine kleine Aufmerksamkeit vom Haus-Nikolaus“, freut sich Nachbar Jürgen Woida. Keiner weiß vorher, was er diesmal bringen wird. Mal ist es ein kleiner Stiefel, dann hängt etwas Süßes am Türrahmen.

Hinter den Überraschungen steckt das Ehepaar Rohne aus dem zweiten Stock. „Beide sind noch bis nächstes Jahr berufstätig und bedanken sich so immer bei den anderen, dass sie im Haus alles in Ordnung halten“, weiß Waltraud Voigt.

Die Nachbarn lassen sich aber auch nicht lumpen und schreiben anschließend stets ein neues kleines Dankeschön-Gedicht, das sie dem Nikolaus an die Haustafel hängen. Das liest sich dann so: „Danke, lieber Nikolaus, von allen Mietern hier im Haus. Wir freun uns auf das Weihnachtsfest, der Niklaustag, der ist der Test. Mit ’sehr gut‘ wieder abgeschnitten, nur weiter so, ich darf doch bitten.“

Fünf Ehepaare und ein einzelner alter Mann leben in dem Haus in der Südstadt. Sie alle sind zwischen Anfang 50 und Anfang 80 und erst nach der Sanierung im Herbst 2003 hier eingezogen. „Wir kannten vorher niemanden“, sagt Waltraud Voigt, die mit ihrem Mann nach 40 Jahren in Guben wieder zurück in ihre Heimat gezogen ist. Auch die anderen Mieter seien untereinander fremd gewesen. So gab es im ersten Jahr auch noch keinen Haus-Nikolaus. Dann aber haben sich alle zusammengesetzt und über das Leben im Haus gesprochen.

Und die elf Nichtraucher haben sich gut verstanden. So gut, dass sie inzwischen alle runden Geburtstage gemeinsam feiern, Grillfeste organisieren, sich alle zur Baumpflanzaktion getroffen haben – und seit dem zweiten Jahr immer am 6. Dezember auf den Nikolaus hoffen dürfen. Anschließend treffen sie sich in der Weihnachtszeit noch beim Ehepaar Rohne zu einer Bastelstunde für die Frauen. Die Männer nutzen den Termin stets für einen kleinen Umtrunk. Diesmal ist der 18. Dezember vorgesehen.

Ein bisschen Distanz bleibt

Weil so eine funktionierende Mieterschaft in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich ist, wissen die elf sie zu schätzen. Ein bisschen Distanz wollen sie sich aber trotzdem behalten. „Wir sprechen uns nach wie vor fast alle mit ‚Sie‘ an, sagt Jürgen Woida. Keiner besucht die anderen jede Woche und weiß immer genau, wer wo ist. Auch Weihnachten feiert jede Familie für sich. Mit der Überraschung vom Nikolaus aber rechnen die Mieter inzwischen ganz fest.